George Russell: Die WM-Führung bedeutet gerade nichts
Während die Konkurrenz hofft, Mercedes im Entwicklungsrennen einholen zu können, weiß George Russell, dass sein Vorsprung nicht viel wert ist
George Russell liegt nach dem WM-Auftakt in Führung
Foto: LAT Images
Wie komfortabel ist der Vorsprung von Mercedes? "Im Moment bedeutet das gar nichts", weiß George Russell, der nach seinem Sieg beim Formel-1-Saisonauftakt in Melbourne am vergangenen Wochenende als WM-Spitzenreiter zum zweiten Rennen nach China kommt.
Mercedes hatte sich in Australien mit acht Zehntelsekunden Vorsprung souverän die erste Startreihe gesichert und im Rennen einen Doppelsieg eingefahren, der allerdings gegen Ferrari härter umkämpft war, als im Vorfeld von vielen angenommen.
"Sie haben einen Vorsprung", betont Lewis Hamilton und spricht von einer "gewaltigen Lücke", die der Konkurrenz auf die Silberpfeile fehlt.
Vor allem beim Energiemanagement spiele Mercedes derzeit seinen Vorteil aus, was gerade auf Strecken mit vielen langen Geraden einen Unterschied macht. "Sie scheinen einfach eine bessere Energiefreigabe zu haben, beziehungsweise weniger Derating am Ende der Geraden als einige der anderen", so Hamilton.
"Wir müssen erst noch verstehen, was in dieser Phase abläuft", sagt der Ferrari-Pilot und betont: "Wir müssen einfach daran arbeiten, wie wir mehr aus unserem Motor herauskitzeln können."
Ferrari hatte seinen Vorteil hingegen in den Kurven. Wie sich das Bild in China entwickelt, wird sich zeigen. Zwar gibt es dort eine sehr lange Gerade, allerdings gibt es auch mehr Möglichkeiten, die Energie wieder aufzuladen, sodass nicht so starke Probleme wie in Australien erwartet werden. Schwindet damit der Vorsprung von Mercedes?
"Ich denke schon, aber das Gesamtbild wird wohl relativ ähnlich bleiben", meint Hamiltons Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc. "Im Qualifying erwarte ich noch nicht, dass wir auf ihrem Niveau sind. Sicher werden wir näher dran sein, denn in Melbourne haben wir vieles nicht optimiert, da steckte noch einiges an Rundenzeit drin. Aber wir sind definitiv nicht auf ihrem Level."
Die Entwicklung wird entscheiden
Trotzdem warnt der Monegasse vor konkreten Vorhersagen, da man noch zu wenig über das Auto der Konkurrenz wisse. "Wir müssen erst verstehen, welcher Effekt durch was verursacht wird, wenn wir uns die Mercedes-Daten aus dem Qualifying ansehen", sagt er.
"Wenn man die Autos untereinander vergleicht, ist es nicht wie letztes Jahr, wo man sehr leicht sagen konnte: 'Okay, dieses Auto hat einen großen Vorteil.' Wenn man sich George und Kimi [Antonelli] im Qualifying ansieht, liegen drei Zehntel zwischen den Autos. Da spielt der Fahrstil eine riesige Rolle."
"Es gibt noch so viele Dinge zu analysieren, und das braucht Zeit. Wir sind uns also noch nicht sicher, wie sich das von Strecke zu Strecke verschieben wird", meint Leclerc.
Für Hamilton ist aber eines klar: Das Kräfteverhältnis zu Saisonbeginn muss nicht dem Kräfteverhältnis zum Saisonende entsprechen. Gerade im ersten Jahr eines neuen Reglements gibt es eine Menge Raum für Verschiebungen. "Die Entwicklungsrate ist im Moment für alle ziemlich steil, also wird es interessant sein zu sehen, wer bei den nächsten Rennen Upgrades bringt", sagt er.
"Es wird also wirklich spannend sein, die Entwicklung zu beobachten. Wir werden versuchen, sie einzuholen, und ich glaube, dass wir das schaffen können - aber sicher ist das nicht."
Russell froh über guten Start
Daher betont Russell auch, dass die WM-Führung im Moment keine Bedeutung hat, auch wenn er sich über den guten Start freut. "Am glücklichsten macht mich die Tatsache, dass das Auto schnell ist und so reagiert, wie wir es uns dachten", sagt der Brite. "Es gibt immer noch Raum für Verbesserungen, und darüber freue ich mich am meisten."
Das souveräne Ergebnis in Melbourne will er auch nicht überbewerten, da er einerseits der Meinung ist, dass Ferrari besser hätte dastehen können, wenn sie nicht mit der Strategie danebengegriffen hätten, und andererseits glaubt, dass viele Teams gerade im Qualifying nicht das Optimum herausgeholt haben.
"Wir haben im Qualifying einen wirklich tollen Job gemacht", lobt er sein eigenes Team. Man habe das Energiemanagement hinbekommen und auch die Reifen im richtigen Fenster gehabt. "Aber ich denke, der Sonntag hat die wahre Pace gezeigt. Wenn man sich Ferraris letzten Stint ansieht, sind sie im Grunde die gleichen Rundenzeiten gefahren wie wir", warnt er.
Kein Vergleich mit 2014
Daher will er auch von einem Vergleich mit 2014 nichts wissen, als Mercedes ebenfalls großartig in die neue Turboära gestartet war und der Konkurrenz um die Ohren fuhr.
"Damals hatte Mercedes einen gewaltigen Vorteil bei der Power-Unit gegenüber jedem anderen Hersteller. Es gab kein Team mit einem Mercedes-Motor, das mithalten konnte", verweist er auf die Tatsache, dass die lange wenig konkurrenzfähigen Williams damals mit dem Motor WM-Dritter werden konnten.
Aktuell rüste man hingegen mit McLaren auch das aktuelle Weltmeisterteam aus. "Wir wissen also, dass McLaren in der Lage ist, gegen uns zu kämpfen. Und Ferrari und Red Bull haben scheinbar eine Power-Unit entwickelt, die sehr nah an unserer liegt", sagt Russell.
"Momentan scheinen die Unterschiede also vom Auto zu kommen. Ich denke, wir haben dieses Jahr ein wirklich gutes Auto gebaut. Es wird viel über den Motor geredet, und natürlich ist der Motor großartig, aber das Auto ist auch fantastisch - das wird nicht so gewürdigt, wie es das verdient hätte. Ich bin mir sicher, dass das Feld schnell zusammenrücken wird."
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