Hungriger George Russell: "Merkwürdiges Gefühl" beim ersten Podium

George Russell feierte in Belgien sein erstes Podium in der Formel 1 - Wenngleich die Umstände nicht alltäglich gewesen sind, freut er sich vor allem für sein Team

Hungriger George Russell: "Merkwürdiges Gefühl" beim ersten Podium

Wer George Russell nach dem "Rennen" in Spa sah, der konnte den Eindruck gewinnen, dass der Brite soeben nach einer denkwürdigen Schlacht sein erstes Podium in der Formel 1 erkämpft hatte. Denkwürdig war der Sonntag in den Ardennen zumindest in jeder Hinsicht. Einen Grund, seine Freude über Rang zwei nach zwei Safety-Car-Runden zu verbergen, sah der 23-Jährige aber nicht.

Warum auch? Schließlich wurde das Ergebnis nicht gewürfelt, sondern Russell erhielt den Lohn für seine spektakuläre Leistung im Qualifying am Samstag. "Wir wurden nicht oft für tolle Qualifyings belohnt, aber nun wurden wir es", sagt ein bis über beide Ohren strahlender Russell.

Auch der Williams-Pilot fühlte mit den Fans mit, die stundenlang ausharrten, um am Ende dann doch von dannen zu ziehen, ohne ein Rennen gesehen zu haben. Passenderweise zum Regenwetter spricht Russell vom "selben Boot", in dem sich alle Fahrer befunden hätten. "Es war schade, dass wir kein Rennen zeigen konnten, aber aus Sicht unseres Teams ist es ein solch unglaubliches Ergebnis", sagt er.

Russell: Nicht die Art, wie ich das erste Podium wollte

Zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren durfte wieder ein Williams-Pilot aufs Podium klettern, einen zweiten Platz gab es sogar letztmals beim Saisonfinale 2014 in Abu Dhabi durch Felipe Massa. Damals war Russell noch in den kleineren Formelserien unterwegs, nun hat er selbst seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern der Formel 1 sicher.

Doch ganz ausblenden kann und will auch er die Umstände am Sonntag nicht, die schlussendlich zum Podium führten. "Natürlich ist das nicht die Art, wie ich mein erstes Podium erreichen wollte. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, es auf diese Art zu schaffen", betont Russell.

Der Erfolg sei jedoch auch eine Belohnung für das gesamte Team. "Mein gesamtes Team verdient es. Sie haben in den vergangenen Jahren so hart gearbeitet, aber man hat nie wirklich eine Bestätigung dafür bekommen", sagt er und ergänzt: "Ich kann versichern, dass ich das dieses Jahr nicht erwartet habe. Ganz sicher nicht."

Russell: Abbruch des Rennens war richtig

Russell und sein Williams-Team gehörten zu den großen Profiteuren des abgesagten Rennens, denn dass der zweite Platz auch bei einem regulären Rennen Bestand gehabt hätte, bezweifelten die Beteiligten nach dem Qualifying selbst. Doch auch aus neutraler Sicht, versichert Russell, habe es keine Alternative zum Abbruch gegeben.

"Selbst ich auf Platz zwei konnte hinter Max [Verstappen] nichts sehen, sobald wir schneller als 200 km/h unterwegs waren. Ich hätte genauso gut meine Augen schließen können die Gerade hinunter und musste das Gas lupfen. Es war einfach nicht sicher, um ein Rennen zu fahren. Ich denke, die FIA hat die richtige Entscheidung getroffen", sagt Russell.

Mit seinen neun Punkten für Rang zwei - es wurden nur halbe Punkte vergeben - sowie dem einen Zähler von Nicholas Latifi auf Rang neun schraubte Williams das Punktekonto auf 20 Punkte, nachdem bereits in Ungarn beide Fahrer unter die Top 10 kamen. Platz acht in der Konstrukteurs-WM dürfte damit so gut wie sicher sein.

Russell: P8 in der Konstrukteurs-WM ist sicher

"Ich denke, schon die Punkte in Ungarn hätten gereicht, um den achten Platz abzusichern. Aber jetzt nimmt es natürlich noch einmal mehr Druck von uns weg um rauszufahren, alles auf den Punkt zu bringen und vielleicht sogar extreme Dinge zu probieren", sagt Russell, der auch an die vergangenen Jahre bei Williams erinnert.

"Man darf nicht vergessen, wir sind drei Jahre in Folge Letzter in der Konstrukteurs-WM geworden. Und dann kommt dieses Wochenende, die Qualifikation für die erste Reihe und das Podium. Ich bin sehr stolz, das mit diesem Team erreicht zu haben", sagt Russell, der im kommenden Jahr wohl für Mercedes fahren wird.

Eine kleine Anekdote liefert er dann auch noch, als er darüber spricht, wie er die Zeit der Unterbrechung am Sonntag genutzt habe. "Ich war die ganze Zeit sehr hungrig. Ich wollte eigentlich etwas knabbern, aber weil wir nicht wussten, wann der Restart ist, haben wir es immer weiter aufgeschoben. Und als es dann sechs Uhr war, war ich am Verhungern", sagt Russell lachend.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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