Johnny Herbert über Verstappen vs. Hamilton: Chancen auf Crash "sind hoch"

Johnny Herbert vermutet, es kracht zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton in Abu Dhabi - Welche Rolle dabei für ihn das Rennen in Silverstone spielt

Johnny Herbert über Verstappen vs. Hamilton: Chancen auf Crash "sind hoch"

Max Verstappen vs. Lewis Hamilton. Ein Duell, das die Formel-1-Gemeinde so sehr in ihren Bann zieht, wie schon lange keines mehr. Vor dem Finale 2021 in Abu Dhabi werden teilweise sogar Vergleiche mit der Rivalität zwischen Alain Prost und Ayrton Senna gezogen.

Dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr. Ähnlich wie zwischen Prost und Senna, hat es auch zwischen Verstappen und Hamilton schon mehrfach gekracht. Die Chancen, dass auch die WM-Entscheidung durch eine Kollision zwischen den beiden herbeigeführt wird, stehen gar nicht so schlecht. Ex-Formel-1-Pilot Johnny Herbert schätzt sie als "hoch" ein.

"Ich glaube, dass Max' Mentalität und Jos ein wichtiger Teil dieser Entwicklung waren, die wir jetzt bei Max sehen. Es gibt diese kleinen Extras, die er in Rennsituationen tun wird", begründet Herbert, einst Teamkollege von Michael Schumacher bei Benetton, seine Vermutung.

"Ich denke, die Aussage 'Ich bin wegen der Anzahl der Rennsiege im Vorteil' ist sehr aufschlussreich, aber ich hoffe, dass es nicht darauf hinausläuft", wagt Herbert einen kurzen Einblick in Max Verstappens Psyche. Dem Samstag misst er vorentscheidende Bedeutung bei: "Das Qualifying wird natürlich entscheidend sein."

Kollision? Herbert würde Respekt vor Verstappen verlieren

Keine Rolle spielt dabei das leicht modifizierte Layout des Yas Marina Circuits: "Wird die neue Strecke den einen oder den anderen begünstigen? Ich glaube nicht, dass wir darüber sprechen können, denn Austin sollte eigentlich eine Mercedes-Strecke sein und ganz sicher eine Lewis-Strecke, aber das war sie nicht, und die Strategie spielte dabei eine Rolle."

Herbert hat einige Titelkollisionen selbst aus nächster Nähe erlebt. Als Michael Schumacher 1994 mit Damon Hill zusammenstieß und 1997 Jacques Villeneuve am Seitenkasten traf, war der Brite selbst aktiver Fahrer in der Formel 1. Ebenso 1990, als Senna Prost in Suzuka gleich am Start ins Aus bugsierte und damit seinen zweiten WM-Titel fixierte.

"Er würde definitiv meinen Respekt verlieren", legt sich Herbert mit Blick auf Verstappen fest. "Ich erinnere mich, als Michael das mit Damon gemacht hat, da habe ich den Respekt vor Michael verloren, weil er das nicht hätte tun müssen. Und er hat es auf eine Art und Weise getan, die nicht dem entspricht, worum es im Rennsport eigentlich geht."

"Das ist etwas, was wir nicht gebraucht haben, denn es war ein absolut großartiges Jahr für die Formel 1", denkt Herbert an die Saison 1994. "Es hat viele Leute zurück in den Sport gebracht und neue Leute angezogen, weil es so viel Spannung erzeugt hat. Wenn alles in der ersten Runde schiefgehen würde, wäre das in vielerlei Hinsicht ein trauriger Zustand."

Wenn Max Verstappen in Silverstone ein wenig mehr Platz gelassen hätte ...

Für Verstappen könnte zu diesem Zeitpunkt im Jahr ganz anders aussehen, spekuliert Herbert: "Das Seltsame an diesem Rennen in Abu Dhabi ist, dass wenn derjenige, der ein wenig forscher fährt, Lewis in Silverstone ein wenig mehr Platz gelassen hätte ... und das sage ich als Rennfahrer, denn ich dachte, es war ein Rennunfall."

 

"Wenn er etwas mehr Platz gelassen hätte - und das hätte er tun müssen, weil da schon ein Auto war - dann wäre er wohl, sagen wir mal, Zweiter geworden. Und als er dann in Monza auf ihm landete, hätte er, wenn er clever gewesen und durch die Schikane gefahren wäre, vielleicht genug Punkte gehabt und wäre sowieso schon Weltmeister."

Tatsächlich hatte der Nuller in Großbritannien Verstappen weh getan. Nicht nur körperlich, schließlich landete der Red-Bull-Fahrer in Folge des Unfalls im Krankenhaus. Auch psychologisch war dieses Rennen ein wichtiger Moment in der Saison 2021. Durch den Hamilton-Erfolg in Silverstone schrumpfte der Abstand von 33 auf acht Punkte.

Nun gehen Verstappen und Hamilton punktgleich ins Finale. Eine Ausgangslage, wie es sie in der langen Formel-1-Historie nur im Jahr 1974 gab. "Wer auch immer gewinnt, er hat es in vielerlei Hinsicht verdient, denn beide haben sich wirklich an die Grenzen ihrer Fahrkünste gebracht", zollt Herbert beiden Fahrern Respekt. Nachsatz: "Und einer von ihnen ist darüber hinausgegangen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Hamilton vs. Verstappen: So lief das "Duell" in der Pressekonferenz!
Vorheriger Artikel

Hamilton vs. Verstappen: So lief das "Duell" in der Pressekonferenz!

Nächster Artikel

Nikita Masepin über F1-Debütjahr: Den Elefanten Bissen für Bissen verspeisen

Nikita Masepin über F1-Debütjahr: Den Elefanten Bissen für Bissen verspeisen
Kommentare laden