Gerhard Berger: Red Bull fehlen "drei Zehntel" auf Mercedes

Kann Red Bull Mercedes in dieser Formel-1-Saison wirklich herausfordern? Gerhard Berger analysiert das Kräfteverhältnis nach den beiden Spielberg-Rennen

Gerhard Berger: Red Bull fehlen "drei Zehntel" auf Mercedes

Vor dem Formel-1-Neustart in Spielberg hatten nicht wenige gehofft, dass Red Bull auf seiner Paradestrecke Weltmeister Mercedes herausfordern können würde. Schließlich gewann Max Verstappen auf dem Red Bull Ring die Rennen der vergangenen beiden Jahre. Doch diesmal triumphierte Mercedes gleich doppelt.

Rennen 1 gewann Valtteri Bottas, Rennen 2 Lewis Hamilton - jeweils in überlegener Manier. Red Bull hingegen schrieb beim Auftakt nach viel Pech eine Nullrunde, am Sonntag schaffte es Verstappen immerhin als Dritter aufs Treppchen. Wirklich gefährden konnte er den Mercedes-Doppelsieg in der Steiermark zu keinem Zeitpunkt.

"Die Mercedes-Power ist extrem stark", analysiert Gerhard Berger bei 'ServusTV'. "Mercedes hat über den Winter sehr gute Arbeit geleistet. Honda auch - aber Mercedes hat auch wieder nachgelegt. Man sieht immer noch: Gerade auf so einer Powerstrecke wie dem Red Bull Ring zählt das. Am Sonntag war da nichts zu machen."

Berger: "Hätte mein Geld auf Alex gesetzt"

Im ersten Spielberg-Rennen hingegen hätte Red Bull mit Alexander Albon realistische Siegchancen gehabt, glaubt Berger: "Die Strategie war gut, und er war dran. Natürlich muss man an einem Hamilton und dann auch an Bottas erstmal vorbeikommen. Aber mit dem Reifenzustand, den er hatte, hätte ich mein Geld auf Alex gesetzt."

Beim Versuch, den Mercedes von Hamilton zu passieren, kam es jedoch zum Kontakt. Albon fiel zurück und musste sein Auto wegen elektronischer Probleme schließlich abstellen. Für Hamilton gab es eine Fünf-Sekunden-Strafe, die ihn auf Platz zwei auf vier zurückwarf. An der Pleite für Red Bull änderte das freilich nichts.

Verstappen war in dem Rennen auf Platz zwei liegend wegen eines Defekts bereits früh ausgefallen. Zwar bekam man die technischen Probleme am darauffolgenden Wochenende in den Griff, der Rückstand auf Mercedes aber blieb. Wie groß er tatsächlich ist, bleibt ungewiss, da Hamilton wohl nicht sein volles Potenzial zeigte.

Was hat Mercedes 2020 noch im Köcher?

"Das Tragische ist ja: Wenn man ein bisschen tiefer reinschaut, kommt man drauf, dass Hamilton sicher nicht alles geben musste", analysiert Berger. "Am ersten Wochenende hatten sie einen Vorteil von vier Zehnteln. Red Bull hat sehr gut reagiert und hat über die Woche einige Sachen am Unterboden und so weiter verändert."

Sie seien damit schneller geworden, aber eben noch nicht ganz rangekommen. "Ich glaube, dass da noch ein Polster von drei Zehnteln ist. Man muss aber sagen: Der Red-Bull-Ring ist eine absolute Powerstrecke. Jetzt muss man in Ungarn schauen, wie die Autos dort zurechtkommen", blickt Berger auf das nächste Rennen voraus.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn urteilt nach dem Double-Header in Spielberg: "Mercedes war am Red Bull Ring sehr beeindruckend und hat einmal mehr gezeigt, dass sie das Team sind, das es zu schlagen gilt." Wie Berger vermutet auch der Brite, dass das Weltmeisterteam sein ganzes Potenzial bisher noch nicht gezeigt hat.

"Sie haben ihre Autos während des Rennens kontrolliert, insbesondere nach den Getriebeproblemen am ersten Wochenende. Ich vermute, dass sie etwas mehr in Reserve hatten, weil sie sich von den Randsteinen fernhalten und weniger aggressiv mit den Autos umgehen mussten. Das dürfte ihre Konkurrenten beunruhigt haben."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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