Hamiltons erste Einschätzung: "Diese Saison härter als 2017"

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Hamiltons erste Einschätzung:
Autor: Sven Haidinger
Co-Autor: Adam Cooper
12.04.2018, 13:48

Nach zwei Niederlagen analysiert Lewis Hamilton die Lage im WM-Kampf: Warum Mercedes in China nicht Favorit sei und was er dem mäßigen Start abgewinnen kann

Nach zwei Rennen wagt Titelverteidiger Lewis Hamilton im Vorfeld des Grand Prix von China eine Einschätzung der Lage. "Diese Saison ist härter als das Vorjahr", sagt der Brite. Eine interessante Aussage, wenn man bedenkt, wie Mercedes 2017 bei einigen Rennen an der zickigen "Silberpfeil-Diva" verzweifelte und dass Hamilton bis Monza benötigte, um Ferrari-Rivale Sebastian Vettel von der WM-Spitze zu verdrängen.

Von einer Krise will Hamilton dieses Jahr nach zwei Niederlagen gegen Vettel dennoch nichts wissen: "Ich glaube immer noch, dass wir das beste Team sind. Und wir haben immer noch das Potenzial, Rennen zu gewinnen und um den Titel zu kämpfen, allerdings nur, wenn wir alle unser Maximum abrufen." Das habe auch damit zu tun, dass nun Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas dieses Jahr stärker seien.

Vor dem dritten WM-Lauf gilt Mercedes dennoch als Favorit. Die Silberpfeile haben alle vier China-Grands-Prix in der Hybrid-Ära gewonnen. Außerdem hat Hamilton dort fünf Siege zu Buche stehen - so viel wie kein anderer.

Hamilton schiebt Schanghai-Favoritenrolle weg

Dennoch wehrt er sich - wie übrigens auch Vettel - gegen die Favoritenrolle. "Wir sind nicht Favorit, denn Ferrari hat im Vorjahr nicht viel auf uns gefehlt", sagt Hamilton und verweist darauf, dass Vettel damals die frühe Safety-Car-Phase einen Strich durch die Rechnung machte. "Und auch dieses Wochenende werden sie schwer zu schlagen sein, denn sie waren in den vergangenen Rennen auf den Geraden schneller als wir." Und bekanntlich weist der Shanghai International Circuit mit 1,3 Kilometern die längste Gerade im Grand-Prix-Kalender auf.

"Daher gehe ich davon aus, dass sie auf den Geraden sehr schnell sein werden", meint der viermalige Weltmeister. "Generell liegen nur Millisekunden zwischen uns, und daher kommt es auf den Rennbetrieb, die Abläufe und so weiter an - und in diesem Bereich waren sie bei den vergangenen zwei Rennen besser als wir. Der Kurs sollte uns generell liegen, aber es wird sicher viel enger als viele denken."

Das hat auch mit den Temperaturen zu tun: Für das Wochenende ist trübes Wetter angesagt, der Asphalt ist im Gegensatz zu Bahrain glatt und der Kurs belastet die Hinterräder kaum - all das spricht eher für die Silberpfeile. Dennoch hat sich das Weltmeisterteam beim Saisonauftakt nicht so stark präsentiert wie erwartet.

Selbstkritik nach Bahrain

In Melbourne war man zwar sehr schnell, dafür patzte man bei der Strategie, in Bahrain war dann Ferrari tatsächlich stärker. "Außerdem hatte ich einen Nachteil durch meine Strafe", verweist Hamilton auf seine Rückversetzung um fünf Startplätze wegen eines Getriebewechsels. "Aber auch ich habe mich im Qualifying mit Platz vier nicht in Bestform präsentiert", zeigt er sich selbstkritisch. Warum der Mercedes in Bahrain nicht mehr auf Melbourne-Niveau war, ist nach wie vor ein Rätsel: "Wir versuchen das immer noch zu verstehen."

Kann man also sagen, dass Ferrari dieses Jahr alles im Griff hat, während Mercedes Anlaufschwierigkeiten hatte? "Dann hätten sie die ersten zwei Plätze belegt", sagt Hamilton. "Das ist aber bislang keinem Team gelungen. Man kann also nicht sagen, dass irgendjemand bis jetzt perfekt war."

Bei Hamilton ist es aber inzwischen schon fast Tradition, nicht ganz optimal in die Saison zu starten: Nicht nur dieses Jahr und im Vorjahr erwischte Vettel den besseren Auftakt, sondern auch 2015 triumphierte Vettel mit Sepang bereits beim zweiten Saisonrennen. Und 2016 führte Vettel auch den Großteil des ersten Rennens an, während Teamkollege Nico Rosberg von Sieg zu Sieg fuhr.

Die guten Seiten des durchwachsenen Starts

Fühlt sich Hamilton in der Rolle des Jägers wohler? "Das ist definitiv nicht geplant", wehrt er sich gegen die Behauptung. "Ich weiß auch nicht, warum wir nie optimal in die Saison starten, aber es ist vielleicht nicht schlecht, wenn wir alle bei Mercedes einen Weckruf erhalten, denn wir sind Menschen und werden vielleicht etwas zu selbstgefällig. Dabei braucht man die richtige Balance. Wir stolpern also durch die ersten Rennen, ehe wir endlich Halt finden und wissen. Dann wissen wir immerhin, wo wir stehen."

Gerne wäre Hamilton mit einem Kracher in die Saison gestartet, "aber so sind es immerhin ein zweiter und ein dritter Platz. Und ich weiß, dass man die Saison nicht in den ersten zwei Rennen verliert oder gewinnt, aber ich will auf keinen Fall weiter zurückfallen. Ich bin sehr hungrig."

Hamilton überzeugt: Kommunikation wird sich verbessern

Nach der tollen persönlichen Leistung in Melbourne weiß Hamilton immerhin, wo er in Bahrain Nachholbedarf hat. Aber hat auch das Team, das bei beiden Rennen nicht immer die Übersicht über das Renngeschehen hatte, etwas aus den Lektionen gelernt? "Ich habe mit dem Team noch nicht über die Kommunikation gesprochen", sagt Hamilton. "Das werden wir heute tun."

Dennoch ist er zuversichtlich, dass es schon in China Verbesserungen gibt und er vom Kommandostand besser informiert werde: "Das Team hat alles analysiert, und ich weiß, dass wir uns da verbessern werden. Außerdem ist die Lage alles andere als schlimm, wie man an den Plätzen zwei und drei sieht. Wir können uns aber verbessern, und diese Verbesserungen werden uns dabei helfen, Rennen zu gewinnen."

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Fahrer Lewis Hamilton
Teams Mercedes
Urheber Sven Haidinger
Artikelsorte News