Juan Pablo Montoya: Verstappen wollte die Kurve gar nicht kriegen!

Juan Pablo Montoya hat zur umstrittenen Aktion von Max Verstappen gegen Lewis Hamilton in Brasilien eine klare Meinung - Nahm Verstappen einen Unfall in Kauf?

Juan Pablo Montoya: Verstappen wollte die Kurve gar nicht kriegen!

Für den früheren Formel-1-Piloten Juan Pablo Montoya steckte hinter Max Verstappens kritisiertem Manöver in Brasilien gegen Lewis Hamilton ein Kalkül. Laut Montoya habe Verstappen einen Unfall bewusst in Kauf genommen und habe gar nicht erst versucht, Kurve 4 in Sao Paulo sauber zu durchfahren.

"Meiner Meinung nach hat Max die Situation so gesehen, wenn sie kollidieren, macht er Punkte gut. Solange Lewis nicht vor ihm ins Ziel kommt, ist er in einer besseren Situation", sagt Montoya in der Show 'This Week with Will Buxton' bei 'Motorsport.tv'.

Verstappen hatte Hamiltons ersten richtigen Angriff in Interlagos durch ein umstrittenes Manöver noch abgewehrt. Der Red-Bull-Pilot deckte die Innenseite ab und bremste dann am Ende der Geraden so spät, dass er die Kurve nicht mehr erwischte und im gleichen Atemzug Hamilton mit von der Strecke nahm.

Montoya mit Kritik an Stewards

Rennleiter Michael Masi notierte den Vorfall, die Stewards verzichteten jedoch überhaupt auf eine Untersuchung der Szene. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach anschließend von einer "absoluten Sauerei", dass Verstappen nicht mit einer Strafe belegt wurde. Hamilton reagierte im Cockpit mit Sarkasmus auf die Nachricht, dass es keine Untersuchung geben wird. Mercedes legte allerdings Einspruch ein und beantragte eine Neubewertung.

Montoya ist seinerseits davon überzeugt, dass es Verstappen gar nicht darum ging, ein sauberes Verteidigungsmanöver zu fahren. "Man muss sich nur ansehen, wie weit Lewis schon neben ihm und auch in der Bremszone klar vorne war. So spät, wie er gebremst hat, gab es gar keine Chance, dass er die Kurve schafft. Und ich glaube, er hatte auch gar keine Absicht, die Kurve zu schaffen", sagt Montoya.

Den Fakt, dass es zu keiner Untersuchung kam, sieht der 46-Jährige kritisch. "Ehrlich gesagt, und das ist meine persönliche Erfahrung, bekommt derjenige, der es tut, entweder ein großes Geschäft oder gar kein Geschäft", sagt er und verweist als Vergleich auf Vorfälle in Österreich bei anderen Fahrern.

Montoya hat Verständnis für Verstappens Manöver

"Da fuhren die Jungs Seite an Seite, und wenn dem Fahrer auf der Außenbahn nicht genug Platz gegeben wurde, gab es eine Strafe für den Fahrer auf der Innenbahn, weil außen halt Kies war", blickt er auf diverse Szenen wie etwa die zwischen Lando Norris und Sergio Perez zurück, als Norris mit einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe belegt wurde.

In Brasilien, meint Montoya, sei die Szene sogar schlimmer gewesen. "Der Typ hier fährt den anderen komplett von der Strecke. Wie rechtfertigt man das?", fragt der frühere Williams- und McLaren-Pilot.

Allerdings betont Montoya auch, dass er Verstappens Verhalten nicht verurteilt. Er selbst habe so etwas auch getan. "Wenn ich so etwas getan habe, dann habe ich Probleme bekommen", sagt er und lacht. "Hat Max das Richtige getan, um sich zu verteidigen? Ja, Max hat das Richtige in dieser Situation getan, um seine Position zu verteidigen", meint er.

Wollte Verstappen einen Unfall?

Aus Montoyas Sicht gab es für Verstappen in diesem Moment zwei Optionen: "Entweder er duelliert sich oder er lässt ihn das Rennen gewinnen." Verstappen habe laut Montoya nicht damit gerechnet, dass Hamilton zurückziehen würde.

"Ich glaube, er hat erwartet, dass Lewis einlenken würde und das Szenario eintritt, dass Lewis ausscheidet, aber er das Rennen beendet. Lewis war auf der Außenbahn und hatte eine Menge zu verlieren. Ich denke, Lewis war sehr schlau, nicht einzulenken, denn Max war auf den Unfall aus", sagt Montoya und fühlte sich an die Vorfälle der beiden zuvor in dieser Saison erinnert.

"Es war ein bisschen wie in Silverstone. Ja, das hier war jetzt eine deutlich langsamere Kurve, aber der Fall an sich war sehr ähnlich", findet der zweimalige Indy-500-Sieger.

Sonderbehandlung für Verstappen?

Verstappen habe, wie Hamilton in Silverstone, den Scheitelpunkt verpasst. "Wenn man sich anschaut, wie Lewis für den Unfall kritisiert wurde, weil er den Scheitelpunkt verpasst hat in dieser schnellen Kurve. Aber Max hat nicht einmal versucht, die Kurve zu kriegen", so Montoya.

Und das sei ein ganz wichtiger Aspekt der Szene: "Max hätte die Kurve nie bekommen. Es war nicht so, dass er Lewis abgedrängt und selbst die Kurve bekommen hätte. Max hat die Kurve zu 100 Prozent verpasst."

Eine gewisse Vorzugsbehandlung von Verstappen durch die Rennkommissare stellt Montoya zumindest indirekt in den Raum. "Warum kommt Max damit davon und andere nicht? Wenden sie für alle dieselben Regeln an? Oder wird Max anders behandelt, weil er jung ist oder wie auch immer man es nennen will? Ich werfe mal einen anderen Namen ein. Wäre Masepin für so etwas bestraft worden?", fragt er rhetorisch.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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