John Surtees: „Mit Halo könnte Henry noch leben“

Nach den ganzen Diskussionen der Formel-1-Fahrer um Halo ja oder nein, meldete sich John Surtees zu Wort, der seinen Sohn Henry vor sieben Jahren durch eine Unfall in der Formel 2 verloren hat.

Der Sohn des Formel-1-Weltmeisters von 1964 wurde bei einem Unfall im Juli 2009 von einem Rad am Kopf getroffen, das sich von Jack Clarkes Auto gelöst hatte. Surtees verlor sofort das Bewusstsein und fuhr in der folgenden Kurve geradeaus in die Reifenstapel.

Rettungskräfte waren sofort zur Stelle und befreiten den Verletzten aus dem Auto. Nachdem er im Streckenhospital stabilisiert worden war, wurde er per Helikopter in das Royal Hospital nach London geflogen, wo der 18-Jährige am Abend seinen schweren Kopfverletzungen erlag.

Mit einem Kopfschutz wie dem Halo könnte sein Sohn noch am Leben sein, glaubt John Surtees und kann daher die Kommentare des aktuellen Weltmeisters Lewis Hamilton absolut nicht nachvollziehen.

Hamilton hatte den Halo als „die am schlimmsten aussehende Modifizierung der Fahrzeuge in der gesamten Formel-1-Geschichte“ bezeichnet.

„Ich musste die Tragödie erleiden, Henry zu verlieren, die mit einer Entwicklung wie dieser sicher hätte vermieden werden könne“, sagte Surtees der BBC.

„Lewis könnte vielleicht etwas mehr über den Halo nachdenken und darüber, welche Verantwortung er als Weltmeister trägt.“

Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel meinte hingegen, dass der Schutz „so hässlich sein kann, wie er will“, solange er dazu beiträgt Leben zu retten. „Henry Surtees wäre noch hier wäre, wenn dieses System schon im Einsatz gewesen wäre“, glaubt der Ferrari-Pilot.

„Sebastian hat den Nagel auf den Kopf getroffen“, sagte John Surtees weiter. „Henry wurde von einem Rad getroffen, das 28 Kilo wog, also hätte es eine Chance gegeben.“

„Notwendiger Schritt“

Mittlerweile überwiegen die positiven Stimmen zum Halo gegenüber den negativen wie denen von Lewis Hamilton und auch Nico Hülkenberg. IndyCar-Fahrer Scott Dixon unterstützt die Idee des Halo ebenso wie Daniel Ricciardo und auch McLaren-Pilot Fernando Alonso findet, dass er ein „notwendiger Schritt“ sei.

„Er wird die Zukunft der Formel 1 sein, denn wir können uns keine ernsthaften oder tödlichen Verletzungen leisten, wie wir sie in den letzten beiden Jahren hatte“, sagte Alonso in Bezug auf die tödlichen Unfälle von Jules Bianchi und IndyCar-Pilot Justin Wilson.

„Ich weiß, dass der Halo ästhetisch etwas extrem ist – vielleicht findet man in den nächsten Monaten ja eine Überdachung oder etwas ähnliches – ich hoffe, dass wir nächstes Jahr eines dieses Systeme an allen Autos haben werden.“

Ex-Formel-1-Pilot Mark Webber kann beide Seiten verstehen, findet aber, man müsse der Entwicklung einfach noch etwas Zeit geben.

„Die Meinungen sind 50:50, das überrascht mich nicht“, sagte Webber gegenüber Motorsport.com. „Es gab ein paar sehr schwere Unfälle. Wir dürfen daher nicht die Hände in den Schoß legen und sagen, das wir aus diesen Vorfällen nicht lernen.“

Der Australier gab aber zu, das auch der Halo Unfälle wie den von Felipe Massa 2009 in Ungarn vielleicht nicht verhindert könne. Der Brasilaner war damals von einer Feder am Kopf getroffen worden, die sich von Rubens Barrichellos Auto gelöst hatte.

Auf alle Fälle müsste die Sicherheit aber an oberster Stelle stehen, betonte Webber.

„Ich habe Justin Wilsons Sarg getragen. So etwas möchte ich nicht noch einmal erleben, aber man muss das Halo-System bezüglich der Sicht auch in der Eau Rouge ausprobieren. Bei den Sportwagen wissen wir, dass es sehr schwierig ist, manche Ecken und Umrisse zu sehen.“

„Ich denke, dass die Entwicklung weitergeht. Das ist ein sehr emotionales, heißes Thema“, glaubt Webber, denkt aber, dass bezüglich der Optik des Halo das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.

Mit Informationen von Jonathan Noble

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