Heftiger Crash von Hartley: Toro Rosso bricht danach auseinander

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Heftiger Crash von Hartley: Toro Rosso bricht danach auseinander
Gerald Dirnbeck
Autor: Gerald Dirnbeck
Co-Autor: Filip Cleeren
12.05.2018, 16:59

Brendon Hartley bleibt bei seinem schweren Unfall im FT3 unverletzt, muss aber das Qualifying auslassen. Piere Gasly nimmt für Toro Rosso die WM-Punkte ins Visier.

Toro-Rosso-Pilot Brendon Hartley überstand am Samstag einen schweren Unfall unverletzt. Der Neuseeländer musste aber das Qualifying zum Grand Prix von Spanien auslassen, weil sein Bolide extrem stark beschädigt wurde. In den letzten Minuten des dritten Freien Trainings flog Hartley in Kurve 9 von der Strecke. Das ist eine der schnellsten und gefährlichsten Stellen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Die Rennleitung brach das Training ab.

2008 hatte dort Heikki Kovalainen nach einem Reifenplatzer einen schweren Unfall. Aber während der Finne damals frontal in die Reifenstapel einschlug, drehte sich Hartley mit dem Heck weg. "Es war der schwerste Unfall, den ich seit langer Zeit hatte", atmet der 28-Jährige durch. "Es passierte sehr schnell. Ich verwende den Randstein am Kurveneingang so wie viele Fahrer sehr oft, aber in dieser Runde war ich zwei oder drei Zentimeter zu weit draußen."

 

Beim Einlenken erwischte Hartley mit dem linken Hinterreifen das Gras hinter dem Randstein auf der Außenseite der Kurve. Das reichte, um das Auto in einen Dreher zu schicken. "Ich glaube, dort ist eine Mulde, aber es drehte mich so schnell herum. Ich war nur noch Passagier und es gibt viele Schäden." Hartley meldet gleich über Funk, dass er okay ist und fuhr dann alle Systeme im Auto herunter. Er konnte auch selbständig aussteigen und den Unfallort verlassen.

Crash lief für Hartley in Zeitlupe ab

Im Onboard-Video läuft die Szene in Sekundenbruchteilen ab, aber ein Fahrer erlebt so einen Crash ganz anders als ein TV-Zuschauer: "Es passiert in Zeitlupe", schildert der 28-Jährige. "Ich spürte, dass das Auto verlangsamte, aber ich fuhr rückwärts Richtung Mauer. Man weiß also nicht, wann der Aufprall passiert. Ich habe in die Rückspiegel geblickt und mich darauf vorbereitet, aber Spaß macht so etwas nie."

Dass Hartley unverletzt ausgestiegen ist, zeigt die modernen Sicherheitsstandards der Formel 1. Er spürt lediglich seine Muskeln. "Ich habe keine Gehirnerschütterung, aber ich spüre meinen Nacken etwas. Ich weiß nicht, wie hoch die G-Kräfte waren, aber ich werde es morgen sicher spüren. Trotzdem bin ich sicher, dass ich fit genug bin, um das Rennen zu fahren." Schlechter war der Zustand des Autos. Toro Rosso muss genau überprüfen, ob das Chassis nicht beschädigt ist.

 

The crashed car of Brendon Hartley, Scuderia Toro Rosso is recovered in FP3
The crashed car of Brendon Hartley, Scuderia Toro Rosso is recovered in FP3

Foto Jerry Andre / Sutton Images

Als der Kran das Auto hochhob, brach im Heck der Motor ab und plumpste auf dem Boden. Das Auto war ein Totalschaden. "Soweit ich verstanden habe, ist das Chassis nicht beschädigt", sagt Hartley. Bei so einem schweren Unfall wird das Auto in Ruhe zerlegt, die Teile werden auf Schäden überprüft und dann wird das Auto sorgfältig wieder zusammengebaut. Alle wichtigen Anschlüsse und Verkabelungen müssen in Ordnung sein.

In der Regel werden die Autos vom Freitag auf den Samstag routinemäßig gestripped. Die Mechaniker sind deshalb mit den Abläufen vertraut. Von Samstag auf Sonntag wird das wegen der Parc-Ferme-Regel normalerweise nicht getan. Motorpartner Honda bestätigte, dass die Antriebseinheit stark beschädigt wurde und komplett ausgetauscht werden muss. Anschließend wird man in Japan die Teile genau untersuchen.

Da Hartley nicht im Qualifying fahren konnte, wird er den Grand Prix als 20. und Letzter starten müssen. Zum zweiten Mal in Folge konnte er keine einzige Runde im Qualifying fahren. "Ich weiß, dass ein Toro Rosso im Vorjahr von hinten startete und einen Punkt ergattert hat", denkt Hartley an die Aufholjagd von Daniil Kwjat zurück. "Heute war nicht mein Tag. Es war enttäuschend, dass ich keine Chance hatte, im Qualifying anzugreifen."

Pierre Gasly will am Sonntag WM-Punkte sammeln

Somit war lediglich Pierre Gasly der einzige Toro Rosso in der Zeitenjagd. Der Franzose qualifizierte sich als Zwölfter und hat demnach für den Start freie Reifenwahl. "Ja, das ist das Positive an unserer Position", sagt Gasly. "Ich bin auch nicht zu weit von Stoffel entfernt. Wir haben aber das Gefühl, dass wir nicht alles herausgeholt haben. Das Aufwärmen der Reifen war nicht ideal." Im Vergleich zu den vergangenen beiden Rennen konnte Toro Rosso wieder etwas Performance finden, obwohl man keine Updates nach Barcelona gebracht hat.

 

Pierre Gasly, Toro Rosso STR13
Pierre Gasly, Toro Rosso STR13

Foto Glenn Dunbar / LAT Images

Am meisten Zeit verliert Toro Rosso im ersten Sektor. Nach der Zielgeraden wird auch von Kurve 1 bis vier Vollgas gefahren. "Das hängt mit der Leistung zusammen", verweist Gasly auf Honda. "Der letzte Sektor ist unser bester, denn er ist mit vielen Kurven sehr technisch. Dort sind wir momentan am konkurrenzfähigsten." Trotzdem fehlten dem Franzosen etwas mehr als drei Zehntelsekunden auf Platz zehn und den Einzug ins Q3.

"Es war eng", seufzt Technikdirektor James Key. "Leider hatte Pierre in seiner letzten Runde etwas Untersteuern und verlor im zweiten Sektor einige Zehntelsekunden. Q3 war möglich, aber wir können uns nicht beschweren." Denn die freie Reifenwahl ermöglicht verschiedene Strategien. "Wir müssen auf jeden Fall die Punkteränge ins Visier nehmen", lautet Gaslys Ziel. "Wir wissen, dass wir beim Start normalerweise stark sind. Ich bin zwei Plätze hinter den WM-Punkten. Mit einem guten Start bieten sich für uns hoffentlich Möglichkeiten."

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