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Kein Chassis, Tankwart auf Tagesbasis: So kurios war die Brawn-Saison

Brawn GP sorgte 2009 für die wohl größte Sensation der jüngeren Formel-1-Geschichte - Ein früher Unfall hätte aber alles frühzeitig beenden können

Kein Chassis, Tankwart auf Tagesbasis: So kurios war die Brawn-Saison

Brawn GP ist der Inbegriff der wohl größten Sensation in der jüngeren Formel-1-Geschichte. 2009 wurde das Team dank der Erfindung des Doppeldiffusors sowohl Konstrukteurs-Weltmeister als auch Champion mit Jenson Button, obwohl der Rennstall nur noch das Überbleibsel des alten Honda-Werksteams war.

Direkt nach dem sensationellen Erfolg verkaufte Ross Brawn das Team an Mercedes und blieb bis Ende 2013 Teamchef der Silberpfeile. Ein echter Kulturschock: Aus dem kleinen Privatteam wurde ein reinrassiges Werksteam.

Drei aktuelle Mercedes-Mitarbeiter, die schon zu Brawn-Zeiten 2009 dabei waren, sind der heutige Chefstratege James Vowles, Sportdirektor Ron Meadows und Ingenieur Andrew Shovlin. Im Podcast 'Beyond The Grid' blicken beide auf die damalige Zeit zurück - und liefern einige kuriose Geschichten.

Nur zwei Chassis bis Monaco

So hätte ein früher Unfall in der Saison die Geschichte ganz anders schreiben können. "Ich glaube, wenn ein Red Bull früh in der Saison in uns gecrasht wäre, dann wären wir erledigt gewesen", sagt Vowles.

Hintergrund: Bis zum Rennen in Monaco gab es nur zwei Chassis: eines für Button, eines für Teamkollege Rubens Barrichello. "In allen Rennen bis Monaco hatten wir nur zwei. Es gab keinen Ersatz", erklärt Shovlin.

Ein Unfall am Wochenende hätte gravierende Folgen gehabt. "Dann wären wir nur mit einem Auto gefahren", stellt Shovlin klar.

Erst im Dezember 2008 hatte Brawn das Team von Honda gekauft und damit zahlreiche Arbeitsplätze gerettet. Nicht alle hatten allerdings Lust auf das Risiko. So auch der damalige Tankwart, der das Team verließ.

Tankwart kam auf Tagesbasis zurück

"Der Mann, der bei uns in den Vorjahren fürs Tanken zuständig war, hatte das Team im Rahmen der Entlassungen [nach dem Honda-Ausstieg] verlassen. Wir wollten ihn behalten, aber er hatte sich entschieden, als Klempner zu arbeiten", blickt Meadows zurück.

Schlussendlich wurde er als eine Art Freier Mitarbeiter eingestellt. "Melbourne haben wir [ohne ihn] überstanden, aber wir merkten, dass wir Änderungen vornehmen müssen. Also rief ich ihn an, und er kam an den Wochenenden", sagt Meadows.

Reichlich Reisestrapazen waren dabei inklusive. "Er reiste abends am Samstag für einen Tagessatz an, um sich [im Rennen am Sonntag] um das Benzin zu kümmern. Direkt nach dem Rennen flog er zurück, um weiter als Klempner zu arbeiten. Nach 14 Tagen kam er dann wieder"; erklärt Meadows.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Urheber Chris Lugert