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Helmut Marko: Daniil Kwjat liest Tolstoi und hört klassische Musik

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Helmut Marko: Daniil Kwjat liest Tolstoi und hört klassische Musik
Autor:
Co-Autor: Christian Nimmervoll
01.01.2019, 09:00

Ungewohnte Seiten des einstigen Enfant terribles der Formel 1: Warum Daniil Kwjat seine dritte Chance im Red-Bull-Projekt als anderer Mensch in Angriff nimmt

Formel-1-Fahrern eilte einmal der Ruf voraus, dass sie recht banale Typen wären: Kfz-Mechaniker mit einem Faible für schöne Frauen, schnelle Autos und allem, was die Minibar hergibt. Ein längst widerlegtes Bild. Dass jedoch Toro-Rosso-Rückkehrer Daniil Kwjat als Musterbeispiel für eine zunehmend intellektuellere Generation von Piloten herhält, ist überraschend. Aber: "Er liest Tolstoi und hört klassische Musik", sagt Helmut Marko im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Der 24-Jährige, der bei Red Bull respektive Toro Rosso einmal degradiert wurde und einmal rausflog, aber zweimal wiederkommen durfte, sei "ein eigenes Thema", so Marko. "Viele Russen sind sehr sensible Menschen. Sie poltern nur nach außen. Er hatte ein psychologisches Tief, das sich immer mehr auf seine Fahrqualitäten übertragen hat", sagt er. "Das war der Grund, warum wir uns getrennt haben." Sportlich allerdings, meint Marko, hätte Daniil Kwjat ihn von Anfang an überzeugt.

In seinem ersten Jahr bei Red Bull war er als Sebastian-Vettel-Nachfolger schneller als sein gefeierter Teamkollege Daniel Ricciardo. 2016 aber hätte Kwjat "vom ersten Test an nur noch die Reifen und die Bremsen im Kopf" gehabt. Ricciardo fuhr mit dem gleichen Material, war aber plötzlich eine halbe Sekunde pro Runde schneller. "Und er hat überflüssige Crashes provoziert", weiß Marko.

Kwjat wurde zu Toro Rosso degradiert, bekam 2017 eine weitere Chance, wurde nach neuerlichen Enttäuschungen aber endgültig aus dem Projekt geworfen. Nun der dritte Anlauf: "Im kommenden Jahr war uns für Toro Rosso wichtig, dass wir zumindest bei einem Fahrer eine gewisse Routine haben. Dass er die Richtung in der Abstimmung vorgeben kann", erklärt Marko die Entscheidung.

Mit seinem neuen Teamkollegen Alexander Albon trifft Kwjat auf ein Talent, dass ebenfalls schon aus dem Red-Bull-Juniorprogramm ausgeschieden war. "In der Phase, als Albon uns verlassen hat, hat es in seinem privaten Umfeld große Schwierigkeiten gegeben", weiß Marko. "Sie haben sich auf seine Leistung und Psyche niedergeschlagen. Inzwischen hat sich das geändert." Dennoch habe der 22-Jährige davon profitiert, dass es keine Alternativen gab. Aus dem eigenen Stall stand lediglich Daniel Ticktum bereit, doch der Brite besitzt nicht genügend Superlizenz-Punkte für die Formel 1.

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