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GP Bahrain 2021: Fragen & Antworten zum Saisonauftakt der Formel 1

Lewis Hamilton hat zum ersten Mal seit 2015 wieder den Saisonauftakt der Formel 1 gewonnen. Der Mercedes-Fahrer entschied beim Grand Prix von Bahrain 2021 einen elektrisierenden Thriller gegen Max Verstappen (Red Bull) für sich.

GP Bahrain 2021: Fragen & Antworten zum Saisonauftakt der Formel 1

Verstappen hatte das Rennen zunächst angeführt, die Führung aber beim ersten Boxenstopp verloren. Seine grandiose Aufholjagd auf frischeren Reifen blieb unbelohnt, weil er beim Überholmanöver in der 54. Runde neben die Strecke musste und die FIA-Rennkommissare das als Verstoß gegen die "Track-Limits" werteten.

Dritter wurde Valtteri Bottas im zweiten Mercedes vor Sergio Perez (Red Bull) und Charles Leclerc (Ferrari).

Sebastian Vettel (15./Aston Martin) ging ebenso leer aus wie Mick Schumacher (16./Haas).

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Warum hat Verstappen Hamilton wieder vorbeigelassen?

Weil er musste. Beim Überholmanöver in der 54. von 56 Runden trug es Verstappen so weit nach außen, dass er die "Track-Limits" überfuhr. Um nicht eine Fünf-Sekunden-Strafe zu kassieren, wurde er von seinem Team angewiesen, Hamilton wieder überholen zu lassen und es danach noch einmal zu probieren.

Doch Verstappen, der davor auf den um elf Runden frischeren Mediums innerhalb von 14 Runden 8,4 Sekunden Rückstand aufgeholt hatte und viel schneller wirkte als Hamilton, fiel durch den Positionstausch aus der DRS-Sekunde. Das verschaffte Hamilton die nötige Luft, sich über die Ziellinie zu retten.

"Ich glaube, Max hat durchs Rausfahren ein bisschen Staub auf die Reifen bekommen", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner im Interview mit 'Sky'. "Dadurch fehlte ihm kurzzeitig ein bisschen Grip und Lewis konnte sich genau die Luft verschaffen, die er brauchte, um bis zum Ende durchzukommen."

 

Verstappen war am Boxenfunk erstmal sauer: "Warum habt ihr mich nicht gelassen? Ich hätte locker fünf Sekunden rausfahren können. So zu verlieren wäre mir lieber gewesen als auf diese Weise Zweiter zu werden." Aber Horner hält dagegen: "Wenn die Anweisung von der Rennleitung kommt, hast du keine andere Wahl."

In nicht einmal drei Runden hätte gegen Hamilton ohnehin kaum fünf Sekunden rausgeholt. 'ServusTV'-Experte Nico Hülkenberg glaubt eher, dass er sich den verlorenen Sieg letztendlich selbst zuzuschreiben hat: "Max hatte noch ein bisschen Platz in der Kurve. Aber das sieht er in dem Moment natürlich nicht, wenn er im Auto sitzt. Da wird er sich ärgern."

Und 'Sky'-Experte Martin Brundle meint, dass sich Verstappen beim Durchlassen von Hamilton ungeschickt verhalten hat: "Er hätte ihn auch zwischen Kurve 13/14 durchlassen können. Dann hätte er DRS gehabt und gleich wieder attackieren können."

Warum lag Hamilton überhaupt in Führung?

Vom reinen Rennspeed her war gegen die Kombination Verstappen und Red Bull kein Kraut gewachsen. Also musste es Mercedes strategisch probieren. Hamilton setzte also auf einen Undercut, kam vier Runden vor Verstappen zum ersten Boxenstopp. Aus einem geringfügigen Rückstand wurden so mehr als fünf Sekunden Vorsprung.

Im ersten Stint (beide auf Medium) fuhr Verstappen vier Runden mehr als Hamilton, im zweiten (Hamilton Hard, Verstappen Medium) sogar sieben Runden. So hatte er im Finish, als beide auf Medium waren, die um elf Runden frischeren Pirellis. Ein Riesenvorteil.

 

"Mein früher Stopp hat dazu geführt, dass ich im letzten Stint ganz schön gelitten habe", sagt Hamilton. "Es war eine aggressive Strategie. Ich konnte ihn gerade noch hinter mir halten. Das war das schwierigste Rennen seit sehr langer Zeit."

Horner vermutet, dass Verstappens Tempo auch durch ein technisches Problem beeinträchtigt war. Bereits früh im Rennen hatte sich Verstappen darüber am Boxenfunk beklagt. Nach dem Rennen klärt der Niederländer auf: "Ich weiß nicht genau, was da los war. Mit einem Reifen hatte ich ziemlich viel Schlupf. Wir haben dann am Diff was umgestellt. War sicher nicht ideal."

Wer war schuld an der Kollision zwischen Ocon und Vettel?

Ganz klar Vettel! In der 45. Runde kämpften die beiden bei Start und Ziel um P12. Ocon saugte sich im Windschatten des Aston Martin an, scherte aus und lenkte in die erste Kurve ein. Bis er von Vettel einen Schubs bekam und sich drehte. Vettel hatte sich - mutmaßlich wegen der "dirty Air" des Alpine - einfach verbremst und die Kontrolle verloren.

Die erste Reaktion des Aston-Martin-Fahrers am Boxenfunk war emotional: "Warum musste er die Linie wechseln? Ich verbremse mich, und dann fahre ich ihm natürlich rein." Aber 'ServusTV'-Experte Nico Hülkenberg wundert sich über diesen "Rant" seines Landsmannes: "Esteban hat nicht die Linie gewechselt. Seb hat sich da einfach verschätzt."

 

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

Vettel knurrt: "Da gibt's nicht viel zu sagen. Ich dachte, er bleibt rechts, kam dann aber wieder links zurück. Und als ich direkt hinter ihm war, hatte ich natürlich keinen Abtrieb mehr und habe ich ihn dann gerade getroffen."

Das sahen die Rennkommissare anders. Die hatten Vettel schon am Sonntagmorgen wegen eines Verstoßes gegen gelbe Flaggen im Qualifying eine Rückversetzung auf den letzten Startplatz und drei Strafpunkte aufgebrummt. Für die Kollision mit Ocon gab's zehn Sekunden Strafe und weitere zwei Strafpunkte. WM-Punkte hingegen kamen keine aufs Konto.

Am Ende wurde er mit einer Runde Rückstand 15.

Was war beim Boxenstopp von Valtteri Bottas los?

In Runde 30 kam der Finne an zweiter Stelle liegend zum zweiten Boxenstopp. Rechts vorne bekamen die Mechaniker aber den Reifen zunächst nicht ab. Weil alle anderen Reifen gewechselt waren, wurde das Auto zu Boden gelassen. Also mussten es die Mechaniker noch einmal aufbocken. Bis der Reifen endlich gewechselt war, waren mehr als zehn Sekunden vergangen. Und Bottas hinter Norris und Leclerc auf Platz fünf zurückgefallen.

Letztendlich waren Mercedes und Red Bull aber so überlegen, dass der dritte Platz für Bottas auch so einzementiert war. Nach hinten hatte er am Ende 9,1 Sekunden Puffer auf Norris, und das trotz eines zusätzlichen Luxus-Boxenstopps, der ihm immerhin noch den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde einbrachte.

 

"Der Boxenstopp hat mir alle Chancen geraubt. Das Tempo war ganz gut, aber das Ergebnis ist enttäuschend", sagt Bottas.

Probleme schon vor dem Start: Was war bei Sergio Perez los?

Ungefähr eine Stunde vor dem Start herrschte hektisches Treiben in der Red-Bull-Box. Bei Perez war den Honda-Ingenieuren eine Anomalie in den Daten aufgefallen. Sicherheitshalber wurden Batterie und Steuerelektronik gewechselt. Weil das alles beim ersten Rennen noch innerhalb des erlaubten Kontingents liegt, gab's dafür keine Strafe.

Perez ging ganz normal in die Aufwärmrunde, rollte in der aber aus. Das Feld ging in eine zweite Aufwärmrunde, als Perez den RB16B wieder in die Gänge bekam. Allerdings durfte er laut Reglement nicht zum Feld aufschließen, sondern er musste aus der Boxengasse starten.

 

Für Honda übrigens nicht das erste technische Problem beim Saisonauftakt. Bereits am Freitag hatte es bei Yuki Tsunoda (AlphaTauri) ein paar Gremlins gegeben, und dessen Teamkollege Pierre Gasly hatte am Samstagmorgen ebenfalls Komponenten getauscht. Zwischen den Auffälligkeiten bei Perez und Gasly gibt es aber keinen Zusammenhang, versichert Honda auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'.

Das Rennen verlief dann für beide anders, als sie es sich vorgestellt hatten. Gasly rasierte sich gleich zu Beginn am McLaren von Daniel Ricciardo die Nase ab und wurde nach einem chaotischen Rennen 17. Perez zeigte immerhin einige tolle Überholmanöver (unter anderem im Finish gegen Ricciardo und Leclerc) und sammelte viel Erfahrung und kam letztendlich als Fünfter ins Ziel.

Wie lief das Comeback von Fernando Alonso?

Nur 33 Runden lang. Der Alpine-Pilot fuhr einem sicheren Punkteresultat entgegen und sorgte für tolles Racing, als er sich mit Carlos Sainz und Vettel um Platz acht matchte. Nach 33 Runden war sein Arbeitstag aber vorbei. Die Hinterradbremsen des Alpine hatten ihren Dienst aufgegeben. Wegen eines Teils, das sich in der Bremsbelüftung verfangen hatte.

Was war die Ursache für den Ausfall von Nikita Masepin?

Der Russe war der Dreherkönig des Wochenendes. Am Samstag gab er noch dem Brake-by-Wire-System die Schuld für seine Probleme in Kurve 1. Am Sonntag nicht mehr: "Meine Reifen waren kalt, ich kam auf den Randstein, gab zu aggressiv Gas und drehte mich. Total mein Fehler. Ich bin Mick ausgewichen und bin zu schnell aufs Gas. Das haben die Reifen nicht mitgemacht."

 

Ein paar Runden später passierte Schumacher an der gleichen Stelle genau das gleiche Malheur. Der Deutsche hatte aber Glück und konnte weiterfahren. Im Rennergebnis spielte er aber keine Rolle. Immerhin sammelte er, anders als Masepin, 55 Runden Rennerfahrung.

Warum war das Safety-Car eigentlich grün?

Das hatte nichts mit den neuen Öko-Initiativen der Formel 1 zu tun. Sondern Mercedes teilt sich das Safety-Car 2021 erstmals mit Aston Martin - und die Traditionsfarbe der britischen Traditionsmarke ist Grün. Fahrer des Aston Martin Vantage mit 4,0-Liter-V8-Turbomotor (510 PS) war aber wie gewohnt Bernd Mayländer.

Welcher Rekord von Michael Schumacher wurde diesmal gebrochen?

Der für die meisten Führungsrunden in der Formel-1-Geschichte. Mit beendeter 42. Runde stellte Hamilton sein Konto in dieser Statistik auf 5.112 Runden. Schumacher hatte im Verlauf seiner glanzvollen Karriere 5.111 geschafft.

Was hat das Ergebnis mit Daniil Kwjat zu tun?

Jedes Mal, wenn Kwjat bei Red Bull rausgeschmissen oder degradiert wurde, hat Verstappen gewonnen - bis heute!

Das war in Barcelona 2016 so, als Verstappen Kwjat bei Red Bull ersetzte. Dann in Sepang 2017, als Kwjat bei Toro Rosso durch Gasly ausgetauscht wurde. In Austin 2017 durfte Kwjat wieder ran, weil Gasly eigentlich in Japan Super Formula hätte fahren sollen (Saisonfinale wurde aber wegen Taifun abgesagt). Das Rennen darauf, in Mexiko, als Kwjat wieder Platz machen musste, gewann Verstappen.

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Erste Stimmen nach dem Rennen und später dann auch aus den Pressekonferenzen in Bahrain gibt's im Ticker "Paddock live" mit Ruben Zimmermann!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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