Katar versichert: Formel-1-Fahrer kriegen keinen Maulkorb

Der Präsident des Motorsport-Verbands erklärt: Warum Katar die freie Meinung der Formel-1-Fahrer tolerieren und sich auch der Kritik von außen stellen will

Katar versichert: Formel-1-Fahrer kriegen keinen Maulkorb

Die Skepsis vor dem ersten Katar-Grand-Prix der Formel 1 ist groß. Dessen ist sich Abdulrahman Al Mannai bewusst. Doch der Präsident des Motorsport-Verbands in Katar will alles dafür tun, etwaige Vorbehalte zu entkräften. Im Gespräch mit 'AFP' jedenfalls versichert Al Mannai, Katar werde sich als Formel-1-Gastgeberland betont offen präsentieren.

Die Fahrer zum Beispiel bräuchten keinen "Maulkorb" zu fürchten. Im Gegenteil: "Wir unterstützen die Fahrer gerne dabei, ihre Meinung über ihre Plattformen kundzutun. Wir sehen darin kein Problem. Denn in Katar haben sie alle Freiheiten, das zu sagen, was auch immer sie sagen wollen", sagt Al Mannai.

Sprich: Man werde gar nicht erst versuchen, kritische Töne zu unterbinden. Und davon gibt es in der Formel 1 genug: Vor allem Lewis Hamilton und Sebastian Vettel haben ihre Formel-1-Präsenz zuletzt intensiv dazu genutzt, auf soziale Missstände hinzuweisen.

Kritik an Katar: Menschen- und Grundrechte missachtet

Und Katar steht international schon seit Jahren in der Kritik, nicht genug wert auf Menschen- und Grundrechte zu legen. Besonders die Situation von Arbeitsmigranten, die zum Bau der Stadionanlagen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zum Einsatz kommen, gilt als bedenklich. In diesem Fall reichen Proteste der Vereinten Nationen zurück ins Jahr 2013.

Laut 'AFP' hat Katar inzwischen jedoch Zugeständnisse gemacht. Das arabische Land habe einige seiner strikten Arbeitsregularien gelockert und einen Mindestlohn in Höhe von umgerechnet 1,12 Euro eingeführt.

Auch Motorsport-Verbandschef Al Mannai betont den Willen zur Veränderung, indem er sagt: "Katar ist offen für Kritik. Katar hat in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, die Arbeitssituation zu verbessern. Da sind uns gute Fortschritte gelungen."

"Natürlich: Das System ist noch nicht perfekt, aber unsere Offenheit und unsere Zusammenarbeit mit internationalen Agenturen haben uns dabei geholfen, Verbesserungen umzusetzen."

Kein Champagner auf dem Podium

Von vielen westlichen Standards aber ist Katar noch immer weit entfernt: Auf besonders schwere Verbrechen steht die Todesstrafe, für Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit gibt es Peitschenhiebe.

Deshalb erhalten die drei bestplatzierten Fahrer im Rennen auch keinen Champagner für die Siegerehrung, ähnlich wie in anderen arabischen Austragungsorten. "Die Fahrer erhalten eine Alternative, damit sie auf dem Podium feiern können", sagt Al Mannai. "Wir haben eben unsere eigenen Werte und unsere eigene Kultur."

Und ab 2021 kommt die Formel 1. Dazu musste Katar den Losail International Circuit leicht umbauen, kann die Anlage nördlich von Doha aber für das Premierenrennen nutzen. Für den zehnjährigen Formel-1-Vertrag ab 2023 ist dann sogar der Neubau einer weiteren Strecke möglich.

"Volle Ränge" erwartet bei Formel-1-Premiere

In jedem Fall erwartet man in Katar "volle Ränge": "Als klar war, die Formel 1 kommt zu uns, hat die Nachfrage alle Rahmen gesprengt", sagt Al Mannai. Die Tribünenplätze in Losail aber sind begrenzt: Nur 8.000 Personen finden auf der Tribüne entlang der Zielgeraden Platz.

Dieses Kontingent werde man nach Möglichkeit ausschöpfen, meint Al Mannai: "Den aktuellen Richtlinien in Katar zufolge können wir die komplette Kapazität nutzen, sofern alle Personen geimpft sind oder Antikörper nachweisen können."

Mit Bildmaterial von LAT.

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