Jean Todt sauer auf Motorenkritiker: "Alle haben zugestimmt"

FIA-Präsident Jean Todt kann die Kritik am Motorenreglement ab 2021 nicht nachvollziehen, ist aber optimistisch, schon bald eine Lösung zu finden

Die Formel 1 steht in diesem Jahr vor der großen Herausforderung, sich auf ein Reglement ab der Saison 2021 zu einigen. Die Teams hätten gerne Planungssicherheit, was in drei Jahren auf sie zukommen wird. Ende des Vorjahres wurden von der FIA bereits Rahmenbedingungen für einen neuen Formel-1-Motor herausgegeben, was allerdings zu Kritik von großen Teams wie Mercedes und Ferrari führte und sogar in einer erneuten Ausstiegsdrohung der Scuderia mündete.

FIA-Präsident Jean Todt kann die Unmutsbekundungen allerdings nicht nachvollziehen, weil sich im Vorfeld alle auf den Rahmen geeinigt hätten: "Leider scheinen manche ein selektives Erinnerungsvermögen zu besitzen", sagt der Franzose. "Vor ein paar Monaten saßen wir alle beisammen und haben einstimmig gewisse Anpassungen am Motor für die Zukunft beschlossen."

Dabei ging es vor allem um kostengünstigere Antriebe, höhere Drehzahlen, die Abschaffung eines Benzinverbrauchs-Limits, einen verbesserten Sound, die Beibehaltung von Hybrid, eine einfachere Struktur und ein attraktives Angebot für neue Hersteller. All das habe man mit dem neuen Vorschlag eingehalten. "Jeder hat zugestimmt, von daher möchte ich, dass sie respektieren, was sie vereinbart haben. Und ich habe vor, dass wir respektieren, was wir vereinbart haben."

Allerdings scheint man bei den Herstellern eine andere Vorstellung darüber zu haben, was vereinbart wurde. Nach Bekanntwerden der Regeln kritisierte man vor allem, dass eine zu starke Neuentwicklung notwendig sei. "Es darf keine komplett neue Entwicklung geben, weil das bedeuten würde, dass wir in den kommenden drei Jahren eine parallele Entwicklung hätten", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Die Hersteller müssten auf der einen Seite die aktuellen Antriebe weiterentwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben, und auf der anderen Seite müssten sie schon an 2021 arbeiten. "Das wäre ein Desaster", betont der Österreicher. "Trotzdem erkennen wir die Schwächen der aktuellen Power-Unit", so Wolff weiter. Es drohen daher noch weitere Diskussionen über das neue Reglement.

Die Regeln noch einmal komplett umzuwerfen, sei für Jean Todt aber keine Option: "Ich denke, es wäre ziemlich unfair, alle bisherige Arbeit an den Motoren zu zerstören und mit einem komplett weißen Blatt Papier anzufangen", sagt Todt, der aber davon ausgeht, dass sich die Formel 1 bald einigen kann: "Wenn man gute Eindrücke geteilt hat, wird man immer eine Lösung finden. Wenn man aber mit irren Leuten zusammensitzt, dann wird man nie Lösungen finden."

"Wenn wir aber vernünftige Leute an den Tisch setzen, dann werden wir Lösungen finden", ist er überzeugt. Wie lange das dauern wird, vermag Todt aber nicht zu sagen. Bis zum nächsten Treffen der Strategiegruppe am 17. April wird man sich wohl nicht geeinigt haben, meint er. Doch er weiß, dass die Zeit drängt: "Je früher, desto besser", so der FIA-Präsident. "Jeder sollte die Spielregeln kennen. Und sobald wir es tun können, werden wir es tun."

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