Gerüchte um Wechsel zu Alpine: Verliert Vettel seinen Teamchef?

Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer könnte angeblich Nachfolger von Davide Brivio bei Alpine werden - Laurent Rossi sagt: "Könnte Änderungen geben"

Gerüchte um Wechsel zu Alpine: Verliert Vettel seinen Teamchef?

Geht es nach 'AUTOhebdo', dann könnte Sebastian Vettel seinen bisherigen Teamchef bei Aston Martin bald an Fernando Alonso verlieren. Denn die französische Fachpublikation berichtet aktuell, dass Otmar Szafnauer anstelle des bisherigen Rennleiters Davide Brivio zu Alpine wechseln könnte.

Brivio war erst zur Saison 2021 von Suzukis MotoGP-Programm als Rennleiter zu Alpine gekommen, ist in seiner Funktion aber öffentlich wenig in Erscheinung getreten. Sein Gegenüber in der Doppelspitze, Exekutivdirektor Marcin Budkowski, ist da wesentlich präsenter.

Bereits im Oktober tauchten erste Gerüchte auf, dass es Brivio nach nur einem Jahr zurück in die MotoGP ziehen könnte. Fast zeitgleich kündigte Alpine-CEO Laurent Rossi, der Chef von Brivio und Budkowski, an, dass er das Formel-1-Team umstrukturieren möchte, um es innerhalb von 100 Rennen an die Spitze zu führen.

"Wir gehören jetzt zu 'Best of the Rest' dazu, aber um wirklich zu den Allerbesten aufzuschließen, brauchen wir vielleicht eine andere Struktur", so Rossi am Rande des Grand Prix von Mexiko. "Ich bin da noch am Evaluieren, aber es könnte am Ende der Saison Änderungen geben. Erstmal konzentrieren wir uns drauf, diese Saison zu beenden und den fünften Platz in der WM zu holen."

Kriselt es zwischen Szafnauer und Stroll?

Szafnauer wäre für die Brivio-Position ein naheliegender Kandidat. Der Amerikaner hat Force India beziehungsweise Racing Point jahrelang erfolgreich geführt. Bei Aston Martin ist der Erfolgsdruck unter seinem neuen Chef Lawrence Stroll aber enorm. Und es wird gemunkelt, dass Szafnauer unter den neuen Teameigentümern ein wenig die Freude verloren hat.

Viele Beobachter hatten den Eindruck, dass es ihm zuwider war, Ende 2020 Sergio Perez trotz eines bestehenden Vertrags vor die Tür setzen zu müssen, um auf Drängen von Stroll den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel engagieren zu können. Ausgerechnet jenen Perez, der für das Überleben des Teams und Strolls Übernahme mit seinem Insolvenzantrag im Sommer 2018 eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Später dann wurde Szafnauer für die Art und Weise belächelt, wie verbissen er den Standpunkt von Aston Martin verteidigt hat, die Regeländerung mit dem beschnittenen Unterboden sei eine Ungerechtigkeit gewesen, um Mercedes und Aston Martin einzubremsen. Szafnauer habe dabei eine Position vertreten müssen, von der er selbst nicht überzeugt war, heißt es dem Hörensagen nach.

Das sind ein paar Indizien; die Faktenlage für einen möglichen Wechsel von Aston Martin zu Alpine ist aber noch dünn. Immerhin: Aston Martin würde einen etwaigen Abschied von Szafnauer wahrscheinlich gut verkraften. Seit 1. Oktober berichtet Szafnauer ohnehin an den ehemaligen McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, den Stroll als CEO für Aston Martin Performance Technologies engagiert hat.

In Mexiko erklärte Szafnauer, dass Whitmarsh aktuell noch damit beschäftigt sei, den Sportwagenhersteller und das Formel-1-Team Aston Martin (er ist für beides zuständig) kennenzulernen: "Wir sind 600 Leute. Er hat in den vergangenen Wochen viel Zeit damit verbracht, die leitenden Mitarbeiter kennenzulernen, und hatte lange Meetings mit ihnen."

"Einige der Leute kannte er schon aus seiner Zeit in der Formel 1. Aber mit den Allerwenigsten hat er schon einmal zusammengearbeitet", sagt Szafnauer. "Er ist da, um uns zu helfen. Auf der strategischen Ebene gibt es viel zu tun. Wir bauen gerade einen neuen Campus, stellen Leute ein, bauen Prozesse auf, die ein kleines Team nicht unbedingt gebraucht hätte, die in einem großen Team aber notwendig sind."

Szafnauer betont: War auch bei einem großen Team!

"Er kommt aus einem großen Team, er war bei McLaren. Ich war auch bei einem der damals größten Teams, Honda", betont der 57-Jährige. "Aber wir waren zuletzt ein kleines Team, und da gab es Dinge, die hatten wir nicht. Die müssen wir jetzt aufbauen. Da ist viel zu tun."

Der (unbestätigte) Flurfunk im Formel-1-Paddock zu den Gerüchten über einen möglichen Abschied geht übrigens so: Szafnauer ist im Team beliebt und wird von seinen engsten Mitarbeitern geschätzt. Doch er soll von Strolls Art und Weise, das Team zu führen, nicht angetan sein, und Stroll soll nicht davon überzeugt sein, dass Szafnauer der richtige Mann für jenes Milliarden-Dollar-Business ist, zu dem er Aston Martin transformieren möchte.

Auf der anderen Seite gibt's mit Rossi bei Alpine einen CEO, dessen Vorstellungen vielleicht eher damit kompatibel sind, wie Szafnauer ein Formel-1-Team führen würde. Und Szafnauer könnte sich bei Alpine in der Position des Renndirektors auf das konzentrieren, was er am besten kann: ein Rennteam zu leiten, ohne sich allzu viele Gedanken um das Business drumherum machen zu müssen.

Die Ambitionen von Alpine sind jedenfalls groß. Innerhalb der nächsten 100 Rennen möchte Rossi siegfähig werden und im besten Fall sogar eine WM gewinnen: "Wir scheuen nicht davor zurück, das so auszusprechen", sagt er. "Renault hat schon viele Titel gewonnen. Wir haben alles, was es braucht, um dahin zurückzukommen. Es wird nicht einfach, das ist sicher. Aber wir glauben wirklich, dass es möglich ist."

Ein fundamentaler Unterschied zu den Renault-Aufbaujahren unter Cyril Abiteboul soll sein, dass der Konzern jetzt wirklich hinter dem Formel-1-Programm steht. Vorstandschef Luca de Meo bekennt sich klar zur Königsklasse. Sein Vorgänger Carlos Ghosn war zwar auch bekennender Formel-1-Fan, doch ein Finanzskandal um seine Person und die durch Corona ausgelöste Weltwirtschaftskrise brachten den Konzern in unruhige Gewässer.

Renault habe "schwierige Zeiten erlebt", räumt Rossi ein: "Wir kommen da jetzt langsam raus, und hoffentlich bedeutet das ein bisschen mehr Stabilität und eine etwas längere Leine." Außerdem habe man durch die Einführung der Budgetobergrenze "Klarheit, dass die Investments mehr oder weniger die gleichen sind wie bei anderen Teams".

"Jetzt kommt es auf Effizienz, Erfahrung und Hausverstand an", sagt Rossi. Das sind Kriterien, die in den Ohren vieler sehr nach Szafnauer klingen. Effizienz hat er bei Force India gelernt, Formel-1-Erfahrung hat Szafnauer seit 1998 (Einstieg bei BAR), und Entscheidungen mit Hausverstand statt immer ganz streng und bürokratisch nach irgendwelchen Businesskriterien zu treffen, ist ebenfalls eine Disziplin, die ihm liegt ...

Mit Bildmaterial von Aston Martin.

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