Keto-Diät: Hat Daniel Ricciardo einen Ernährungs-Spleen?

Der Red-Bull-Pilot schwört seit eineinhalb Jahren auf eine ketogene Diät, isst keine Kohlenhydrate, aber viel Fett - "Verfolge das sehr leidenschaftlich"

Es ist noch gar nicht lange her, da schwärmte Daniel Ricciardo von Pizza und Pasta und einer großen Portion Eiscreme als Nachspeise. Auch zu den kulinarischen Spezialitäten des jeweiligen Grand-Prix-Gastgeberlandes hatte der Red-Bull-Pilot oft ein Wort übrig, freute sich im vergangenen Jahr etwa auf Wiener Schnitzel am Rande des Österreich-Rennens. Doch obwohl der Australier mit italienischen Wurzeln als Lebemann gilt, achtet er schon seit frühester Kindheit streng auf seine Ernährung, seinen Körper und seine Gesundheit.

Klar, alles andere wäre für einen Profi-Rennfahrer in der Königsklasse des Motorsports auch nicht vermittelbar. Doch im Podcast von 'Sky-Sports F1'-Reporterin Natalie Pinkham outet sich der 28-Jährige jetzt als wahrer Ernährungs-Experte, der seit eineinhalb Jahren einen ungewöhnlichen Weg einschlägt. Während sich Kollege Lewis Hamilton seit vergangenem Jahr als überzeugter Veganer versucht, bevorzugt Ricciardo eine ketogene Diät. Heißt: Er verzichtet nach dem No-Carb-Prinzip möglichst auf Kohlenhydrate, ernährt sich dafür aber sehr fettreich.

 

"Ja, seit 18 Monaten halte ich mich an einen ketogenen Ernährungsplan. Ich kann es nicht hundertprozentig genau erklären – Profis sollten jetzt weghören – aber im Prinzip geht es darum, Kohlenhydrate durch Fette zu ersetzen. Das hilft mir, meine Energie und meine Leistungsfähigkeit über den Tag konstant zu erhalten", erklärt der Australier. Und weiter: "Kohlenhydrate und Zucker haben einen extremen Einfluss auf deinen Insulinspiegel – und je nachdem hast du dann ein Hoch oder ein Tief. Diese fettreichen Diäten aber lassen dich den ganzen Tag über auf einem konstanten Level bleiben", so Ricciardo.

Kein Brot, keine Pasta, aber dafür viel Fett – im ersten Moment klingt das ungewöhnlich und für Laien nicht gerade nach einer Diät. "Jeder wächst doch auf und denkt: Fett ist schlecht für dich, lass die Finger von fettem Essen", weiß auch der Australier. Aber: "Ich mache meine Keto jetzt schon über ein Jahr und kann sagen, dass es für mich noch nie so leicht war, mein Gewicht zu halten. Ich fühle mich gut, nehme nicht zu, habe einen weniger hohen Blutzuckerspiegel und jede Menge Energie – einfach, indem ich mehr Fette esse."

Wie das konkret aussieht, auch dafür liefert der fünfmalige Grand-Prix-Sieger ein Beispiel: "Statt Eier und Toast nehme ich jetzt Eier mit Avocado oder Speck zum Frühstück. Ich ersetze das Brot und versuche dennoch, gute Kalorien zu mir zu nehmen und meinen Speicher aufzufüllen." Der Verzicht auf Teigwaren, Pasta und Pizza fällt dem Australier mit italienischen Wurzeln alles andere als schwer. "Ich bin damit aufgewachsen und aß das ständig, vielleicht habe ich deshalb jetzt einfach die Nase davon voll", sagt er lachend.

Überhaupt wird er nicht müde zu betonen, wie leicht es ihm dank seiner ketogenen Diät fällt, nicht zuzunehmen. Mit gut 1.80 Meter Körpergröße zählt der Sonnyboy zu den größeren Piloten in der Formel 1, wie sein Teamkollege Max Verstappen muss er deshalb auf jedes Gramm Gewicht achten. Erst recht, seit die Autos in diesem Jahr dank Halo nochmals sechs Kilogramm zusätzlichen Ballast oben drauf bekommen haben.

Doch dank Keto isst Ricciardo nun weniger häufig und nur noch zu strikt vorgegebener Stunde. Bei seinem Intervallfasten wechseln sich Essen und Fasten nach strengen Zeitphasen ab, der Formel-1-Star gibt seinem Körper dadurch genügend Zeit, die Nahrung optimal zu verwerten. "Früher bin ich manchmal aufgewacht und habe mir erst mal Frühstücksflocken reingehauen. Eine Stunde später hatte ich schon wieder Hunger und aß noch mal etwas, und dann hatte ich morgens um 9 Uhr schon zwei Mahlzeiten", schüttelt er den Kopf.

Nun halte er es auf jeden Fall bis 11 Uhr vormittags durch, ehe er seine erste Mahlzeit des Tages einnimmt. "Dann esse ich etwas mit ordentlich Fetten und schaffe es danach wieder ewig lange, ohne Hunger zu bekommen oder die Energie zu verlieren", sagt er. Auf den Einwand von Gesprächspartnerin Pinkham, sie sterbe morgens vor Hunger, meint der Australier: "Das sind Gewohnheiten. Dein Kopf ist drauf trainiert – okay, ich bin wach, jetzt gehe ich erst mal an den Kühlschrank. Aber warum eigentlich? Man kann doch anderes machen, fange zu arbeiten an, mache ein bisschen Training, lenke Dich ab."

Bei der Ernährung lässt der sonst so lockere Pilot aus Down Under also nicht mit sich reden, bestreitet auch nicht, einen kleinen Ernährungs-Spleen zu haben: "Es stimmt schon, ich verfolge das sehr leidenschaftlich und bin während einer Rennwoche auch richtig streng zu mir." Nur ganz selten überkomme es ihn noch, wie er zerknirscht zugeben muss: "Ja, auch ich habe Tage, an denen ich mir Crêpes oder so gönne. Beim letzten Rennen gab es in der Nähe eine Café-Kette, die himmlischen Käsekuchen hat. Teuflisch -lecker, aber ich fühlte mich wirklich schlecht hinterher."

Denn: "Von Zucker kommt nichts Gutes. Früher habe ich eine ganze Schüssel Eis essen können, jetzt schaffe ich noch die Hälfte, dann reicht es mir echt. Ich spüre, was es mit meinem Körper macht. Aber hin und wieder sind solche Schummelanfälle auch ganz gut, man erkennt hinterher, dass es falsch war und will es besser machen", so Ricciardo abschließend.

Von Daniel Halder

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Rennserien Formel 1
Fahrer Daniel Ricciardo
Artikelsorte News
Tags diät, ernährung, formel 1