"Ich bin darüber hinaus": Verstappen resigniert nach Qualifying-Debakel
Max Verstappen scheitert in Suzuka überraschend in Q2: Massive Balance-Probleme machen den Red Bull unberechenbar - sogar ein Rookie ist schneller
Max Verstappen fehlen nach dem Q2-Aus in Japan die Worte
Foto: Getty Getty
Max Verstappen hat in Japan ein Qualifying erlebt, das in dieser Form Seltenheitswert hat. Der Weltmeister schied bereits in Q2 aus und landete nur auf Platz elf - geschlagen nicht nur vom eigenen Teamkollegen Isack Hadjar, sondern auch von Rookie Arvid Lindblad im Schwesterteam.
Damit musste sich Verstappen erstmals seit langer Zeit aus eigener Kraft einen Teamkollegen im offiziellen Qualifying geschlagen geben. Schon beim Saisonauftakt in Australien qualifizierte er sich hinter Hadjar, damals aber aufgrund von technischen Problemen, die in einen Crash im Q1 mündeten.
Ein weiterer Blick zurück zeigt, wie ungewöhnlich dieses Ergebnis ist. Zuvor hatte Verstappen 2024 in Baku ein Qualifying-Duell gegen seinen Teamkollegen verloren, damals Sergio Perez. Umso klarer wird: Hier geht es um ein tieferliegendes Problem.
"Unfahrbar": Funk verrät das ganze Ausmaß
Schon während des Qualifyings wurde der Frust am Funk deutlich. "Ich glaube, da stimmt etwas nicht mit dem Auto. Es ist völlig unfahrbar", meldete Verstappen ans Team. Besonders in schnellen Kurven verlor das Auto plötzlich die Stabilität auf der Hinterachse - ein Verhalten, das Vertrauen unmöglich macht.
Nach der Session bestätigt er diese Einschätzung. "Sobald du wirklich pushen willst, ist das Auto überall unterwegs", erklärt er. "Du bekommst kein Gefühl, keine Konstanz - du kannst keine Kurve attackieren." Gerade auf einer Strecke wie Suzuka, die Rhythmus und Präzision verlangt, wird ein solches Verhalten zum entscheidenden Nachteil.
Probleme gehen tiefer als Set-up
Besonders besorgniserregend: Verstappen sieht die Ursache nicht im Set-up. Zwar habe man über das gesamte Wochenende hinweg Änderungen vorgenommen, doch die Reaktionen des Autos seien kaum nachvollziehbar gewesen. "Wir machen Anpassungen - und das Auto reagiert nicht so, wie es sollte", sagt er.
Stattdessen spricht vieles für grundlegende Probleme im Fahrzeug. "Es gibt Dinge, die nicht so funktionieren, wie sie sollten", so Verstappen. Diese Probleme führten dazu, dass sich das Fahrverhalten von Session zu Session ändere - teilweise ohne logische Erklärung.
Das Resultat ist ein unberechenbares Auto, das zwischen extremem Unter- und Übersteuern schwankt. "Du weißt nie, was du bekommst", meint Verstappen. "Und das macht es extrem schwierig."
Hadjar bestätigt die Schwächen
Dass die Probleme nicht nur Verstappen betreffen, zeigt auch Teamkollege Hadjar. Der Franzose spricht trotz eines besseren Ergebnisses ebenfalls von einem schwierigen Auto, das sowohl schwer zu fahren als auch zu langsam sei.
"Wir haben keinen Abtrieb", erklärt Hadjar. "Und das Auto kippt sehr schnell in die eine oder andere Richtung." Besonders die fehlende Konstanz mache es nahezu unmöglich, Vertrauen aufzubauen.
Den Unterschied machte letztlich die Umsetzung: Während Verstappen scheiterte, schaffte es Hadjar, sich besser anzupassen und zog in Q3 ein. Ein Ergebnis, das intern für Aufmerksamkeit sorgen dürfte.
Rookie Lindblad sorgt für zusätzlichen Druck
Für zusätzlichen Druck sorgte Arvid Lindblad, der im Racing Bulls ebenfalls schneller war als Verstappen. Dass ein Rookie aus dem Schwesterteam den Weltmeister hinter sich lässt, unterstreicht die aktuelle Schwächephase von Red Bull zusätzlich.
Lindblad selbst bleibt gelassen. "Ich konzentriere mich auf mich selbst", sagt er. "Ich war einfach froh, in Q3 zu sein." Für Verstappen hingegen ist das ein klares Zeichen dafür, wie weit das Team aktuell von seiner gewohnten Form entfernt ist.
Verstappen über Frust: "Ich bin darüber hinaus"
Am bemerkenswertesten ist jedoch Verstappens emotionale Reaktion. Statt Frust oder Wut zeigt sich der Niederländer ungewohnt leer. "Ich bin nicht einmal mehr frustriert", sagt er. "Ich bin darüber hinaus."
Auf die Frage nach einer Beschreibung ringt er selbst nach Worten. "Ich weiß nicht einmal, wie man das nennt", erklärt er. "Vielleicht Resignation."
Immerhin: Verstappen geht davon aus, dass zumindest einige Probleme in den kommenden Wochen behoben werden können. "Wir werden Dinge fixen", sagt er. "Aber das braucht Zeit."
Bis dahin bleibt Red Bull Racing jedoch in einer schwierigen Lage. Ein unberechenbares und langsames Auto, fehlendes Vertrauen und keine klare Richtung - eine Kombination, die selbst einen erfahrenen Weltmeister ausbremst.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.