Eventnotes: Masi weist auf Punktabzug als mögliche Strafe bei Kollision hin

Michael Masi schafft klare Fronten: Wenn ein Fahrer durch Kollision unfair Weltmeister werden sollte, könnten die entscheidenden Punkte abgezogen werden

Eventnotes: Masi weist auf Punktabzug als mögliche Strafe bei Kollision hin

Nach der rennfahrerischen Eskalation zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton beim Grand Prix von Saudi-Arabien blicken Millionen von Formel-1-Fans auf der ganzen Welt auf das WM-Finale in Abu Dhabi. Und viele von ihnen stellen sich die Frage: Kann es sein, dass die WM so wie etwa in Suzuka 1989, in Suzuka 1990 oder in Jerez 1997 durch eine Kollision entschieden wird?

Sollten beide Titelrivalen ausscheiden und null Punkte holen, wäre Verstappen bei Punktgleichheit Weltmeister, weil er 2021 neun Rennen gewonnen hat und Hamilton nur acht. Das lädt, insbesondere nach seinem aggressiven Auftreten in Saudi-Arabien, zu Spekulationen ein: Lässt es der Red-Bull-Pilot drauf ankommen, sich den Titel notfalls durch einen Crash zu sichern?

FIA-Rennleiter Michael Masi ist nun im Rahmen seiner Möglichkeiten präventiv eingeschritten. In seinen sogenannten "Eventnotes" für Abu Dhabi befindet sich unter Punkt 29 ein expliziter Hinweis auf verschiedene Artikel des Internationalen Sportgesetzbuchs der FIA. "Ich möchte Sie besonders an die folgenden Artikel erinnern", schreibt Masi in dem Bulletin an die Teams.

Aufgezählt sind dann mehrere Artikel, insbesondere 12.4.5. Darin sind mögliche Strafen definiert, die die FIA-Kommissare für Fehlverhalten auf der Rennstrecke anwenden dürfen, unter anderem "Sperre für eine oder mehrere Veranstaltungen" und "Abzug von Punkten in der Meisterschaft". Letzteres sei laut Artikel 12.4.5.a "unter besonderen Umständen" durchaus möglich.

 

Dass die FIA-Kommissare dann, wenn ein Fahrer bei einer Kollision als überwiegend schuldig ("predominantly to blame") eingestuft wird, keine normale Zeitstrafe aushändigen, wäre zwar ungewöhnlich. Doch sollte etwa Verstappen Hamilton von der Strecke räumen, um sich den WM-Titel zu sichern, würde ihn eine Gridstrafe für das nächste Rennen kaum tangieren.

Die "besonderen Umstände" für einen Punktabzug wären bei einer WM-Entscheidung in der Formel 1 sicher gegeben, weil jedes andere Strafmaß seine abschreckende Wirkung verlieren würde. Dass Masi auf diese Möglichkeit der Bestrafung extra nochmal hinweist, ist ungewöhnlich - und darf als eindringliche Warnung an die beiden Rivalen verstanden werden.

Übrigens nicht nur in Verstappens, sondern auch in Hamiltons Richtung. Beim Grand Prix in Silverstone war der Mercedes-Fahrer in eine Kollision mit Verstappen verwickelt, für die er eine Zehnsekundenstrafe kassiert hat. Trotzdem konnte er das Rennen gewinnen. Würde das auch am Sonntag passieren, wäre er trotz überwiegender Schuld an einer etwaigen Kollision Weltmeister.

Damit sich Verstappen und Hamilton mit solchen Möglichkeiten gar nicht erst auseinandersetzen, sondern von vornherein völlig klar ist, dass unfaires Verhalten streng sanktioniert wird und womöglich den WM-Titel kostet, hat Masi die Fahrer und Teams in seinen Eventnotes an die selten verwendeten, aber theoretisch möglichen Strafen des Sportgesetzbuchs erinnert.

Da werden bei den älteren Semestern Erinnerungen an das WM-Finale 1997 in Jerez wach, vor dem die Stimmung in der Formel 1 ebenfalls aufgeheizt war. Der damalige FIA-Präsident Max Mosley hatte vor dem Rennen gewarnt, dass jeder, der versucht, auf unlautere Weise in die Entscheidung einzugreifen, bestraft werden könnte.

Es kam, wie es kommen musste: Michael Schumacher versuchte, Jacques Villeneuve aus dem Rennen zu befördern, und wurde für diesen Versuch im Nachhinein aus der Weltmeisterschaft ausgeschlossen. Er verlor seinen zweiten Platz in der WM und alle Punkte, durfte aber die errungenen Siege für die Statistik behalten.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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