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Gerhard Berger: Der Druck ist Vettels größtes Problem

Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger glaubt, dass der Druck schuld an Sebastian Vettels anhaltender Formschwäche ist: "Damit konnte er noch nie gut umgehen"

Gerhard Berger: Der Druck ist Vettels größtes Problem

Seinen Einstand bei Aston Martin hatte sich Sebastian Vettel sicher anders vorgestellt. Beim Formel-1-Saisonauftakt in Bahrain belegte der Deutsche nur den 15. Platz, nachdem er für eine späte Kollision mit Esteban Ocon (Alpine) bestraft wurde.

Schon davor waren die Voraussetzungen für ein starkes Auftaktrennen denkbar schlecht: In Q1 gescheitert, musste Vettel den Grand Prix infolge einer Gridstrafe wegen Missachtung der gelben Flagge von ganz hinten starten. Damit begann die Saison für den 33-Jährigen so, wie die letzte endete: enttäuschend.

Gerhard Berger glaubt, das Problem für Vettel sei der Druck. Der Deutsche stelle vor allem dann seine Klasse unter Beweis, wenn er sich in einer klaren Teamleader-Rolle befindet und nicht von der anderen Seite der Garage unter Druck gesetzt wird.

Nicht frei? Dieses Problem sieht Berger bei Vettel

"Sebastian ist ein viermaliger Weltmeister, also ist er einer der herausragenden Fahrer, keine Frage", betont Berger im Podcast 'In the Fast Lane'. "Aber er hat nie gut unter Druck reagiert. Erinnern Sie sich, als Daniel (Ricciardo; Anm. d. R.) zu Red Bull kam, war er sehr stark und setzte Sebastian unter Druck. Für Sebastian war es schwierig, damit umzugehen. Bei Ferrari war es das Gleiche."

"Ich habe einfach das Gefühl, wenn man ihn beobachtet, dass er nicht frei ist", erklärt Berger weiter. "Er ist nicht entspannt genug. Er versucht, Dinge zu beweisen, die in diesem Moment nicht möglich sind, weil das Auto nicht gut genug ist oder seine eigene Form nicht gut genug ist."

In der Situation, in der sich Vettel befindet, wäre es aus Bergers Sicht wichtig, "einen Schritt zurückzutreten und zu sagen: 'Nun, nimm es locker und der Erfolg wird wieder kommen.'"

Nach vier WM-Titeln: Ist bei Vettel die Luft raus?

Tatsächlich sieht er Vettel "am Ende seiner Karriere angelangt". Denn mit so vielen Rennen an Erfahrung und vier WM-Titeln komme der Punkt, "an dem man vielleicht nicht mehr in einer Situation ist, in der man all die Risiken eingehen will, in der man so kämpft, wie man gekämpft hat, bevor man irgendwelche Rennen gewonnen hat".

"In gewisser Weise läuft es einfach nicht gut für ihn. Er fängt an, Fehler zu machen und die Leute fangen an, ihn in Frage zu stellen. Das ist einfach Schritt für Schritt mehr Druck, und, wie ich schon zu Beginn sagte, mag er keinen Druck", so Berger.

Dass es in der Teamkonstellation mit Lance Stroll, dem Sohn von Miteigentümer Lawrence Stroll, zu Problemen kommen könnte, sollte Vettel anfangen, besser zu sein als Stroll, glaubt Berger nicht: "Es hängt von seiner Leistung ab."

Berger lobt Stroll - Aston Martin mit Schwächen

Das Team werde seine Aufmerksamkeit immer noch auf den schnelleren Fahrer richten, unabhängig von familiären Bindungen. "Aber ist es nicht überall das Gleiche? Wenn du langsamer bist als dein Teamkollege, werden sich die Teams natürlich mehr auf den konzentrieren, der schneller ist", weiß der zehnfache Grand-Prix-Sieger.

"Am Ende des Tages ist es eher psychologisch. Es ist einfach eine unangenehme Situation, wenn du in einem Team bist und dein Teamkollege ist schneller. Aber das ist etwas, mit dem man umgehen muss. Wenn du ein Sportler auf diesem Niveau bist, musst du mit starken Teamkollegen umgehen."

In dem Zusammenhang findet Berger lobende Worte für Stroll: "Lance macht seine Sache gar nicht so schlecht. Er bringt seine Leistung. Ich denke, dass er mit dem Heck des Autos zu kämpfen hat. Das Auto sieht nicht so gut aus."

Dabei handele es sich aber "nicht wirklich um ein Fahrerproblem", analysiert Berger. "Es ist das Auto, das sich nicht so verhält, wie sie es erwartet haben."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Rennserie Formel 1
Fahrer Sebastian Vettel
Teams Aston Martin
Urheber Juliane Ziegengeist