Gerhard Berger: Sebastian Vettel nicht mehr der Gleiche wie vor zehn Jahren

DTM-Chef Gerhard Berger befürchtet, dass Sebastian Vettel seine besten Jahre in der Formel 1 hinter sich hat und nie wieder so stark wird wie früher

Gerhard Berger: Sebastian Vettel nicht mehr der Gleiche wie vor zehn Jahren

Formel-1-Legende Gerhard Berger befürchtet, dass Sebastian Vettel seine besten Jahre im Motorsport bereits hinter sich hat. Den heutigen DTM-Chef verbindet mit Vettel, wie er selbst sagt, eine Freundschaft - Berger war Vettels Teamchef, als der junge Deutsche in Monza 2008 auf Toro Rosso völlig überraschend seinen ersten Grand Prix gewonnen hat. Doch inzwischen ist der Österreicher davon überzeugt, dass Vettel Ende 2020 besser beraten gewesen wäre, seine Formel-1-Karriere zu beenden.

Berger fällt es hörbar schwer, seine durchaus Vettel-kritische Meinung öffentlich preiszugeben. "Sebastian ist ein Freund. Ich mag ihn sehr. Ein guter Kerl, ein fantastischer Rennfahrer, viermaliger Weltmeister. Er hat alles, was du dir wünschen kannst, inklusive eines gut gefüllten Kontos", sagt er in der aktuellen Ausgabe des Podcasts 'F1 Nation'.

"Nach Ende der letzten Saison habe ich gesagt, dass er aufhören soll. Ich würde mich an seiner Stelle daran erfreuen, dass ich viermal Weltmeister war, und würde manchmal eine Classic-Rallye fahren oder andere schöne Dinge genießen, die das Leben zu bieten hat. Und ich würde mir sagen, dass ich einer der besten Rennfahrer war, die es im Sport je gegeben hat."

"Gleichzeitig gibt es diese Typen, die einfach weiter Rennfahren wollen, und Sebastian ist einer von denen. Es lag an ihm, diese Entscheidung zu treffen, und letztendlich war Aston Martin seine einzige vernünftige Möglichkeit. Die haben das richtige Image und die haben die Möglichkeiten, ein brauchbares Auto zu bauen. So gesehen hat er sich richtig entschieden", findet Berger.

 
 

Berger: Vettel 2021 erinnert an Berger 1997

Der zehnmalige Grand-Prix-Sieger, der in seiner eigenen Karriere für Teams wie Benetton, Ferrari und McLaren gefahren ist, fühlt sich durch Vettels heutiges Schicksal an seine eigenen letzten Jahre 1996 und 1997 erinnert: "Es kommt irgendwann der Punkt, da glaubst du, du machst noch alles richtig, du riskierst genug und fährst schnell genug. Aber dem ist nicht mehr so."

"Es kommt der Punkt, da geht's bergab. Am Anfang deiner Karriere machst du alles mit dem Talent, du riskierst und bist entschlossen. Dann kommt eine Zeit, da profitierst du sehr von deiner Erfahrung. Und dann kommt eine Zeit, da reicht die Erfahrung nicht mehr aus, um mit den Jungen mitzuhalten", sagt Berger.

"Ich habe das erlebt, als ich das zweite Mal bei Benetton war. Sowas ist eine große Enttäuschung für alle Beteiligten. Die Leute sehen dich mit anderen Augen als früher, und für dich selbst ist es auch schwierig, weil du dir eingestehen musst, dass deine Zeit für die besten Leistungen mehr oder weniger vorbei ist."

"Ich glaube, Sebastian kommt langsam in diese Phase. Ich bin überzeugt davon, dass er mit seiner Erfahrung und seinem Talent immer noch gute Rennen fahren kann. Aber ich glaube nicht, dass er noch der gleiche Sebastian Vettel ist wie der, den wir vor zehn Jahren erlebt haben", sagt Berger über den 33-Jährigen.

Harte Kritik: Vettel kann mit Druck nicht umgehen

Dazu kommt: "Er ist mit Druck noch nie gut zurechtgekommen. Ich erinnere mich an seine Zeit bei Red Bull, als Daniel Ricciardo dort ankam. Sebastian performt am besten, wenn alle Rahmenbedingungen für ihn passen. Da wächst er über sich hinaus. Aber wenn er Druck bekommt, dann tut er sich schwer. Ich denke, das ist eine Tatsache."

Für Vettel komme aktuell "erschwerend hinzu", dass er an den ersten beiden Rennwochenenden 2021 bei Aston Martin kein Land gegen Teamkollege Lance Stroll, den Sohn von Teameigentümer Lawrence Stroll, gesehen hat. Berger findet: "In den ersten zwei Rennen war Lance schneller als er."

"Lance ist wahrscheinlich besser, als die meisten Leute glauben. Inzwischen macht er einen sehr guten Job. Aber wenn du viermaliger Weltmeister bist und der junge Teamkollege schneller ist, dann tut das weh", sagt Berger und ergänzt: "Wenn man all das zusammenzählt, dann ist Sebastian in einer schwierigen Situation, fürchte ich."

Mit Bildmaterial von Motorsport Network.

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