Helmut Marko: Daniil Kwjat war "phasenweise schneller" als Ricciardo

Daniil Kwjat sei nicht am Talent, sondern an seiner Einstellung gescheitert, glaubt Helmut Marko - und erklärt, welche Stärke insbesondere Brendon Hartley hat

Helmut Marko ist der Meinung, dass Daniil Kwjat bei Red Bull nicht am Talent, sondern an der Einstellung gescheitert ist: "Kwjat war bei Toro Rosso sehr schnell", erklärt der Red-Bull-Motorsportkonsulent im Interview mit 'Motorsport.com', "und hat teilweise super Rennen abgeliefert."

"Er war in seiner ersten Saison mit Red Bull vor allem vom Anfang bis zur Saisonmitte auf dem Niveau von Ricciardo, wenn nicht sogar phasenweise schneller", findet Marko. Tatsächlich fuhr Kwjat in seiner Red-Bull-Premierensaison 2015 einmal auf das Podium. Insgesamt sammelte er 95 Punkte - um drei mehr als Teamkollege Daniel Ricciardo.

Aber: "2016 war das vom ersten Test an ein anderer Kwjat, der sich vielleicht selbst zu sehr unter Druck gesetzt hat", bedauert Marko. "Was immer wir versucht haben: Wir haben es nicht geschafft, zu ihm durchzukommen und ihn vor allem mental wieder auf das frühere Niveau zu bringen. Das war auch der Grund, warum wir dann mit ihm aufgehört haben."

Eine konkrete Vermutung, was die angebliche Veränderung bei Kwjat ausgelöst haben könnte, hat Marko nicht. "Es muss was Mentales gewesen sein", sagt er. Red Bull müsse sich jedenfalls keinen Vorwurf machen: "Wir haben die ganze Palette an Möglichkeiten ausgeschöpft."

Zum Bruch mit Kwjat kam es ausgerechnet bei dessen Heim-Grand-Prix in Sotschi 2016, als er Sebastian Vettel (zweimal) unglücklich abschoss. Bereits beim nächsten Rennen in Barcelona saß Max Verstappen im Red Bull - und Kwjat nur noch im Toro Rosso. Ende 2017 war seine Schonzeit aber auch dort abgelaufen.

Dass Carlos Sainz nicht mehr bei Toro Rosso ist, hat andere Gründe: "Bei Sainz gab es die Unzufriedenheit - vor allem von Seiten des Vaters -, dass sein Sohn besser ist als Toro Rosso. Und nachdem wir eine gute Lösung mit Renault gefunden haben und mutig und experimentierfreudig sind, haben wir uns zu diesem Schritt entschieden", erklärt Marko.

Die Nachfolger Pierre Gasly und Brendon Hartley müssen sich in der Formel 1 erst beweisen. Besonders Gasly hat mit dem sensationellen vierten Platz in Bahrain schon einmal Talent aufblitzen lassen. Auch wenn Marko nicht immer ein Fan des 22-jährigen Franzosen war, findet er, dass er in der Super Formula dazugelernt hat: "Gasly hat in Japan an Persönlichkeit und Selbstvertrauen gewonnen und dort eine gute Schulung erlebt."

 

Pierre Gasly, Scuderia Toro Rosso STR13 and Brendon Hartley, Scuderia Toro Rosso STR13
Pierre Gasly, Scuderia Toro Rosso STR13 and Brendon Hartley, Scuderia Toro Rosso STR13

Foto Sutton Images

"Es hat ihn kein Mensch verstanden, er hat sich beim Test aufgeregt, dass der Ingenieur irgendwas sagt und die Mechaniker was anderes machen. Und ich habe gesagt: 'Du bist der Fahrer, und wenn du nicht ablieferst, interessiert niemanden, was die Ingenieure oder Mechaniker machen!' Er hat dann gelernt, sich durchzusetzen, indem er sich trotz der Sprachschwierigkeiten viel mehr beteiligt hat und zum Schluss sicher der schnellste Mann war."

"Blöd, dass durch diesen Taifun die Meisterschaft verloren gegangen ist", spielt Marko auf die wetterbedingte Absage des Saisonfinales 2017 an, bei dem Gasly noch Chancen gehabt hätte, Super-Formula-Meister zu werden. "Der Speed war eigentlich bei Gasly immer da, er war nur nicht sehr konstant und etwas fehleranfälliger. Es war die logische Entwicklung, ihn hineinzusetzen."

Auch Hartley habe seine Chance bei Toro Rosso verdient. Marko argumentiert: "Brendon ist im Qualifying noch nicht auf dem Niveau von Gasly, aber in den Longruns fährt er gleich schnell und braucht weniger Benzin. Und das ist jetzt ein entscheidendes Thema. Er hat in seiner Zeit als Junior tolle Rennen abgeliefert und hatte einen tollen Rennspeed, aber im Qualifying hat er es nie hinbekommen. Er war einfach nicht reif."

"Uns wird ja oft vorgeworfen, dass wir zu hart vorgehen. Jetzt haben wir aber das Beispiel, dass wir einen wieder zurückholen. Wir waren immer in einem guten Kontakt, im Gegensatz zu manchen Fahrern - ich will keine Namen nennen -, die absolut in der Versenkung verschwunden sind und sich nur beschwert haben. Es war hart für ihn, aber wir sind amikal auseinandergegangen, waren auch immer amikal und haben ihm bei Porsche einen Deal mit Helm-Sponsoring gegeben."

Hartley, inzwischen 28 Jahre alt, war bis 2010 Red-Bull-Junior. Im direkten Vergleich gegen seinen damaligen Teamkollegen Daniel Ricciardo fiel er jedoch in der Renault-World-Series deutlich ab - und flog daraufhin aus dem Red-Bull-Kader. Inzwischen ist er zweimaliger Langstrecken-Weltmeister auf Porsche - und bei Toro Rosso wieder Teil der Red-Bull-Familie.

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