Helmut Marko: Q1-Unfall von Tsunoda ist "das Ärgerlichste"

Nach dem neuerlichen Unfall von Formel-1-Neuling Yuki Tsunoda im Qualifying in Le Castellet spricht Red-Bull-Sportchef Helmut Marko Klartext

Helmut Marko: Q1-Unfall von Tsunoda ist "das Ärgerlichste"

Yuki Tsunoda hat zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Formel-1-Qualifying durch Unfall schon in Q1 beendet. Und damit zieht sich der japanische Neueinsteiger erneut die Kritik von Red-Bull-Sportchef Helmut Marko zu. Der Ex-Rennfahrer hatte Tsunoda erst kürzlich einen Umzug nach Italien und ein spezielles Tagesprogramm verordnet und fragt sich nun, ob diese Maßnahmen ausreichend waren.

Bei 'ServusTV' sagte Marko, Tsunoda habe es im Qualifying "wieder mal übertrieben". Und: "Wir müssen halt seine Ungestümheit bremsen, ohne dass wir diesen unglaublichen Speed, den er hat, irgendwie beeinflussen."

Er glaube aber weiter an das Talent Tsunodas und daran, dass sich der Nachwuchsfahrer in der Formel zurechtfinden werde. "Das wird schon", sagt Marko. "Nur ist es das Ärgerlichste, in der ersten Runde von Q1 auszuscheiden. Aber er beweist, dass er sehr stur sein kann."

In Italien soll Tsunoda etwas mehr Gelassenheit finden. "Ich will nicht sagen unter Kontrolle, aber unter Aufsicht von Franz Tost", meint Marko. Man wolle Tsunoda "technisch als auch körperlich" mit einem Ganztagesprogramm besser auf die Arbeit im Formel-1-Cockpit vorbereiten, auch mit "wesentlich mehr Simulatorarbeit", so der Red-Bull-Sportchef.

Wie Tsunoda seinen Q1-Unfall erklärt

Tsunoda selbst gibt sich nach dem Qualifying kleinlaut: Der Abflug gehe auf seine Kappe. "Es war mein Fehler und ich entschuldige mich beim Team", sagt der Formel-1-Neuling.

Und so hat sich der Zwischenfall aus seiner Sicht zugetragen: "Ich habe in Kurve 1 schlicht zu viel vom gelben Randstein mitgenommen und mich dann rausgedreht. Ich habe noch versucht, möglichst viel zu bremsen, um einen Einschlag zu verhindern, aber es war wie Rutschen auf Eis, als ich rückwärts flog."

"Der Einschlag war dann recht schwach, es gibt jedoch gewisse Schäden am Auto. Das Team muss über Nacht also hart arbeiten, um das Auto wieder für mich bereit zu haben am Sonntag."

Was ist noch drin vom letzten Startplatz?

Er selbst nehme sich vor, mit einem "guten Rennen" dankeschön zu sagen für die Überstunden der Crew. "Überholen ist schwierig hier in Le Castellet, doch ich werde in jeder Runde alles geben und jede Möglichkeit wahrnehmen", versichert Tsunoda.

Der Japaner geht vom letzten Platz der Startaufstellung aus ins Rennen. "Da muss sich AlphaTauri eine spezielle Strategie einfallen lassen", sagt Marko. "Wenn er es trotzdem in die Punkte schaffen würde, wäre das sensationell."

Gasly glänzt mit nächstem Top-10-Startplatz

Tsunodas Teamkollege bei AlphaTauri, Pierre Gasly, ist hingegen voll auf ein Top-10-Ergebnis angesetzt. Zum sechsten Mal in sieben Qualifyings eroberte der Franzose einen Platz in Q3 und damit eine ausgezeichnete Ausgangslage.

"Die Qualifyings", sagt Gasly, "sind dieses Jahr wirklich stark. Das freut mich natürlich sehr. Wir scheinen das Auto dann immer in einem guten Einsatzfenster zu haben."

Tracklimits machen Gasly das Leben schwer

In Le Castellet hat sich Gasly das Leben aber selbst schwer gemacht, weil er gleich in zwei Fällen Rundenzeiten durch Tracklimits-Übertritte verlor. Er selbst zweifelt mindestens eine dieser Szenen an und meint: "In der Vergangenheit haben Zeiten gegolten, obwohl es schlimmere Verstöße gegeben hat. Aber es ist, wie es ist."

Pierre Gasly im AlphaTauri AT02 beim Frankreich-Grand-Prix 2021 in Le Castellet

Pierre Gasly im AlphaTauri AT02 beim Frankreich-Grand-Prix 2021 in Le Castellet

Foto: Motorsport Images

Er habe sich danach jeweils verbessert, "deshalb kratzt es mich nicht so sehr", sagt Gasly weiter. "Im jeweiligen Moment aber ist es natürlich frustrierend. Und der Druck war enorm, weil ich dann [jeweils] nur noch eine Chance hatte."

Speziell Q3 sei deshalb sehr anspruchsvoll für ihn gewesen. "Ich war wirklich zufrieden, als ich die Runde abgeschlossen hatte. Wir hatten es hingekriegt", meint Gasly.

Mit 1:30.868 Minuten platzierte er sich 0,878 Sekunden hinter der Spitze und nur 0,028 Sekunden hinter Carlos Sainz im Ferrari, aber eben auch eine Zehntelsekunde vor dessen Teamkollegen Charles Leclerc. Auch Lando Norris im McLaren und Fernando Alonso im Alpine ließ er hinter sich.

Welche Chancen hat Gasly im Rennen?

Ob es dabei auch im Rennen bleibt? Gasly ist unsicher: "Wir haben praktisch alle die gleiche Strategie. Schauen wir mal, was ausgehend davon möglich sein wird. Ich bin gespannt. Auch, weil wir zum Qualifying hin eine gute Steigerung hingelegt haben. Hoffentlich bedeutet das auch eine Verbesserung für die Pace im Rennen."

Generell tue sich AlphaTauri über die Grand-Prix-Distanz schwerer als über eine fliegende Runde. "Der Grand Prix morgen dürfte für uns eine gute Standortbestimmung darstellen, ob wir für den Rest der Saison auf klassischen Rennstrecken kämpfen können", sagt Gasly.

Red-Bull-Sportchef Marko jedenfalls hat eine klare Erwartungshaltung: "Ich glaube, ein Platz fünf ist möglich, weil die Longruns sehr gut gewesen sind."

Gasly aber verweist auf "ziemlich überraschende" Schwankungen im Kräfteverhältnis im Formel-1-Mittelfeld. Er denke da "vor allem an Alpine" und sagt: "Manchmal sind sie im Nirgendwo, manchmal zeigen sie eine unglaubliche Leistung, so wie dieses Wochenende." Deshalb sei es "wirklich schwer zu sagen", wie das Rennen morgen ausgehe.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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