Jean Todt widerspricht Mythos um Arroganz von Michael Schumacher
Ex-Ferrari-Teamchef Jean Todt spricht über seine Beziehung zu Michael Schumacher und weist die bestehenden Vorwürfe der Arroganz als "vollkommen falsch" zurück
Jean Todt und Michael Schumacher pflegen eine familiäre Beziehung
Foto: LAT Images
Der frühere Ferrari-Teamchef Jean Todt hat die weit verbreitete Einschätzung zurückgewiesen, dass Michael Schumacher im Laufe seiner Formel-1-Karriere arrogant oder überheblich aufgetreten sei. Dieses Bild des Rekordweltmeisters sei "vollkommen falsch", betont der Franzose.
Tatsächlich hätten bei Schumachers Erfolgen eher Selbstzweifel eine zentrale Rolle gespielt. Todt erinnert sich im High Performance Podcast an die gemeinsame Zeit von 1996 bis 2006 und beschreibt den Deutschen dabei als überraschend introvertiert.
"Michael ist ein ziemlich sensibler Mensch", meint der Franzose. Und Schumacher sei "kein typischer harter Anführer, der glaubt, es besser zu wissen als alle anderen", findet der damalige Ferrari-Teamchef, der sich an eine besondere Episode nach einem WM-Titel erinnert.
Michael Schumacher zweifelte an seinen Fähigkeiten
"Nach seinem Weltmeistertitel, vor Beginn der neuen Saison, bat er mich, mit ihm auf eine private Rennstrecke in Fiorano zu fahren. Er sagte: 'Könntest du mir einen halben Tag Zeit geben, damit ich ein paar Tests machen kann, um sicherzugehen, dass ich noch gut bin?'"
"Ich denke, es ist eine große Stärke, nicht sicher zu sein, dass man gut ist", meint Todt, der den Vorwurf der Arroganz als "vollkommen falsch" zurückweist. "Michael ist ein eher schüchterner, großzügiger Typ. Aber er versteckt seine Schüchternheit hinter einer arroganten Fassade."
Dabei sei dieses Auftreten kein kalkuliertes Verhalten gewesen, sondern Teil seiner Persönlichkeit: "Ich glaube nicht, dass man das bewusst macht, um sich Vorteile zu verschaffen", ist der langjährige Ferrari-Teamchef überzeugt. "Ich denke, das liegt im Charakter, in den Genen, man ist eben so."
Aus beruflicher Beziehung wird fast eine Familie
Mit der Zeit habe sich das Verhältnis zwischen Schumacher und Todt deutlich verändert, vom rein professionellen Kontakt zu einer fast familiären Bindung: "Sehr schnell, weil wir 1997 zurückkämpfen mussten", sagt Todt. "Er merkte, dass er beschützt wurde, er merkte, dass er geliebt wurde, es beruht also auf Gegenseitigkeit."
"So entwickelte sich unsere berufliche Beziehung nach und nach zu einer freundschaftlichen und familiären Beziehung." Jean Todt gehört bis heute zu den wenigen Menschen, die Michael Schumacher nach seinem schweren Skiunfall im Dezember 2013 noch besuchen dürfen.
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