Kanada als Wendepunkt? Erstes hartes Duell zwischen Russell und Antonelli
Eine Berührung auf der Strecke, unterschiedliche Sichtweisen und ein kühler Handschlag - Bei Mercedes zeigt sich erstmals internes Konfliktpotenzial
Kimi Antonelli und George Russell ein Rad-an-Rad-Duell
Foto: Sutton Images
Kommt es zwischen Kimi Antonelli und George Russell beim Großen Preis von Kanada erstmals zu einem offenen Schlagabtausch? Es schien stets nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der interne Titelkampf bei Mercedes an Schärfe gewinnen würde.
In Kanada erhöhten Russell und Antonelli die Intensität mit ihrem ersten echten Rad-an-Rad-Duell. Die Szene endete mit einer leichten Berührung, nach der sich einer der beiden Fahrer benachteiligt fühlte.
Nachdem er den Angriff des Italieners in Kurve Eins abgewehrt hatte, fand Russell deutliche Worte über Funk. Antonelli zog anschließend Konsequenzen aus dem Vorfall, indem er seine Teamkollegen durch Kurve Acht etwas mehr Platz ließ, ehe der Brite versuchte, sich zu revanchieren.
Erste Spannungen im Mercedes-Duell sichtbar
Nach dem Zieleinlauf hinter Sprintsieger Russell und McLaren-Pilot Lando Norris suchte Antonelli Russell auf. Nach einem zunächst eher kühlen und formellen Handschlag steuerte Russell rasch auf den zweitplatzierten Norris zu und überließ Antonelli die Aufmerksamkeit der Zuschauer nach dessen erstem Podium in der Formel 1.
Versucht Russell bereits, sich nach drei Niederlagen in Folge zu behaupten? Sicher ist: Jeder interne Teamkampf hat seinen Kanada-Moment.
Die Strecke war bereits Schauplatz der ersten Auseinandersetzung zwischen dem damaligen Weltmeister Nico Rosberg und seinem späteren Teamkollegen Lewis Hamilton. Russell hatte in der Saison 2026 bislang einen vergleichsweise ruhigen Start, musste jedoch früh erkennen, dass Antonelli nicht nur auf dem Papier schnell ist und sich aggressiv verteidigen kann.
Russell betont ruhig und gelassen
Dennoch spielt Russell die Bedeutung des Vorfalls herunter: "Ich denke, das war für euch und für die öffentliche Wahrnehmung wichtiger als für mich. Für mich gab es nie Zweifel. Ich weiß, ihr Jungs habt das gesamte Formel-1-Jahr nicht wirklich wahrgenommen. Ihr habt es nur nie bemerkt, weil ich nie an der Spitze gekämpft habe. Jetzt kämpfe ich um große Punkte."

Kimi Antonelli und George Russell im direkten Duell
Foto: Sutton Images
Zur Untersuchung des Vorfalls sagt Russell: "Ich habe es nicht für nötig gehalten, etwas zu sagen, und es wurde nicht untersucht. Also gehe ich davon aus, dass die Rennleitung und die Stewards das ähnlich gesehen haben. Ich muss es aber noch einmal prüfen. Die Rennleitung hat uns in der Vergangenheit ziemlich hart bestraft und ich möchte keinen Fehler machen."
"Ich habe Kimi gesagt, dass ich nach dem Vorfall etwas verärgert war und im Eifer des Gefechts vielleicht überreagiert habe."
Antonelli bewertet den Vorfall anders als Russell
Antonelli schilderte die Situation etwas anders. Nach einem internen Mercedes-Gespräch habe er die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive betrachtet.
"Wahrscheinlich habe ich die Bedeutung dieses Treffens etwas anders verstanden", sagt er. "Die Emotionen waren im Moment sehr hoch und offensichtlich war ich sehr genervt. Aber ich muss noch einmal nachfragen, worüber genau gesprochen wurde, und dann werden wir das klären."
Lernprozess für Antonelli
Ob Russell oder Antonelli im Recht war, liegt letztlich im Ermessen der Stewards. Fest steht jedoch, dass der Vorfall für den jungen Antonelli eine wichtige Lernerfahrung darstellen könnte. Besonders sein etwas optimistisches Manöver in Kurve Acht sowie seine anhaltenden Funksprüche führten dazu, dass sich sogar Toto Wolff mehrfach einschaltete.
"Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Antonelli erst 19 Jahre alt ist und noch nicht seine komplette Entwicklung abgeschlossen hat. Das wird vermutlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er mit Russell Rad an Rad kämpft, sofern Mercedes seine frühere Dominanz in Kanada wieder erreicht."
Der nächste Entwicklungsschritt als Teamleader
Da sich der Italiener in einer Mannschaft mit großem Druck befindet und nach oben strebt, könnte der nächste Schritt seiner Entwicklung darin bestehen, sich in einer Führungsrolle zu behaupten. Antonellis jugendlicher Charme und seine verspielte Art könnten dabei ebenso entscheidend sein wie die Entschlossenheit, die ihn bereits dazu gebracht hat, Russell als "Killer" zu bezeichnen, wie Wolff kürzlich verriet.
In der Formel 1 entwickelt sich aus engen Rivalitäten zwischen Teamkollegen oft eine besondere Dynamik. Lewis Hamilton und Nico Rosberg wurden bei Mercedes vom Teamkollegen zum erbitterten Rivalen. Rosberg sagte später: "Was ich aus dieser Zeit gelernt habe, ist, dass man bereit sein muss, Dinge zu tun, die man zuvor nie getan hätte."
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