Jenson Button: "Hatte Probleme" mit Flavio Briatore bei Benetton

Warum Formel-1-Weltmeister Jenson Button seine Zeit bei Benetton nicht in guter Erinnerung hat und welchen Anteil Teamchef Flavio Briatore daran hatte

Jenson Button: "Hatte Probleme" mit Flavio Briatore bei Benetton

An seine Zeit bei Benetton in der Formel 1 erinnert sich Jenson Button nicht gerne zurück. Und das hat vor allem einen Grund: Flavio Briatore. Denn mit seinem Teamchef kam Button laut eigener Aussage kaum zurecht. Als besonders prägend bezeichnet Button im 'High Performance Podcast' den Monaco-Grand-Prix 2001, den er als Siebter beendet hatte.

"Damals bedeutete P7 keine Punkte. Heute ist Siebter in der Formel 1 großartig", meint Button, der praktisch das komplette Rennen ohne Servolenkung absolviert hatte. Die war zu Rennbeginn ausgefallen. "Und Formel-1-Autos ohne Servolenkung sind extrem schwerfällig. Ich hatte nach dem Grand Prix einige Blasen an den Händen", sagt Button.

Dann trat Briatore auf den Plan. "Er kam rein und sagte: 'Oh, ich dachte, du hast nach deiner Wohnung geschaut!' Und meine Hände haben geblutet! Das hat schon wehgetan, wenn dein eigener Boss, der sich eigentlich um dich kümmern sollte, so etwas zur Presse sagt. Die Presse hat das natürlich sofort aufgeschnappt und das hielt sich dann für immer."

Playboy-Image dank Briatore

Und schon habe er sein Image weggehabt, sagt Button, ohne dass er selbst etwas dazu beigetragen habe. Vieles gehe auf Briatore zurück und auch auf die Dynamik bei Benetton. "Mit Flavio konnte man sich nicht einfach hinsetzen und reden", erklärt Button. "Ich hätte andere Leute im Team gebraucht, die mich unterstützen, aber das ist leider nicht passiert."

Eher das Gegenteil sei eingetreten: Die Mannschaft sei ihm mit Misstrauen begegnet, wohl auch aufgrund von Briatores Haltung, wie Button vermutet. Er sagt: "Das Team hatte in der Vergangenheit mit Michael Schumacher viel gewonnen, und sie dachten, sie sind die Besten. Und der kleine Junge ist eh nur ein Playboy, weil Flavio das ja selbst sagt."

Tatsächlich ließen die Benetton-Ergebnisse in der Saison 2001 zu wünschen übrig: Selbst Giancarlo Fisichella, dann schon im vierten Jahr im Team, brachte in der ersten Saisonhälfte nur einen sechsten Platz ins Ziel. Button kam auf den angesprochenen siebten Platz in Monaco, punktete aber nicht.

Wechsel zu BAR "beste Entscheidung"

"Da hieß es dann, man hat einfach keinen guten Job gemacht", sagt Button. "Und ich habe auch keinen guten Job gemacht, weil ich nicht ordentlich behandelt wurde. Und ich war mental nicht stark genug, um den Weg da rauszufinden."

Ihn habe die Gesamtsituation bei Benetton enorm belastet. "Es tat einfach weh, weil ich auch kein harter Typ bin. Ich bin eher emotional", meint der spätere Formel-1-Weltmeister. "Ich hatte wirklich Probleme damit und das Beste, was mir passieren konnte, war, das Team zu verlassen."

Nach der Saison 2002 nahm Button seinen Hut bei Benetton und wechselte zu BAR. Diesen Schritt hält er rückblickend für "die beste Entscheidung meines Lebens", so sagt er. Denn bei BAR erlebte Button ein ganz anderes Teamgefüge: "Mit jedem gab es ein Highfive, ich war einfach sehr glücklich, dort zu sein. Das Gefühl, gewollt zu sein, war für mich etwas ganz Neues."

Villeneuve einziger Gegenspieler

Das habe sich auch in der Performance auf der Rennstrecke niedergeschlagen: "Ich bin ins Auto gestiegen und habe mich sofort gut gefühlt", sagt Button. Geknirscht habe es aber auch bei BAR, nämlich mit Teamkollege Jacques Villeneuve. Er sei "die einzige Person" gewesen, "die mich dort nicht wollte", meint Button. "Am Ende aber waren wir gute Freunde."

Jenson Button und Jacques Villeneuve

Auch mit Jacques Villeneuve war es nicht immer harmonisch

Foto: Motorsport Images

Damit hatte Button sein Wunschumfeld. "Manchmal braucht es eben diesen Wechsel der Mentalität auch im Team", sagt er heute. "Das ist einfach anders als viele andere Sportarten."

"In den meisten Sportarten geht es um den Einzelnen, es geht um den Fitnesslevel oder das technische Verständnis. Aber Teamsport ist hart. Man sieht es im Fußball, im Rugby. Manchmal funktioniert es halt einfach nicht mit den Leuten, mit denen man zusammenarbeitet." So wie im Fall Button und Briatore.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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