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Interview: Gerhard Berger über Vettels "Siegchancen in der Zukunft"

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Interview: Gerhard Berger über Vettels "Siegchancen in der Zukunft"
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Der frühere Formel-1-Teamchef von Sebastian Vettel, Gerhard Berger, spricht im Interview über dessen Aussichten bei Aston Martin, und über Mick Schumacher

Gerhard Berger hat den Aufstieg von Sebastian Vettel vom Talent zum Superstar genau verfolgt. Wie er über den anstehenden Wechsel von Vettel zu Aston Martin denkt, das erklärt er im Interview mit unserem Kooperationspartner 'FOCUS Online'.

Dabei spricht Ex-Ferrari-Fahrer Berger auch darüber, was seiner Meinung nach schiefläuft bei Ferrari und welche Chancen sich Mick Schumacher auf einen Formel-1-Stammplatz 2021 ausrechnen darf.

Berger, zwischen 1984 und 1997 als Fahrer in der Formel 1 aktiv und zehnmaliger Grand-Prix-Sieger, stand 2008 als Teamchef am Kommandostand, als Vettel für Toro Rosso in Monza seinen ersten Formel-1-Sieg erzielte.

Seit 2017 ist der 61-Jährige erster Vorsitzender der ITR und damit DTM-Serienchef. Die Formel 1 und Vettels Laufbahn aber hat er bis heute im Blick.

Frage: "Herr Berger, wie würden sie ihr Verhältnis zu Sebastian Vettel beschreiben - Förderer, Vertrauter, Freund?"

Gerhard Berger: "Es ist eine Mischung. Ich kenne ihn sehr gut und schon lange, ein Freund ist er auch. Wir sehen uns in der Regel nur bei den Rennen, aber haben gemeinsame Interessen wie Oldtimer und sehr oft eine gute Gesprächsbasis, weil wir wirklich Autofreaks sind."

Frage: "Wie kam der erste Kontakt zustande?"

Berger: "Der Erste, der mich auf Sebastian aufmerksam gemacht hat, war Michael Schumacher. Er ist neben der Formel 1 immer Kartrennen gefahren."

"Einmal habe ich ihn gefragt: 'Bist du dort der Schnellste?' Er antwortete: 'Da gibt es einen lässigen Deutschen, der ist irrsinnig nett. Du wirst sehen: Das wird ein richtig Guter. Der heißt Sebastian Vettel, den musst Du Dir anschauen.'"

"Kurz darauf war ich zufällig auf einer Kartbahn, Sebastian war damals zwölf oder 13. Seitdem verfolge ich ihn, über die Formel BMW, später habe ich ihn zu mir ins Team geholt bei Toro Rosso, wo er 2008 in Monza das erste Mal ein Formel-1-Rennen gewonnen hat."

Wie Berger über Aston Martin denkt

Frage: "Sie hatten Vettel vor ein paar Wochen zum Formel-1-Abschied geraten. Was halten sie von seiner Entscheidung, die Karriere bei Aston Martin fortzusetzen - mehr Chance oder Risiko?"

Berger: "Aston Martin war die einzige Chance, die ihm geblieben ist. Ein viermaliger Weltmeister mit dem Image von Sebastian Vettel muss normalerweise bei Mercedes, Ferrari oder Red Bull fahren."

"Nachdem die Türen bei Red Bull und Mercedes aber geschlossen waren und die Situation bei Ferrari so ist, wie sie ist, war eigentlich fast nur zu empfehlen: viermal Weltmeister, wunderschöne Karriere, einer der Besten aller Zeiten - mach was anderes."

"Wobei man sagen muss: Racing Point ist das einzige Team, das ansonsten noch Siegchancen in der Zukunft hat, vor allem, wenn Sebastian im Auto sitzt."

"Und weil Racing Point zu Aston Martin wird und Aston Martin eine der tollsten Sportwagenmarken ist, die es gibt, ist das Paket schon gut genug für Sebastian. Wenn er das Bedürfnis hat, weiterzufahren, ist es die richtige Lösung."

Ist Vettel mit 33 noch "voll dabei"?

Frage: "Sie haben Vettel als 'Glücksfall und bestmögliche Lösung für Aston Martin' bezeichnet, glauben an Siege, nicht aber an einen WM-Titel. War das auf die Umstände bezogen oder auch auf Vettels fahrerische Möglichkeiten?"

Berger: "Nur auf die Umstände. Man kann nicht erwarten, dass Aston Martin in den nächsten Jahren ein ernsthafter Titelanwärter wird."

Sebastian Vettel, Charles Leclerc

Sebastian Vettel sitzt nur noch bis zum Ende der Saison 2020 in einem Ferrari

Foto: Motorsport Images

"Aber ich glaube, dass man ohne weiteres Rennen gewinnen kann. Schauen wir uns Monza an: Wenn ein Lance Stroll aufs Podium fährt, dann hätte Sebastian als viermaliger Weltmeister natürlich noch mehr aus dem Auto geholt."

Frage: "Also ist Vettel mit 33 Jahren nicht über dem Zenit?"

Berger: "Natürlich ist er nicht mehr der junge Heißsporn, dafür hat er riesige Erfahrung."

Frage: "In einer anderen Zeit kam Vettel mit den Red-Bull-Autos von Star-Designer Adrian Newey am besten zurecht. V8-Saugmotoren, angeblasener Diffusor, da war keiner stärker. These: Mit den V6-Hybrid-Turbos ab 2014 konnte er sich nie ganz anfreunden - und ist deswegen nicht mehr ganz so gut wie früher. Würden sie mitgehen?"

Berger: "Nein, würde ich nicht. Es war auch bei Red Bull mit Daniel Ricciardo als Teamkollegen ein ziemlich harter Kampf."

"Sebastian ist jemand, der überperformt, wenn er - sagen wir - das alleinige Zentrum eines Teams ist, um das sich alles dreht."

"Wo Sebastian immer wieder seine Schwächen gezeigt hat: Wenn er einen Teamkollegen hatte, der ihm lästig war. Dann hat er auch Fehler gemacht."

"Aber unter dem Strich ist Sebastian viermaliger Weltmeister. Man kann einmal Weltmeister werden aus gewissen Umständen heraus. Aber viermal wird man es nur, wenn man ein Ausnahmekönner ist."

Die Ferrari-Krise in der Formel 1

Frage: "Ferrari steckt zum 1.000. Grand Prix in der vielleicht größten Krise seiner Formel-1-Geschichte. Viel wird über Teamchef Mattia Binotto geredet, über fehlende Strukturen und - auch das war zu hören - zu viele Italiener im Team. Sie haben in Maranello auch Jean Todt erlebt, mit dem in den 1990er-Jahren der Legende nach alles besser wurde. Können sie erklären, was bei Ferrari heute so schiefläuft?"

Berger: "Ein Wunsch von Ferrari ist es immer, Weltmeister mit einem italienischen Team zu werden. Die Formel 1 ist aber zu schwierig, um sie nur auf Italien zu beschränken."

"Man muss die besten Leute, die es auf der Welt gibt, für die Schlüsselpositionen finden. Der Erfolg wird zum Schluss immer ein italienischer Erfolg sein, weil Ferrari nun einmal italienisch ist - aber auf den Schlüsselpositionen ist es völlig egal, welche Nationalitäten die Entscheidungsträger haben."

Frage: "Wie in der goldenen Schumi-Ära?"

Berger: "Unter Luca di Montezemolo [als Ferrari-Präsident von 1991 bis 2014] wurde bei der Auswahl nicht auf den Nationalstolz geschaut. Ross Brawn - Engländer. Rory Byrne, bester Ingenieur - Südafrikaner. Michael Schumacher, bester Fahrer - Deutscher. Jean Todt, bester Teammanager - Franzose. Ferrari holte die Topleute von überall her."

"Jetzt haben sie wieder versucht, das Ganze in italienischer Hand zu meistern, und haben meiner Meinung nach den Fehler gemacht, Binotto alle Aufgaben zu übertragen."

"Politik, Fahrer-Management, Technik, er muss alles machen, überall federführend. Das funktioniert nicht mit einer Person. Bei Mercedes und Red Bull gibt es drei, vier Leute, die unterschiedliche Verantwortung wahrnehmen. Das ist momentan eine Schwäche bei Ferrari."

Die schwache Motorensituation bei Ferrari

Frage: "Und was noch?"

Berger: "Ende 2019 wurde festgestellt, dass Ferrari auf der Motorenseite nicht regelkonform gearbeitet hatte. Nach der Korrektur durch die FIA war auffällig, dass alle Ferrari-angetriebenen Fahrzeuge eine Sekunde langsamer wurden, also auch Alfa Romeo und Haas."

"Aktuell kämpft Ferrari darum, jene Zeit aufzuholen, als sie mit einem nicht regelkonformen Auto gut performt, aber keine maßgebliche Entwicklung betrieben haben. Hier herrscht ein ziemlicher Rückstand."

Frage: "Der sich nicht kurzfristig nivellieren wird."

Berger: "Die Crux an der Geschichte ist: Ferrari wird 2021 sicher einen Schritt nach vorne machen. Um den Anschluss beim Kampf um die Weltmeisterschaft herzustellen, braucht es allerdings eine Handvoll neuer guter Leute. Diese zu bekommen, aus ihren Verträgen zu holen, zu installieren - das dauert in der Regel drei Jahre."

Frage: "Neben Vettel könnte 2021 mit Mick Schumacher sogar ein zweiter Deutscher in der Formel 1 fahren. Wie in der Formel 4 und Formel 3 hat sich Michael Schumachers Sohn auch im zweiten Formel-2-Jahr enorm gesteigert: erster Sieg in Monza, ein Anwärter auf den Titel. Sehen sie Mick bereit für die Formel 1?"

Berger: "Ja, jetzt schon."

"Die Diskussion, Mick in der Formel 1 zu haben, begann schon 2019. Das wäre aus meiner Sicht ein Jahr zu früh gewesen. Jetzt ist er soweit. Mir gefällt, wenn sich jemand im ersten Jahr orientiert und im zweiten Jahr die Meisterschaft anpeilt oder vielleicht sogar gewinnt."

Race winner Mick Schumacher, Prema Racing

Race winner Mick Schumacher, Prema Racing

Foto: Charles Coates / Motorsport Images

"Ein Ziel ist, Tagesiege einzufahren. Das andere und viel schwierige Ziel ist, Meisterschaften für sich zu entscheiden. Es ist wichtig, dass die jungen Burschen in einer Rennklasse bleiben, bis sie wirklich meisterreif sind."

"Deshalb sind die Schritte, die Mick macht, alle nachvollziehbar und richtig. Jetzt könnte er durchaus im nächsten Jahr den Schritt in die Formel 1 wagen."

Frage: "Mick Schumacher ist Ferrari-Junior. Wenn sie Teamchef der Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo oder Haas wären - was würden sie tun?"

Berger: "Ich würde ihn nehmen. Mick hat abgeliefert und weiß durch seine Familie, was die Hürden sind, die man im Rennsport nehmen muss, um ganz nach vorne zu kommen."

"Eine Chance hat er sich verdient. Jeder wird das Thema unterstützen, auch aus Respekt zu seinem Vater. Und jeder würde sich freuen, wenn man sieht, dass Mick eine faire Chance bekommt."

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst am 11. September 2020 bei FOCUS Online erschienen. Zur Originalversion bei unserem Kooperationspartner geht es hier!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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