Jean Todt: Was er auf Hamiltons Gewichtskritik antwortet

Wie FIA-Präsident Jean Todt auf die Äußerungen von Lewis Hamilton reagiert, der das immer weiter ansteigende Gewicht der Formel-1-Autos kritisiert hat

Jean Todt: Was er auf Hamiltons Gewichtskritik antwortet

"Die Richtung fühlt sich nicht richtig an", sagt Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton. Und er bezieht diese Äußerung auf das weiter ansteigende Gewicht der Grand-Prix-Rennwagen, die zur Saison 2022 auf fast 800 Kilogramm kommen werden. Nachhaltigkeit geht anders, meint Hamilton dazu. "Denn wenn man immer schwerer wird, verbraucht man auch mehr Energie."

So will FIA-Präsident Jean Todt die Sache aber nicht stehen lassen. Angesprochen auf Hamiltons Kommentare, sagte der frühere Formel-1-Teamchef: "Über die Jahre sind die Autos in der Tat größer und schwerer geworden. Das geht aber auf die Sicherheit zurück. Und deshalb sollten wir es akzeptieren."

Allerdings spricht sich Todt dafür aus, die künftigen Fahrzeuge auf ein sinnvolles Maß an Technologie zu beschränken. "Wenn ich höre, Halo wiegt zehn Kilogramm, dann sage ich: Gut, wir behalten Halo", so Todt.

Anders verhalte es sich bei "Technologie, die wir nicht brauchen", erklärt der FIA-Präsident weiter. "Unterm Strich wollen wir den Motorsport nämlich als Sport bewahren, in dem der Fahrer den Unterschied machen kann."

Todt: Fahrer wieder in den Mittelpunkt stellen

Die Formel 1 erwecke mitunter den Anschein, sie sehr mehr eine Wissenschaft als echter Sport, weil der Fahrer nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt stehe. "Das müssen wir uns anschauen", sagt Todt.

Kernfragen müssten sein: "Was lässt sich für die Sicherheit tun? Was braucht es nicht? Was kann weg? Wahrscheinlich lässt sich auch etwas Gewicht sparen und gleichzeitig mehr Raum für die Fahrerfähigkeiten schaffen."

Todt wirbt aber auch um Verständnis für die in der Formel 1 engagierten Autohersteller. Denn die Rennserie sei letztlich auch nur ein Abbild der Entwicklung auf dem Automobilsektor. "Und diese Entwicklung müssen wir nachvollziehen."

Die Entwicklung lässt sich nicht rückgängig machen

Der Präsident des Automobil-Weltverbands nennt ein Beispiel: "Ein Straßenauto von vor 40 Jahren und ein modernes Straßenauto sind komplett unterschiedlich. Es ist in unserem Fall nicht wie im Fußball oder im Tennis, wo es vor 50 Jahren praktisch genau so war wie es heute ist."

"In unserem Fall haben sich Fahrer und Fahrzeuge dramatisch verändert. Und diese Veränderung wird anhalten, weil sich der Automobilsektor immer weiterentwickelt. Darum kommen wir nicht herum."

Das dürfe man aber nicht als Freibrief verstanden wissen, die Formel-1-Autos immer noch komplexer und komplizierter zu gestalten, mit "immer noch mehr Elektronik", so Todt.

Wer "alten" Motorsport erleben will ...

Andererseits könne man das Rad der Zeit auch nicht einfach zurückdrehen. Ein "Auto mit Ganghebel oder ohne Servolenkung" sei in der modernen Formel 1 schlicht nicht denkbar. "Das wäre gegen die Natur der ständigen Evolution im Automobilbereich", meint Todt. "Das müssen wir akzeptieren."

Wer in der vermeintlich einfachen Vergangenheit schwelgen wolle, der müsse historische Rennveranstaltungen besuchen. "Da kannst du auch alte Autos einsetzen", erklärt Todt. "Das ist der einzige Weg zurück. Denn die Formel 1 ist die Königsklasse im Motorsport und damit auch die Königsklasse der Automobilindustrie. Und deshalb muss da eine enge Verwandtschaft bestehen."

Mit Bildmaterial von Daimler AG.

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