"Hätten uns den Arm abgebissen": Duell Mercedes vs. Red Bull spitzt sich zu

Der WM-Kampf in der Formel 1 zwischen Red Bull und Mercedes spitzt sich immer weiter zu - In Sotschi bejubelte Red Bull einen mentalen Sieg, doch Mercedes kämpft

"Hätten uns den Arm abgebissen": Duell Mercedes vs. Red Bull spitzt sich zu

Die spannendste Formel-1-Saison seit Jahren geht allmählich in ihre entscheidende Phase. Noch sieben Rennen sind in diesem Jahr zu absolvieren, und die Ausgangslage in der WM könnte kaum spannender sein.

Lewis Hamilton übernahm durch seinen 100. Grand-Prix-Sieg am vergangenen Wochenende in Sotschi zwar wieder die WM-Führung, doch der Vorsprung auf Max Verstappen beträgt nur zwei Punkte. Entsprechend wenig euphorisch fielen die Feierlichkeiten bei Mercedes nach dem Erfolg in Russland aus.

Denn nach der Strafversetzung von Verstappen aufgrund seines Motorenwechsels hatte sich Mercedes einen deutlicheren Unterschied erhofft. Auch in dem Wissen, dass Monza und auch Sotschi zwei Strecken waren, die dem eigenen Auto liegen.

Hamilton erkennt Verstappens Leistung an

"Von letzten auf den zweiten Platz nach vorne zu fahren, ist eine starke Leistung", erkennt auch Hamilton an und lobt Red Bulls Leistung in dieser Saison. "Sie waren in diesem Jahr meist die Schnellsten, sie machen einen guten Job. Vom letzten Platz zu starten, diese Strafe zu haben, zwei Strafen oder wie viele es waren, und dann Zweiter zu werden, ist eine enorme Schadensbegrenzung. Es ist schwer, sie zu schlagen", sagt Hamilton.

Immer wieder schlug das Pendel in der WM im Saisonverlauf in unterschiedliche Richtungen aus. Zwischenzeitlich lag Verstappen bereits 33 Punkte vorne, nach der Kollision in Silverstone und dem Autoscooter-Move von Valtteri Bottas gegen gleich mehrere Autos in Budapest war plötzlich Hamilton der Gejagte.

Verstappens Heimrennen in Spa und Zandvoort brachten den Niederländer wieder in Führung, nach dem Doppel-Aus von Monza und dem Rennen in Sotschi ist nun Hamilton wieder Erster. Es geht hin und her, was den 36-Jährigen angesichts vieler verpasster Chancen ziemlich nervt. "Es waren nicht nur diese zwei Rennen, es waren viele Rennen, in denen wir nicht das Maximum geholt haben", stellt er klar.

Horner jubelt: Sotschi war wie ein Sieg für uns

Das Team als Gesamtheit, auch beide Fahrer, könnten sich noch verbessern, meint Hamilton. "Es gibt definitiv Sachen, die wir versuchen werden, besser zu machen. Aber wir werden nicht aufgeben. Wir werden es weiterhin probieren, werden Gas geben und bleiben hoffnungsvoll", sagt der siebenmalige Weltmeister.

Red Bull hingegen konnte das eigene Glück am Sonntag in Sotschi kaum fassen. "Das war wie ein Sieg für uns", fasst es Teamchef Christian Horner zusammen. "Von Platz 20 auf Rang zwei, wenn uns das vor dem Wochenende jemand angeboten hätte, dann hätten wir uns den Arm abgebissen, um das zu erreichen", stellt er klar.

Horner weiß, dass Monza und Sotschi für Red Bull aus WM-Sicht nahezu perfekt gelaufen sind. "Von zwei Mercedes-Strecken wegzugehen und in der Fahrer-WM nur zwei Punkte hinten zu liegen, ist extrem vielversprechend", so der Brite.

Surer: Kein Vorteil für ein Team bei den kommenden Rennen

Für die letzten sieben Rennen des Jahres ist ein Vorteil für eines der beiden Teams kaum auszumachen. Das meint auch Experte Marc Surer. "Die typischen Mercedes-Strecken sind vorbei", sagt der Schweizer in einem Videointerview, das auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Formel1.de abrufbar ist.

Wenn überhaupt, dann hätte sogar Red Bull einen leichten Vorteil. "Monza war eine Mercedes-Strecke, und auch Sotschi war eine Mercedes-Strecke, von der Tradition her. Die nächsten Strecken sind alle offen. Sogar Mexiko war in der Vergangenheit eher eine Red-Bull-Strecke. Wir haben jetzt eher wieder die Tendenz, dass die Strecken Red Bull besser liegen sollten", glaubt Surer.

Gleichzeitig habe Mercedes seit Silverstone einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, was die Voraussage noch einmal schwieriger macht. "Deswegen denke ich, es wird ausgeglichen bleiben. Wir können uns auf das nächste Rennen freuen. Das wird wieder ganz nah beieinander liegen", ist der 70-Jährige überzeugt.

Was macht McLaren?

Auch Horner glaubt, dass die klassischen Mercedes-Strecken nun vorüber sind. "Ich denke nicht, dass eine andere Strecke so heraussticht wie Monza oder Sotschi. Aber Mercedes wird mit Sicherheit stark sein, sie haben vergangenes Jahr in der Türkei gewonnen, sie werden dort also stark sein", ist er überzeugt.

Und auch auf den Strecken, die danach kommen, sieht er kein Team im Vorteil. "In Austin sollten wir gut dabei sein, in Mexiko und Brasilien waren wir immer stark. Über Katar wissen wir nichts, ebenso bei Jeddah. Und dann kommt Abu Dhabi. Man kann also sagen, es ist 50:50, wenn es danach geht, was welchem Team mehr liegt", sagt Horner.

Und dann gibt es ja noch ein anderes Team, das das Duell an der Spitze zuletzt zu einem Dreikampf machte: McLaren. Doppelsieg in Monza, der Beinahe-Triumph in Sotschi - könnte das britische Traditionsteam am Ende das Zünglein an der Waage sein?

Verstappen: WM-Chancen stehen "50:50"

"Sie haben in diesem Jahr deutliche Fortschritte gemacht. Es gibt Strecken, auf denen sie gut performen, auf anderen haben sie größere Probleme. Lando Norris hätte den Sieg verdient gehabt, aber ich bin mir sicher, dass es bis Saisonende noch Strecken geben wird, die ihnen ebenfalls liegen", sagt Horner.

Wer also hat die größten Chancen auf den WM-Titel? "Ohne Zweifel wird es sehr hart werden", ist Hamilton überzeugt. Zwei Drittel der Saison habe Red Bull einen Vorteil gehabt. "Aber es war natürlich schwierig, weil wir und unsere Teams mit allen möglichen Dingen konfrontiert wurden. Bei den nächsten Rennen geht es noch um alles", stellt er klar.

Der Titelverteidiger ergänzt: "Ich denke, sie haben eine Reihe guter Strecken vor sich, und ich gehe davon aus, dass wir auch weiterhin sehr eng beieinander liegen werden. Wir müssen einfach auf ein paar gute Rennen hoffen..." Herausforderer Verstappen formuliert die Chancen kurz und knapp: "50:50 ob ja oder nein."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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