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Gasly über "schwierige" Red-Bull-Zeit: "Keiner setzte sich wirklich für mich ein"

Pierre Gasly spricht offen über seine halbe Saison bei Red Bull - Er hätte sich mehr Verständnis der Medien und vor allem mehr Unterstützung des Teams gewünscht

Gasly über "schwierige" Red-Bull-Zeit: "Keiner setzte sich wirklich für mich ein"

2019 war das wohl schwierigste Jahr im Leben von Pierre Gasly. Der Franzose verlor damals nach nur zwölf Rennen sein Cockpit bei Red Bull und wenig später auch noch seinen guten Freund Anthoine Hubert bei einem tödlichen Unfall. In einem Gastbeitrag für 'The Players' Tribune' gibt er Einblicke in sein damaliges Seelenleben.

"Ich erfüllte mir einen Traum. Ich war so aufgeregt. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass es genau das war, was ich erwartet hatte, was ich mir erhofft hatte. Aber das war es nicht", blickt er auf seine Zeit bei Red Bull zurück. Der damals 23-Jährige war nach nur etwas mehr als einer Saison von Toro Rosso ins A-Team der Bullen befördert worden.

Als Nachfolger des zu Renault gewechselten Daniel Ricciardo hatte er dort große Fußstapfen zu füllen. Doch gleich ab den Wintertests ging alles schief. "Ab dem Moment, an dem ich den ersten Fehler im Auto machte, hatte ich das Gefühl, dass sich die Leute langsam von mir abwenden", erinnert sich Gasly.

"Habe mir jeden Tag den Arsch aufgerissen!"

Bei den Testfahrten in Barcelona hatte er einen heftigen Unfall. Laut eigener Aussage nahm seine Saison anschließend nie wirklich Fahrt auf. Er berichtet: "Meine ersten beiden Rennen bei Red Bull waren schwierig, und die Medien fraßen mich auf. Alles, was ich in der Presse sagte, wurde zu einer Ausrede für meine Form verdreht."

Gasly startete mit einem elften und einem achten Platz in die Saison, während Teamkollege Max Verstappen Dritter respektive Vierter wurde. In dieser Phase hätte er sich öffentliche Unterstützung vom Team gewünscht. Doch die blieb laut seiner Aussage aus. "Keiner setzte sich wirklich für mich ein", so Gasly.

"Das Auto war nicht perfekt, und ich gab mein Bestes, um mich zu verbessern und Woche für Woche zu lernen", beteuert er und ergänzt: "Es war eine schwierige Zeit bei Red Bull für mich, weil ich nicht das Gefühl hatte, die gleiche Unterstützung und die gleiche Behandlung wie andere vor mir zu bekommen."

Das habe er nicht akzeptieren können. "Ich habe mir jeden Tag den Arsch aufgerissen, um Ergebnisse für das Team zu holen. Aber ich bekam nicht die Werkzeuge, die ich brauchte, um erfolgreich zu sein. Ich habe versucht, Lösungen anzubieten. Aber man hat entweder gar nicht auf mich gehört oder es dauerte Wochen, bis sich etwas änderte", so Gasly.

Rauswurf im Urlaub

Der Franzose stellt klar: "Ich bin nicht der Typ, der dann etwas über die Medien spielt, weil ich Red Bull wirklich dankbar für diese Chance und für alles bin, was sie in meiner Karriere für mich getan haben." Trotzdem wolle er nun die "Wahrheit" aus seiner Sicht erzählen. Denn nach nur zwölf Rennen endete sein "Traum" schon wieder.

Der Große Preis von Ungarn, das letzte Rennen vor der Sommerpause, sollte sein letztes für die Bullen sein. Das ahnte er damals allerdings noch nicht. In der WM lag er mit 63:181 Punkten gegen Verstappen hinten. Während der Niederländer bereits fünf Podestplätze und sogar zwei Siege geholt hatte, stand Gasly kein einziges Mal auf dem Treppchen.

"Bevor ich in den Urlaub fuhr, rief ich unseren Teamchef Christian Horner an", erinnert er sich und erklärt: "Ich wollte ihn nur fragen, was ich an den Rennwochenenden tun kann, um mich zu verbessern, und ob er sich meine Seite der Garage etwas genauer ansehen kann. Christian sagte, er würde alles tun, was er kann."

Er selbst sei bereit gewesen, hart zu arbeiten, um sich in der zweiten Saisonhälfte zu verbessern. "Aber im Urlaub in Spanien rief mich Helmut Marko an und sagte: 'Wir schicken dich im Tausch mit Alex Albon zurück zu Toro Rosso'", erinnert sich Gasly, für den damit eine Welt zusammenbrach.

Schritt zurück zu Toro Rosso "sehr, sehr hart"

Marko habe ihm damals versichert: "Das heißt nicht, dass es das Ende deiner Geschichte bei uns ist. Aber bei allem, was in den Medien gerade los ist, denken wir, dass es das Beste ist." Doch Gasly gesteht: "Ich war traurig. Ich kann nicht lügen. Ich war völlig am Boden. Ich möchte Weltmeister werden."

"Wer weiß, wann ich wieder in so einem guten Auto sein werde? In diesem Sport ist es sehr, sehr hart, einen Schritt zurück zu gehen", erklärt er. Eine Nachricht von Anthoine Hubert habe ihn anschließend wieder aufgebaut. Sein Freund schrieb ihm, er solle bei Toro Rosso allen beweisen, dass er einen Platz in einem Topteam verdient habe.

¿pbsky|20|pb¿Beim ersten Rennen nach der Sommerpause in Spa folgte mit Huberts Tod ein weiterer Schicksalsschlag. Sportlich konnte sich Gasly später aber tatsächlich rehabilitieren. Beim vorletzten Saisonrennen in Brasilien holte er einen sensationellen zweiten Platz. 2020 feierte er in Monza für AlphaTauri sogar seinen ersten Formel-1-Sieg.

Einen Weg zurück zu Red Bull gab es für ihn bislang trotzdem nicht. Für die Saison 2021 entschied sich das Team, Sergio Perez als neuen Teamkollegen von Max Verstappen zu verpflichten.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Fahrer Pierre Gasly
Teams Red Bull
Urheber Ruben Zimmermann