"Immer gewonnen": Boullier verteidigt magere McLaren-Bilanz

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Sven Haidinger
Autor: Sven Haidinger
Co-Autor: Adam Cooper
17.05.2018, 10:47

Seit Eric Boullier 2014 bei McLaren Rennleiter wurde, fährt das Team hinterher: Wieso er trotzdem an Siege glaubt und wie er seinen Führungsstil verteidigt

Eric Boulliers Bilanz als McLaren-Rennleiter kann sich nicht gerade sehen lassen: Der Franzose, der sein fünftes Jahr an der Spitze des Traditionsteams bestreitet, hat in seiner Ära keinen Sieg und einen fünften Platz in der Konstrukteurs-WM als Highlight vorzuweisen. Nach dem Honda-Ausstieg ist der Druck in Woking enorm, zumal der Sprung zurück an die Spitze erneut nicht gelungen ist.

Dennoch ist Boullier fest davon überzeugt, dass er McLaren wieder ganz nach vorne bringen wird. "Natürlich sind die Erwartungen hoch, aber in der Vergangenheit habe ich Teams wiederaufgebaut und umstrukturiert und mit allen von ihnen wieder gewonnen", argumentiert er. "Ich weiß, was ich tue."

Auch wenn Boullier um Ruhe bemüht ist, gibt es Anzeichen dafür, dass die Lage in Woking derzeit angespannt ist. Langzeit-Technikchef Tim Goss musste kürzlich seinen Hut nehmen, auch wenn man darum keinen großen Wind machte.

Boullier spricht von "weitem Weg"

Und die jahrelangen Aussagen, man habe das beste Chassis der Formel 1 und sei nur wegen der Honda-Antriebseinheit so langsam, rächen sich nun, denn McLaren liegt in der Konstrukteurs-WM nur auf Platz fünf und ist das schlechteste Renault-Team. Red Bull hat sogar doppelt so viele Punkte auf dem Konto.

Dazu kommt, dass man durch die Trennung von Honda wieder für die Antriebseinheit zahlen muss und auch auf die jährliche Finanzspritze aus Japan in Höhe von 100 Millionen Euro verzichten muss. Den direkten Vergleich mit dem Renault-Werksteam und Red Bull sieht Boullier trotz der mäßigen Ergebnisse sogar positiv: "Dadurch haben wir zumindest eine Referenz. Es ist ein weiter Weg."

Obwohl der Saisonstart für McLaren verglichen mit dem eigenen Anspruch eine Enttäuschung war, meint er, dass intern keine falschen Erwartungen vorherrschen würden. "Es ist doch die Aufgabe eines jeden Anführers oder Managers, dafür zu sorgen, dass die Moral der Mitarbeiter passt", erklärt er. "Und da wäre es falsch, falsche Erwartungen zu schüren. Es geht darum, intern sehr klar und sehr transparent zu kommunizieren."

Rauswurf von Technikchef Goss: Boullier wortkarg

Dennoch will er nicht konkret darauf eingehen, wie sich der Abschied von Technikchef Goss auf die Technikabteilung bei McLaren auswirken wird: "Wir wollen nicht viel darüber reden, was wir machen. Wir wollen die Besten sein, und das beinhaltet auch, unser Unternehmen effizienter zu machen."

Ein Schritt in diese Richtung war laut dem Franzosen das umfangreiche Update des MCL33, das eigentlich für den Saisonauftakt geplant gewesen war, aber McLaren nun immerhin den ersten Q3-Einzug des Jahres bescherte. "Klar hätten wir das Paket gerne früher gehabt, aber zum Glück wurden wir nun mit einer vernünftigen Korrelation belohnt", zeigt er sich zufrieden.

Der Kern des Updates war die neue, radikale Nase des MCL33, die für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Boullier kündigt an, dass sich der Bolide auch weiterhin optisch wandeln wird: "Diese neue Nase gibt es neue Möglichkeiten bei der Entwicklung des Autos, und wir werden in Zukunft weiter sichtbare neue Teile für das Auto bringen."

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Fahrer Fernando Alonso
Teams McLaren
Urheber Sven Haidinger
Artikelsorte News