"Ich habe 285 Rennen verloren": Jenson Button über mentale Belastung
Im Podcast "Beyond The Grid" erklärt Jenson Button, wie Spitzensportler mit der mentalen Belastung des Wettkampfs umgehen
Jenson Button konnte sich 2009 knapp den WM-Titel mit Brawn sichern
Foto: Formel 1
Jenson Button spricht im "Beyond The Grid"-Podcast offen darüber, wie sehr die Formel 1 ihre Fahrer mental beansprucht. Schließlich ist die Siegquote der weltbesten Piloten vergleichsweise gering.
"In der Formel 1 habe ich 300 Grand-Prix-Rennen bestritten, und konnte davon 15 gewinnen", so der Weltmeister von 2009. "Das bedeutet: Ich habe 285 Rennen verloren."
Solche Quoten sind kein Vergleich zu den Seriensiegen, mit denen die Verstappens, Leclercs oder Hamiltons vom Kartsport an aufwachsen.
Die höchste Quote an Siegen in der Formel-1-Geschichte kann Juan Manuel Fangio vorweisen. Schließlich ist es dem fünfmaligen Champion gelungen, rund 47 Prozent seiner Rennteilnahmen an der Formel-1-Weltmeisterschaft zu gewinnen.
Im Podcast schildert Button, dass nicht zuletzt die gelassene Natur eines Ross Brawn ihm immens geholfen hat: "Ich glaube, seine ruhige Art war an schlechten Tagen wirklich wichtig", so der ehemalige Brawn-Pilot.
"Ich glaube, niemand kann dich zu einem besseren Rennfahrer machen. Es liegt allein an dir, deine Dämonen zu besiegen. Leute können zuhören, und ich glaube, dann musst du das als Chef auch tun. Höre deinem Fahrer zu, aber sei nicht zu rechthaberisch."
Der WM-Titel des Briten ist ein Paradebeispiel für die psychischen Stolperfallen der Formel 1. Sechs der ersten sieben Saisonrennen gingen an Button, während die zweite Saisonhälfte fast zum Fiasko verkam. Ständige
Spekulationen darüber, ob der spätere McLaren-Fahrer dem Druck wirklich gewachsen sei, machten die Situation für Button nicht einfacher. Dennoch ging die Krone 2009 am Ende an den heutigen Sky-Experten.
"Am Ende geht es darum, dass du mehr verlierst, als du gewinnst. Ich habe letztes Jahr mit Roger Federer über Sport und die mentale Belastung darin gesprochen. Er sagte zu mir: 'Nun, du würdest ja meinen, ich bin der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten. Aber ich habe 75 Prozent meiner Matches verloren, und das ist eine wirklich gute Quote.'"
Dieselbe Regel gilt auch, wie Button betont, für den siebenmaligen Champion bei Ferrari: "Was Lewis Hamilton geleistet hat, ist außergewöhnlich, aber er hat trotzdem mehr verloren als gewonnen. Und deswegen ist es in jedem Sport, in dem du mehr verlierst als gewinnst, mental verdammt schwierig."
Übrigens ist die Schätzung des Briten nicht ganz richtig. Statt 300 ist Button in seiner Karriere 309 Rennen in der Formel 1 gefahren. Dementsprechend hat er nicht 285 Rennen verloren, sondern 294.
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