"Inakzeptabel": Bearman kritisiert Colapinto und fordert Respekt
Oliver Bearman spricht über den schweren Unfall in Suzuka und zeigt sich enttäuscht darüber, dass Franco Colapinto gegen die Absprachen gehandelt habe
Das Rennen von Oliver Bearman in Suzuka endete unsanft
Foto: LAT Images
Oliver Bearman hat die Fahrweise von Franco Colapinto bei seinem Unfall beim Formel-1-Rennen in Japan als "inakzeptabel" bezeichnet und sich enttäuscht gezeigt, weil genau das vor Suzuka Thema in der Fahrerbesprechung war. Und das sei es, "was die Sache noch frustrierender macht", so der Haas-Pilot im Podcast Up to Speed.
Es war der große Aufreger beim vergangenen Formel-1-Rennen auf dem Suzuka International Course: Oliver Bearman erlebte dort einen Highspeed-Abflug, weil er mit einem großen Geschwindigkeitsüberschuss auf Franco Colapinto zufuhr, dessen Auto in den Lademodus geschaltet hatte.
Doch weil der Argentinier vor der Spoon-Kurve nicht rechts blieb, sondern spät nach links rüberfuhr, musste Bearman ausweichen, verlor die Kontrolle über seinen Haas und schlug hart in die Streckenbegrenzung ein. Seitdem gab es zahlreiche Diskussionen rund um das Thema Sicherheit und was man gegen die großen Geschwindigkeitsunterschiede tun könne.
"Das ist wirklich das erste Mal in der Geschichte oder zumindest in der Zeit, an die ich mich erinnern kann, dass zwei Autos, die um eine Position kämpfen, ein so massives Geschwindigkeitsdelta aufweisen. Das ist wirklich eine Art unglückliches Resultat dieses Reglements, aber das waren 50 km/h Unterschied", meint Bearman.
"Franco zog vor mir rüber, um seine Position zu verteidigen. Letztes Jahr wäre das absolut am Limit gewesen, aber wahrscheinlich okay bei einem Geschwindigkeitsunterschied von nur fünf oder zehn km/h. Aber bei 50 km/h Unterschied hat er mir nicht genug Platz gelassen, und ich musste im Grunde einen viel, viel größeren Crash verhindern."
Am Freitag noch über das Thema gesprochen
Für den Schlenker des Alpine-Piloten, mit dem er seitdem auch noch nicht gesprochen habe, zeigt Bearman kein Verständnis. Denn noch am Freitag davor war genau das ein Thema in der Fahrerbesprechung.
"Wir haben unter allen Fahrern gesagt: 'Kommt schon, wir müssen uns gegenseitig etwas mehr Respekt entgegenbringen', bewegt euch zur Verteidigung eurer Position mit etwas mehr Vorlauf, weil die Geschwindigkeitsunterschiede viel höher sind, als wir sie je in unserem Sport hatten - und zwei Tage später passiert genau das, was für mich inakzeptabel war", sagt er.
Doch ist diese Forderung in der Formel 1 realistisch? Schließlich klingt das fast so, als müsse man seinem Hintermann die Tür offenlassen - etwas, das kein Fahrer gerne macht.
"Nun, nicht die Tür offen lassen", verneint Bearman, "aber er sah mich kommen und zog rüber. Letztes Jahr wäre das okay gewesen, dieses Jahr sieht er mich zu spät kommen - ich komme mit einem solchen Geschwindigkeitsüberschuss an, dass es in diesem Moment zu spät ist, um rüberzuziehen. Ich sah, wie er in den Spiegel schaute und nach links zog, was nicht gut ist."
Bearman fordert Respekt unter den Fahrern
Der Engländer fordert: "Wir müssen die Dinge unter den Fahrern klären und mehr Respekt füreinander haben, denn ich war wirklich nicht glücklich mit seiner Aktion."
"Letztes Jahr haben wir es bis zum absoluten Limit getrieben und uns in der letzten Sekunde bewegt. Das Überholen war so schwierig und das Reglement so ausgereift, dass jeder genau wusste, wo die Grenzen dieser Autos lagen. Jetzt befinden wir uns in einer neuen Ära, in der wir die Grenzen nicht genau kennen."
Bearman weiß, dass er großes Glück hatte, den Alpine nicht zu treffen, weil es sonst wohl noch viel schlimmer ausgegangen wäre - so kam er mit einigen Prellungen davon.
Nun gilt es aber, Lösungen für die Problematik zu finden. Das Thema der großen Geschwindigkeitsunterschiede steht auf der Prioritätenliste der derzeit stattfindenden Meetings zwischen FIA, Formel 1 und Teams auch ganz oben. "Ich denke, dass es ein paar Dinge gibt, die wir zusammen mit der FIA optimieren können."
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