Honda-Krise: Wie Aston Martin dem McLaren-Schicksal entgehen möchte
Nach einem desaströsen Saisonstart steht Aston Martin vor dem Heimrennen von Partner Honda in Suzuka unter massivem Druck - Erinnerungen an McLaren 2015
Wann geht es bei Aston Martin endlich aufwärts?
Foto: LAT Images
Von der Euphorie der letzten Jahre ist bei Aston Martin derzeit wenig zu spüren. Mit Adrian Newey und einem neuen Reglement sollte der Sprung an die Spitze gelingen, stattdessen kämpft der Rennstall mit technischen Problemen, einem nicht konkurrenzfähigen Honda-Motor und mit einem Auto, das seinen Fahrern körperliche Schmerzen bereitet.
Markenbotschafter Pedro de la Rosa versucht vor dem Heimspiel von Honda in Suzuka, die Wogen zu glätten, ohne die Realität zu beschönigen: "Wir hatten erwartet, zu Beginn viel stärker zu sein. Wir müssen jetzt einfach realistisch sein und verstehen, wo die Probleme liegen", sagt der Spanier bei Sky.
"Es bleibt keine Zeit, enttäuscht, unglücklich oder frustriert zu sein. Wir sind Kämpfer, und wir sind hier, um zu kämpfen und zurückzuschlagen. Die Saison ist noch lang. Wir müssen geduldig bleiben und einen Schritt nach dem anderen machen."
Zunächst muss Aston Martin aber das Hauptproblem lösen: Extreme Vibrationen vom Motor machen das Fahren physisch fast unerträglich. In China musste Fernando Alonso zeitweise das Lenkrad loslassen und irgendwann das Rennen freiwillig aufgeben.
De la Rosa sagt, dass diese Probleme auf den Prüfständen kaum sichtbar waren: "Viele Dinge wurden erst im Fahrbetrieb entdeckt. Und da man erst so kurz vor Saisonbeginn fährt, bleibt kaum Zeit zu reagieren." In Suzuka testet das Team nun erste Gegenmaßnahmen, um den Fahrern den nötigen Komfort zurückzugeben.
Die aktuelle Krise weckt Erinnerungen an die gescheiterte Ehe zwischen McLaren und Honda vor zehn Jahren. De la Rosa, selbst Ex-McLaren-Pilot, wischt diese Vergleiche jedoch beiseite: "Das ist eine andere Ära. Honda ist heute ein anderes Unternehmen als 2014." Dass viele Mitarbeiter von damals heute das Aston-Martin-Grün tragen, ist für ihn "reiner Zufall".
Honda auch von Sakura aus Weltmeister
Tatsächlich muss sich Aston Martin aber einige Fragen gefallen lassen. Schockiert darf man etwa über das Geständnis sein, dass man erst im November des vergangenen Jahres von den Problemen bei Honda erfahren haben will. In der heutigen Formel 1 ist so ein Versäumnis eigentlich unvorstellbar. De la Rosa weicht aus: "Nun, wenn wir alle Antworten hätten, wären wir jetzt nicht in dieser Lage."
Natürlich ist die geografische Distanz zwischen Silverstone und Sakura im Vergleich zu anderen Teams ein Nachteil. "Idealerweise wäre es natürlich besser, wenn sie in Silverstone säßen", gibt der Spanier bezüglich Honda zu, sieht das aber auch nicht als Ausrede. "Sie sind eben in Japan. Es hat in der Vergangenheit funktioniert. Sie sind Weltmeister", betont er.
"Sie haben vier Weltmeisterschaften von hier aus, von Sakura aus, gewonnen. Ich denke also nicht, dass wir in solchen Details nach dem Grund suchen müssen, warum wir nicht konkurrenzfähig sind", so de la Rosa. "Wir müssen sicherstellen, dass wir Honda die Zeit und das gesamte Team geben, um sie zu unterstützen und als Einheit zu arbeiten. In diesem Prozess befinden wir uns gerade."
Aston Martin bringt Upgrades nach Suzuka
Doch nicht nur Honda muss an sich arbeiten, auch Aston Martin muss Fortschritte machen, will man nicht weiter abgehängt werden, auch wenn schwierig zu beziffern ist, wie stark das von Adrian Newey designte Chassis wirklich ist.
Das Team selbst gibt Vollgas und hat in Suzuka einige Upgrades parat: "Auf der Chassis-Seite haben wir neue Teile am Frontflügel, den vorderen Endplatten und an der Bodenkante. Es kommen also viele Dinge, um einfach wettbewerbsfähiger zu werden", sagt er und weiß: "In der Formel 1 ist man nie konkurrenzfähig genug."
"In unserer aktuellen Lage müssen wir einfach große Schritte machen. Daran arbeiten wir. Wir müssen sicherstellen, dass wir das Auto bei jedem Einsatz schneller machen. Liegt es an der Antriebseinheit? An der Aerodynamik? An der Aufhängung? Das ist uns egal. Jeder Bereich muss besser werden."
Eines ist de la Rosa dabei bewusst: Das benötigt harte Arbeit - und vor allem Geduld. "Wir können nicht wirklich sagen, ob es Wochen oder Monate sind", gibt er über den Weg zurück ins Feld zu.
Die Realität ist klar: "Es wird keine einfache oder schnelle Lösung geben. Wir müssen uns von Rennen zu Rennen und von Woche zu Woche vorarbeiten. Alles, was wir versprechen können, ist harte Arbeit. Wir können keine Fristen nennen, da wir es schlicht nicht wissen. Aber wir werden versuchen, den Zeitraum so kurz wie möglich zu halten."
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