George Russell verpasst ersten Punkt, ist aber stolz: "Bin eins mit dem Team"

George Russell verpasst seinen ersten Formel-1-Punkt für Williams denkbar knapp, doch am Ende überwiegt der Stolz auf die Leistung

George Russell verpasst ersten Punkt, ist aber stolz: "Bin eins mit dem Team"

Nachdem der zweimalige Formel-1-Weltmeister seinem möglichen Nachfolger den so ersehnten Punkt vor der Nase weggeschnappt hatte, spendete Fernando Alonso George Russell erst einmal Trost. Rundenlang hatte der Spanier Druck auf den Briten gemacht, rundenlang wehrte sich Russell verzweifelt dagegen, diesen zehnten Platz abzugeben. Doch es half nichts. Vier Runden vor dem Ende fand Alonso den Weg an Russell vorbei.

Beide verbindet ein gutes Verhältnis, weshalb Alonso nach dem Rennen noch im Parc-ferme direkt zu Russell ging und ihm tröstende Worte mitgab. Doch auch trotz der Aufmunterung wartet Russell auch nach 46 Rennen für Williams weiterhin auf seinen ersten Punkt. Es soll offenbar einfach nicht sein.

"So nah und doch so fern", analysiert Russell diesen elften Platz beim Großen Preis von Österreich in Spielberg. Schon am Start verlief es nicht optimal für Russell. Von Platz acht aus ging er ins Rennen, auf Rang zwölf fand er sich nach den ersten Runden wieder.

Problem vor dem Start "keine große Sache"

"Mein Start war nicht der beste. Ich kam gut weg, aber dann hatte Tsunoda vor mir einen starken Verbremser und musste direkt vor mir rüberziehen, um zu verhindern, dass er in seinen Teamkollegen kracht. Dadurch musste ich stark abbremsen und einige Jungs haben mich überholt", schildert Russell den Auftakt des Rennens.

 

Doch das sei gar nicht so dramatisch gewesen, merkt Russell an. "Das hat den Ausgang des Rennens nicht wirklich beeinflusst, denn das waren alles schnellere Autos, die sowieso vor uns gelandet wären", meint der 23-Jährige. Namentlich handelte es sich um Sebastian Vettel, Lance Stroll, Charles Leclerc und Daniel Ricciardo, die hinter Russell starteten, aber nach dem Start vor ihm lagen.

Daran, dass er es überhaupt so weit schaffte, gab es vor dem Start ein paar Zweifel. Denn über Funk beklagte sich Russell auf seiner Runde in die Startaufstellung über Probleme am Heck. Doch auf den Daten war nichts zu sehen.

Ferrari im Rennen zu stark

"Zu Beginn des Rennens habe ich es noch gespürt, das müssen wir uns ansehen und verstehen. Ich habe mich irgendwie an das Problem gewöhnt, das Auto fühlte sich einfach ein bisschen schief an, aber es war keine große Sache", erklärt er.

Das Rennen selbst verlief für Russell dann zunächst wenig spannend. Auf den Mediums gestartet konnte er den ersten Stint deutlich länger fahren als die auf weichen Reifen ins Rennen gegangenen AlphaTauris und Aston Martins. Alle vier mussten sogar ein zweites Mal an die Box, nur Gasly landete aus dem Quartett am Ende vor Russell.

Da sich Ferrari im Rennen erneut als zu stark erwies, ging es für Russell schlussendlich um Platz zehn. Alonso, der in seinem ersten Stint noch zwei Runden länger fahren konnte als Russell, kam gegen Rennende immer näher, zwischen beiden entwickelte sich ein toller und fair geführter Kampf. Alonso probierte in seinem Alpine immer wieder neue Linien, ehe er in Runde 67 nah genug dran war, um mit DRS zu überholen.

Russell: Man will am Ende nicht Fernando hinter sich

"Ich bin so hart und so schnell gefahren wie ich konnte. Aber wenn du dir für das Ende einen Fahrer aussuchen könntest, der hinter dir liegt, dann ist es sicher nicht Fernando", so Russell. Doch er weiß auch, dass Alonso das gesamte Wochenende über einfach schneller war.

"Gestern war er wirklich sehr schnell und hätte unter die ersten Fünf fahren müssen", erklärt Russell, der Alonsos "Erfahrung und Speed" nichts entgegensetzen konnte. Eine Untersuchung gegen Russell blieb ohne Folgen. Nach einem Zweikampf mit Kimi Räikkönen untersuchten die Stewards, ob Russell beim Bremsvorgang die Linie verlassen hat, sprachen ihn aber frei.

Trotz der verpassten Punkte nimmt Russell aus den zwei Wochenenden in der Steiermark viele positive Dinge mit. Williams hat sich zumindest mit seinem Auto im Mittelfeld etabliert. "Ich fühle mich im Moment eins mit dem Auto und dem Team. Wir holen wirklich alles aus dem Paket heraus, was meiner Meinung nach sehr wichtig ist", sagt er.

Und wie in der Vorwoche profitierte Williams erneut nicht von Ausfällen, sondern fuhr aus eigener Kraft in diesen Bereichen mit. "Wir machen alle einen wirklich guten Job und es ist so eng. Platz zwölf in Frankreich, Platz acht vergangene Woche, bevor wir ausgefallen sind, Platz elf heute - und das alles, obwohl jedes Topteam mit jedem Auto ins Ziel gekommen ist", sagt er stolz.

Vorfreude auf britische Fans - nach EM-Titel?

Da konnte er es auch verschmerzen, dass er erneut an den Punkten vorbeifuhr. Anders als letzte Woche, als es ein technisches Problem war, war es dieses Mal schlicht die bessere Leistung der Konkurrenz. "Um ehrlich zu sein, bin ich nicht so entmutigt, denn letztendlich bekommt man, was man verdient, und diese Jungs waren schneller als wir", stellt er klar.

Dennoch blickt Russell mit großer Vorfreude auf sein Heimrennen in Silverstone in zwei Wochen, wo nicht nur eine ganz andere Strecke, sondern erstmals auch das neue Sprintqualifying wartet.

 

"Ich bin mir nicht sicher, ob das zu unseren Gunsten ausfallen wird, denn normalerweise sind wir im Qualifying etwas besser als im Rennen, aber wir müssen dem eine Chance geben und vielleicht läuft es ja auch andersherum. Es ist für alle neu und das gibt auch eine Chance", sagt er.

Vor allem auf die heimischen Fans freut er sich, nachdem in Spielberg die Tribünen erstmals seit langer Zeit wieder voll waren. "In Silverstone werden vermutlich noch mehr Zuschauer sein und ich bin mir sicher, dass sie begeistert sein werden", sagt er und vermutet: "Wahrscheinlich auch, weil England die Europameisterschaft gewonnen hat."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Nur ein Reifen-Cut macht Sorge: Max Verstappen dominanter denn je

Vorheriger Artikel

Nur ein Reifen-Cut macht Sorge: Max Verstappen dominanter denn je

Nächster Artikel

Perez über die Zwischenfälle: "Das ist nicht mein Stil"

Perez über die Zwischenfälle: "Das ist nicht mein Stil"
Kommentare laden