Hamilton Weltmeister durch Kollision? "So würde ich nie gewinnen wollen!"

Dreht sich die Spirale im WM-Duell so weit, dass der Titel in einer Kollision entschieden wird? Lewis Hamilton würde so nicht gewinnen wollen!

Hamilton Weltmeister durch Kollision? "So würde ich nie gewinnen wollen!"

Der WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen nimmt immer weiter an Dramatik zu, je weiter die Saison fortschreitet - und keiner weiß, in welchem Höhepunkt sie enden wird. Die Kollisionen in Silverstone und in Monza haben eventuell einen Vorgeschmack auf das gegeben, was uns noch erwarten könnte.

Denn mittlerweile scheinen beide im engen Duell - Hamilton liegt nur zwei Punkte vorne - keine Kompromisse mehr einzugehen. Das war vor allem zu Saisonbeginn noch anders. Vor allem der siebenmalige Weltmeister hatte mehr als einmal eine Kollision vermieden, indem er gegen Verstappen nicht reinhielt - etwa am Start in Imola oder in Barcelona.

"Ja, ich musste gegen Max in mehreren Szenarien zurückstecken, weil es sonst einen Unfall gegeben hätte", sagt Hamilton gegenüber 'ESPN'. Der Brite hatte damals im Kopf, dass er den Red Bull schon auf andere Weise knacken würde - etwa bei einem späteren Duell oder über die Strategie.

"Das kommt mit der Erfahrung, und ich hoffe wirklich, dass sich das am Ende des Jahres ausbezahlen wird", meint er.

Doch im weiteren Saisonverlauf wurden die Szenen härter und kontroverser. In Silverstone kollidierten beide in der ersten Runde, was zu deutlichen Rissen in der Beziehung zwischen Mercedes und Red Bull geführt hatte. Denn während sich Verstappen im Krankenhaus befand, bejubelte Hamilton seinen Heimsieg ziemlich offensiv.

Hamilton: Mit 25 hätte ich nicht angerufen ...

In Monza gab es die nächste Kollision, die laut der Rennkommissare eher von Verstappen ausging, und seit der Hamilton über Schmerzen im Nacken klagt. Gemeldet hatte sich der Niederländer anschließend nicht bei Hamilton, im Gegensatz zu Silverstone, als der Mercedes-Pilot laut eigener Aussage zum Hörer gegriffen hatte.

"Ich habe ihn nach Silverstone angerufen, aber ich bin auch viel älter", sagt Hamilton. "Für mich war es wichtig, anzurufen und das Eis zu brechen." Doch einen Vorwurf machen möchte Hamilton seinem WM-Rivalen nicht, denn er gibt zu: "Mit 25 wäre ich dazu nicht in der Lage gewesen." Heute schon.

Lewis Hamilton, Mercedes W12 and Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B collide

Lewis Hamilton, Mercedes W12 and Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B collide

Foto: Jerry Andre / Motorsport Images

Viele sehen das Verhältnis zwischen Hamilton und Verstappen spätestens seit den Vorfällen durchaus angespannt. Doch das entspricht laut Hamilton nicht der Wahrheit. Er betont, dass er keine Feindschaft mit Verstappen pflegt und sich das Verhältnis auch nicht verändert habe.

Natürlich weiß er, dass das Umfeld in zwei gegensätzlichen Lagern eine große Rolle spielt und dass sich Leute anders verhalten, wenn sie in diesem Umfeld sind, als wenn man sich persönlich sieht. Auch als man nach Monza gemeinsam bei den Kommissaren war, sei die Stimmung nicht vergiftet gewesen: "Er hat seine Sicht dargestellt, ich meine", sagt Hamilton.

Hauptsache alle kommen heim zu ihrer Familie

"Wenn wir uns nach dem Rennen sehen, versuche ich immer respektvoll zu sein - egal ob er Erster oder hinter mir ist", betont der Brite. "Ich versuche immer sicherzustellen, dass ich zu ihm hingehe. Für mich fühlt es sich nicht anders an."

Für Hamilton ist dabei vor allem eines wichtig: dass niemand verletzt wird. "Bei aller Aufregung und der Meisterschaft: Was wir am Ende des Jahres sehen wollen, ist, dass die Leute wieder heim zu ihren Familien kommen und einen guten Winter haben", stellt er klar.

Er ist sich auch sicher, dass Verstappen aus dem Vorfall in Monza lernen wird - genau wie er selbst. Aber: "Ich kann nicht erwarten, dass sich Dinge verändern", sagt er.

"Ich halte ihn für ein unglaubliches Talent und fahre sehr gerne gegen ihn. Aber stimme ich bei allem zu, was er tut? Darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, dass er sein Ding macht, und er wird daraus lernen. Alles, was ich kontrollieren kann, ist, wie ich mit meinen Dingen umgehe", so der Brite.

Hamilton betont: Möchte nicht durch Kollision gewinnen!

Doch die Frage ist: Wie weit dreht sich die Spirale in den verbleibenden sieben WM-Rennen noch? Werden die Bandagen noch härter und die Töne noch rauer? Und wird die WM vielleicht am Ende durch eine weitere Kollision entschieden?

Die Geschichte der Formel 1 ist reich an solchen Storys: Senna gegen Prost (und umgekehrt) oder Michael Schumacher gegen Damon Hill und Jacques Villeneuve sind nur einige Beispiele.

Kollision: Michael Schumacher, Ferrari F310B, Jacques Villeneuve, Williams FW19

Kollision: Michael Schumacher, Ferrari F310B, Jacques Villeneuve, Williams FW19

Foto: Motorsport Images

Gibt es 2021 die nächste Kontroverse zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton? "Die Frage stellt sich nicht", betont Hamilton. "Ich würde niemals so gewinnen wollen. Selbst wenn das heißt, dass du am Ende nicht gewinnst, hast du zumindest noch deine Würde. Du möchtest immer auf richtige Art gewinnen."

Für ihn steht fest: "Was auch immer am Ende des Jahres passieren wird: Wir werden uns die Hand reichen und im nächsten Jahr wieder zurück sein, um erneut zu kämpfen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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