Reaktion
Formel 1 Mexiko-Stadt
Hamilton mit Schaden am Unterboden: "Lasse Max immer extra viel Platz"
Lewis Hamilton gewinnt den Grand Prix von Mexiko trotz eines Schadens am Unterboden nach einer Berührung mit Max Verstappen - "Hartes Racing", meint Wolff
Maria Reyer Scott Mitchell
Bearbeitet: 28.10.2019, 00:01
Link kopieren
Auf Viber teilen
Als bevorzugte Quelle hinzufügen

Lewis Hamilton gewinnt den Grand Prix von Mexiko trotz eines Schadens am Unterboden nach einer Kollision mit Max Verstappen in der ersten Runde. Der Brite gesteht nach dem Rennen, dass er im Zweikampf mit dem Niederländer meist besonders vorsichtig ans Werk gehe, diesmal jedoch nicht genügend Platz in den Kurven 1 und 2 für den Mercedes und den Red Bull vorhanden war.
"Ich hatte einen wirklich guten Start, dann hat mich Seb aufs Gras rausgedrückt und ich musste zurückstecken", schildert der Brite den Ursprung für die Kollision in der ersten Passage. "Dadurch war ich von ein paar Autos in Kurve 1 rein umgeben. Ich habe gebremst und bemerkt, dass Max neben mir fährt."
Hamilton und Verstappen standen Seite an Seite in der dritten Startreihe. Der Brite versuchte es links an Vettel vorbei, wurde allerdings rausgedrängt. Dadurch konnte sich Verstappen auf der rechten Seite positionieren für die Innenbahn in Kurve 1. Am Kurvenausgang berührten sich die beiden schließlich, beide kämpften mit ausbrechender Front und Heck.
Heck durch den Schaden am Unterboden instabil
In Kurve 2 zog Hamilton deshalb weit nach rechts und schickte Verstappen dadurch über die Wiese. "Schon in den Rennen davor habe ich Max immer genügend Platz gelassen. Das ist das Cleverste, was man machen kann. Aber da war nicht viel Platz, den ich ihm geben konnte."
Hamilton vermutet, dass der Red Bull im harten Bremspunkt in Kurve 1 mit Untersteuern zu kämpfen hatte. "Dann wurde ich plötzlich hart von hinten getroffen. Dann brach mein Heck aus und ich musste durchs Gras", erinnert sich der Rennsieger. Allerdings traf ihn der Red Bull nicht im Heck, sondern an der rechten Seite.
Der Mercedes reihte sich auf Rang fünf zurück ein, Verstappen auf Platz acht. Zwar kam Hamilton schnell wieder in den Rhythmus und behauptete am Ende gar den Sieg, das Rennen sei jedoch aufgrund des Schadens keineswegs einfach gewesen, betont er. Nach der Zieldurchfahrt inspizierte er den gebrochenen Unterboden.
Auf der rechten Seite im Heck war ein Loch im Unterboden zu sehen. "Ja, ein großes Stück an der Seite vom Unterboden im Heck hat gefehlt. Ich wusste nicht, was genau beschädigt war. Aber das Heck war recht instabil. Ich bin stark herumgerutscht und musste meine Einstellungen dauernd ändern", erklärt er.
Außerdem musste der Führende sein Fahrverhalten anpassen: "Ich konnte in den Kurveneingängen nicht normal attackieren. Ich könnte mir vorstellen, dass wir dadurch schon ein paar Zehntel an Performance eingebüßt haben. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass ich die Reifen so am Leben gehalten habe."
Mercedes-Teamchef Toto Wolff gibt nach dem Rennen zu, dass ihm der Schaden am Unterboden gar nicht bewusst war. "Lewis hat mich nach dem Rennen gefragt, ob ich den Schaden gesehen habe. Doch da war das Auto schon auf dem Podium." Generell beurteilt der Österreicher den Vorfall in Kurve 1 als "hartes Racing".
Hamilton: Behandle Verstappen im Zweikampf anders
Die Rennleitung leitete ebenso keine Untersuchung in dem Fall ein. Hamilton betont, er sei in einem Zweikampf gegen Verstappen meist besonders vorsichtig. Auf die Frage, ob er den Niederländer anders behandle als andere Fahrer, muss er gestehen: "Ähm, ja."
Aus der Erfahrung, die er im Racing gegen andere Fahrer gesammelt hat, wisse er genau, wie viel Platz er lassen könne, erklärt er. "Jeder Fahrer ist anders, manche sind cleverer. Manche sehr clever, aggressiv und andere eher dumm." Es hänge immer vom respektvollen Umgang ab.
"Aber bei Max ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man mit ihm kollidiert, wenn man ihm nicht extra viel Platz lässt. Ich hatte diesmal aber selbst nicht genügend Platz, um ihm noch extra welchen zu geben." Von einer absichtlichen Kollision geht er dennoch nicht aus.
Foto: Diego Mejía
Wolff ergänzt: "Es geht um die Positionierung auf der Strecke, wenn man Seite an Seite fährt. Ab einem gewissen Punkt, weiß man, dass man die Kurve verloren hat." Hamilton verbinde in seinem Zweikampfverhalten sein Talent, seine Erfahrung und seine Lernfähigkeit.
"Er ist wirklich großartig darin, sich aus womöglich rennbeendenden Szenen herauszuhalten. Das war in Montreal mit Sebastian der Fall, wo er wie durch ein Wunder eine Berührung verhindert hat", erinnert der Mercedes-Teamchef. Hamilton habe die Gabe, das Auto immer richtig zu positionieren.
Verstappens Sichtweise unterscheidet sich von jener von Mercedes. "Ich hatte einen guten Start", beginnt er sein Fazit, "Lewis wurde von einem Ferrari aufs Gras rausgedrückt. Da hat er ein wenig Momentum verloren, dann kam er zurück auf der Außenseite in Kurve 1 und in Kurve 2 stach er recht weit rein, da musste ich von der Ideallinie durchs Gras fahren."
Red Bull: "Wenn wir betroffen sind, ist's normales Racing"
Er habe keinen Platz in Kurve 2 gehabt, daher musste er ausweichen, bedauert der 21-Jährige. Die Red-Bull-Teamführung war von dem Zusammenstoß ebenso wenig begeistert. Helmut Marko analysiert im 'ORF'-Interview: "Max war eigentlich vorn und dann ist ihm Hamilton recht kräftig aufs Auto gefahren."
Hätte sich Red Bull eine Untersuchung der Szene gewünscht? Marko zuckt daraufhin nur mit den Schultern und merkt schmunzelnd an: "Also wenn wir betroffen sind, dann ist es normales Racing." Verstappens Rennen war nach der Szene aber noch nicht gelaufen, er hatte sich hinter Valtteri Bottas auf der Strecke einsortiert.
Bei einem Überholversuch erlitt er schließlich einen Reifenschaden. Nach einem Boxenstopp in Runde fünf kämpfte er sich noch auf Position sechs. Das sei zwar nicht sein Ziel gewesen, unter den Umständen allerdings kein schlechtes Ergebnis. "Wir hätten den Speed gehabt", glaubt Marko, um den Hattrick zu schaffen. Doch am Ende stand zum zehntenmal in der Saison 2019 Lewis Hamilton ganz oben auf dem Podium.
Weiterer Co-Autor: Jack Benyon, Edd Straw, Oleg Karpow. Mit Bildmaterial von LAT.
Wir wollen Deine Meinung!
Was würdest Du gerne auf Motorsport.com sehen?
An unserer 5-Minuten-Umfrage teilnehmen
- Das Motorsport.com-Team
Weiterlesen :
Diese Story teilen oder speichern
Link kopieren
Auf Viber teilen
Vorheriger Artikel Hülkenberg mit Last-Minute-Crash: "Meine Reifen waren tot!"
Nächster Artikel Bottas fügt Verstappen Reifenschaden zu: "Er kam aus dem Nichts"
Mehr von
Maria Reyer

Formel-1-Statistik: Wie viel auf welchen Strecken seit 2014 überholt wurde
Formel 1
Formel 1 09.02.2023
Formel-1-Statistik: Wie viel auf welchen Strecken seit 2014 überholt wurde

Falsche Reifenwahl im Qualifying: Pierre Gasly sauer auf AlphaTauri
Formel 1
Formel 1
Sotschi
25.09.2021
Falsche Reifenwahl im Qualifying: Pierre Gasly sauer auf AlphaTauri

Sensationsquali von George Russell: Auf Slicks in der Boxengasse "fast gecrasht"
Formel 1
Formel 1
Sotschi
25.09.2021
Sensationsquali von George Russell: Auf Slicks in der Boxengasse "fast gecrasht"

Mehr von
Lewis Hamilton

Max Verstappen überzeugt: Ferrari hat den Sieg in Mexiko verschenkt
Formel 1
Formel 1
Mexiko-Stadt
22 h
Max Verstappen überzeugt: Ferrari hat den Sieg in Mexiko verschenkt

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Frederic Vasseur
Formel 1
Formel 1
Mexiko-Stadt
1 T.
Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Frederic Vasseur

Frederic Vasseur: Das sagt er nach dem Ferrari-Zoff in Mexiko
Formel 1
Formel 1
Mexiko-Stadt
1 T.
Frederic Vasseur: Das sagt er nach dem Ferrari-Zoff in Mexiko

Mehr von
Red Bull

Sebastian Vettel: Warum er Ferrari erst absagte und später doch wechselte
Formel 1
Formel 1 2 h
Sebastian Vettel: Warum er Ferrari erst absagte und später doch wechselte

Die Qualifying-, Sprint- und Rennduelle der Formel-1-Saison 2026
Formel 1
Formel 1 1 T.
Die Qualifying-, Sprint- und Rennduelle der Formel-1-Saison 2026

Was Yamahas MotoGP-Boykott für Katar und Abu Dhabi bedeutet
Formel 1
Formel 1 1 T.
Was Yamahas MotoGP-Boykott für Katar und Abu Dhabi bedeutet
Aktuelle News

"Verdammte Scheiße!": Valtteri Bottas nach heftigem Abflug bedient
Formel 1
F1 Formel 1
Mexiko-Stadt
24 Min.
"Verdammte Scheiße!": Valtteri Bottas nach heftigem Abflug bedient

So wird das Wetter beim Grand Prix von Sao Paulo in Brasilien
Formel 1
F1 Formel 1
Sao Paulo
1 h
So wird das Wetter beim Grand Prix von Sao Paulo in Brasilien

Sebastian Vettel: Warum er Ferrari erst absagte und später doch wechselte
Formel 1
F1 Formel 1 2 h
Sebastian Vettel: Warum er Ferrari erst absagte und später doch wechselte

Der Moment, als "Bono" erstmals den Rohdiamanten in Antonelli gesehen hat
Formel 1
F1 Formel 1 14 h
Der Moment, als "Bono" erstmals den Rohdiamanten in Antonelli gesehen hat
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.
Du hast 2 Optionen:
- Registrieren
- Deaktiviere bitte Deinen Adblocker.
Jetzt registrieren Schon registriert? Dann hier einloggen!
Adblocker deaktiviert?
Dann versuche es mit Seite neu laden
Benachrichtigungs-Einstellungen
Registrieren