Gerhard Berger kritisiert Formel-1-Autos: "Sind bald Lastwagen"

Zu viel Gewicht und durch die Hybridsysteme "ein Witz": Die Rennlegende wünscht sich 500 Kilo schwere Boliden, befürwortet aber die Einführung des Halos

Gerhard Berger kritisiert Formel-1-Autos: "Sind bald Lastwagen"

Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger hat scharfe Kritik am Gewicht der aktuellen Boliden geübt. Wie er bei 'ServusTV' erklärt, würde sich die Königsklasse mit ihren mindestens 733 Kilogramm schweren Wagen und dem Trend hin zu mehr Masse von ihren Wurzeln lösen. "Die Autos sind schon bald Lkw", sagt Berger und nennt die aktuellen Gegebenheiten "einen Witz". Vielmehr sei es nötig, das Gewicht auf circa 500 Kilo zu reduzieren und so wieder für das altbekannte Fahrgefühl zu sorgen.

Dabei geht es Berger nicht nur um den jüngst eingeführten Kopfschutz Halo, der für neun zusätzliche Kilo (aber nur fünf Kilo beim Mindestgewicht) sorgt. Auch die massigen Hybridsysteme stören ihn. Er plädiert für mehr Freiheiten bei der Gestaltung der Antriebe und schlägt verschiedene Konzepte vor: "Wenn das jemandem einen Vorteil bringt, fährt er schwerer und schneller. Wenn nicht, kann man einfach einen Motor ohne diese Systeme nehmen", so Berger. Eine bekannte Forderung.

Jedoch stieß ein Duell verschiedener Antriebskonzepte, wie es das Red-Bull-Lager lange forderte, in der Formel 1 auf wenig Gegenliebe. Zu groß war die Angst vor großen Disparitäten und zu dominant der Wunsch der Hersteller, die Themen Energieeffizienz und Hybrid konsequent zu besetzen.

 

 

Dass die Rundenzeiten sich zuletzt trotzdem in Richtung der Bestmarken aus der V10-Ära bewegten, kann Berger nicht besänftigen: "Die Rekorde werden gebrochen, aber jedes Jahr Gewicht aufzubauen und es zu kompensieren – das ist Quatsch", sagt er Österreicher. Ex-Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn bemängelt zudem, dass die kleinen Mannschaften unter Kostendruck geraten wird. Sie spricht von einer "teuren Entwicklung", wenn Gewichtsreduktion an Bedeutung gewinnt.

Hinzu käme, dass die Fahrer in den Magerwahn gezwungen würden, weil nicht nur ihre Autos, sondern auch sie abspecken müssen – obwohl die in den Kurven schnelleren Wagen mehr Muskulatur erfordern. "Sie wollen die schnellste Rundenzeit. Dafür machen sie alles was geht", so Kaltenborn.

Obwohl die Halo-Einführung die Situation prekärer gemacht hat, befürwortet Berger sie: "Ich bin kein Fan davon wie es ausschaut. Als Motorsportler stört es mich auch, aber es ist ein Sicherheitsthema und viele Experten haben sich lange den Kopf darüber zerbrochen – und sind auf diese Lösung gekommen", deutet er an, dass es sich um die beste Option handeln würde. "Sicherheit geht vor." Auch Rennlegende Hans-Joachim Stuck nennt Halo einen "Schritt in die richtige Richtung" und findet, dass die Formel 1 weiterhin gefährlich wäre: "Es sind noch genug Risiken dabei."

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