Horner & Wolff einig: FIA braucht schnellere Entscheidungen

Die Entscheidungsfindung bei den jüngsten Strafen in der Formel 1 zog sich lange hin, Christian Horner und Toto Wolff plädieren für eine schnellere Abwicklung

Horner & Wolff einig: FIA braucht schnellere Entscheidungen

An den vergangenen Formel-1-Wochenenden rückten die Stewards auf unschöne Weise und in unschöner Häufigkeit in den Mittelpunkt. Untersuchungen, Strafen, Disqualifikationen - abseits der Strecke gab es teilweise einschneidendere Entscheidungen als auf der Piste. Neben den Urteilen der Kommissare selbst sorgten vor allem die zähen und langatmigen Untersuchungen für Unverständnis.

Über die Revision von Mercedes gegen den Vorfall zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton in Brasilien etwa wurde erst am Freitag danach entschieden. Auch für die auf den ersten Blick simple Antwort auf die Frage, ob Verstappen im Qualifying in Katar doppelt-gelbe Flaggen ignoriert hat, brauchten die Stewards bis kurz vor Rennstart.

"Es ist ungewöhnlich viel Zeit, aber ich denke, dass vor allem bei dem, was auf dem Spiel steht, jede dieser Entscheidungen eine große Rolle spielt", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Allerdings sieht der Brite eine Gefahr, dass sich die Stewards in gewissen Entscheidungsprozessen verrennen, vor allem nach Brasilien.

Horner befürchtet zahllose ähnliche Fälle

Nachdem die Kommissare den Zwischenfall der beiden WM-Rivalen während des Rennens als nicht untersuchungswürdig einstuften, begründete Mercedes den Antrag auf Neubewertung mit den Onboard-Aufnahmen von Verstappen, die erst nach dem Rennen zugänglich waren und dann in den sozialen Netzwerken die Runde machten.

Die Anhörung darüber fand dann am Donnerstag darauf in Katar statt, allerdings vertagten sich die Stewards dann noch einmal um knapp 24 Stunden, ehe sie den Antrag von Mercedes als unbegründet zurückwiesen.

"Darin liegt die Gefahr für die FIA", sagt Horner und verweist auf eine mögliche Zunahme dieser Untersuchungen. "Wenn sie diesen Weg einschlagen, kann jeder Vorfall künftig angezweifelt werden. Dann gibt es plötzlich Aufnahmen von Zuschauern. Es wird immer etwas geben, was als neu oder relevant oder signifikant angesehen werden kann. Die Stewards hatten ihre Entscheidung getroffen", sagt er.

Wolff: Keiner will Social-Media-Aufnahmen als Beweis

Er sehe die "Relevanz" nicht, "jeden Winkel zu beleuchten". Vielmehr sei es ein "gefährlicher Präzedenzfall", wenn Situationen wie in Brasilien noch einmal für Nachuntersuchungen geöffnet werden.

Zumindest teilweise Zustimmung erhält er von seinem Intimfeind Toto Wolff. Auch der Mercedes-Teamchef wünscht sich für die Zukunft klarere und schnellere Entscheidungen. "Keiner will, dass Bilder aus Social Media hinzugezogen werden und plötzlich hat man einen neuen Beweis. Das müssen wir klären", fordert der Österreicher.

Allerdings seien die Onboard-Aufnahmen von entscheidender Bedeutung gewesen, weshalb sich Mercedes für den Einspruch entschied. "Die Stewards müssen Zugang zu allen relevanten Kanälen haben", sagt Wolff und verweist auf ein ähnliches Vorgehen von Red Bull gegen Lewis Hamilton im Vorjahr in Österreich.

Erinnerungen an Österreich

"Lewis sah keine gelbe Flagge, aber auf dem Video konnte man sehen, dass er sie gesehen hat oder zumindest hätte sehen können. Und deshalb wurde er bestraft", blickt er zurück. In Brasilien sei es ähnlich gewesen.

Die Stewards stimmten insofern zu, als dass sie die Aufnahmen als "relevant" einstuften. Jedoch fehlte ihnen die "Signifikanz". Ihrer Meinung nach hatten die Onboard-Aufnahmen nicht genug Material geliefert, um davon auszugehen, dass die Kollegen in Brasilien ihre Entscheidung anders gefällt hätten.

Mit Blick auf die Dauer der Entscheidung stimmt Wolff Horner zu: "Wir wollen nicht, dass das eine oder zwei Wochen dauert. Das ist nicht richtig."

Masi erklärt Prozesse bis zur Verkündung

Doch warum überhaupt dauert dieses Prozedere überhaupt so lange? Rennleiter Michael Masi stellt klar, dass von allen Seiten immer die Forderungen gekommen seien, nicht nur eine Entscheidung über Schuld oder Unschuld zu treffen, sondern ebenso eine Begründung mitzuliefern. Und dies dauere nun einmal seine Zeit.

"Manchmal, wenn es ähnliche Fälle gibt, versuchen die Stewards, alle ihre Entscheidungen zu formulieren. Alle, die ein gewisses Maß an Nuancen aufweisen, werden detailliert beschrieben. Es braucht Zeit, um sie durchzugehen, sie zu entwerfen, zu schreiben und neu zu schreiben", erklärt Masi.

Zudem dauere auch die Beweisaufnahme einfach lange. In Brasilien etwa habe Mercedes laut Masi zweieinhalb Stunden vor den Stewards gesprochen. "Manchmal denke ich, die Stewards wären froh, wenn sie einfach schreiben könnten: 'Diese Person hat gegen die Regeln verstoßen', und damit wäre die Geschichte zu Ende", sagt Masi. Dies werde aber nicht gewollt.

Fristen für Berufungen müssen beachtet werden

Die getroffene Entscheidung schnell zu verkünden und die detaillierte Begründung einfach nachzuschieben, sei wegen der Fristen für Einsprüche und Berufungen keine Option. "Die Teams müssen das Recht haben, Berufung einzulegen. Es geht also um die Fristen", sagt er. Ob eine Berufung oder ein Einspruch aber Sinn ergibt, können die Teams erst entscheiden, wenn ihnen die gesamte Urteilsbegründung vorliegt.

Nach Brasilien habe zudem der ungewöhnliche Reisestress mit dem folgenden Rennen in Katar dazu beigetragen, warum die Onboard-Aufnahmen erst so spät zugänglich waren.

"Das Filmmaterial kam, mehr oder weniger, kurz bevor ich in ein Flugzeug nach Doha stieg. Und die Stewards waren zu diesem Zeitpunkt schon weg. Und als dann 15 Stunden später alle gelandet sind, denke ich, dass das ungefähr der Zeitpunkt ist, an dem die Aufnahmen aufgetaucht sind", erklärt Masi.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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