Kimi Räikkönen: Ich wollte schon häufiger einfach aufhören ...

Warum gerade jetzt und wie geht es weiter? Kimi Räikkönen beantwortet die wichtigsten Fragen zu seinem Formel-1-Rücktritt, und natürlich auf seine Weise

Kimi Räikkönen: Ich wollte schon häufiger einfach aufhören ...

Kimi Räikkönen hört auf. Der Formel-1-Weltmeister von 2007 hat vor dem Niederlande-Grand-Prix in Zandvoort (alle Sessions hier im kostenlosen Formel-1-Liveticker verfolgen!) seinen Rücktritt zum Saisonende bekanntgegeben. Nun äußerte sich Räikkönen erstmals ausführlich zu dieser Entscheidung.

Erste Frage: Ob es ihm schwergefallen sei, das Kapitel Formel 1 zu beenden. Antwort Räikkönen: "Eigentlich nicht. Ich habe sie ja nicht gestern getroffen." Ihm sei schon vor der Saison 2021 klar gewesen, dass es sein letztes Jahr in der Formel 1 sein würde.

Und er betont: "Es geht mir gut mit der Entscheidung. Ich war lange hier dabei. Unterm Strich würde ich sagen, ich darf mich glücklich schätzen, dass die Formel 1 nie mein Leben war - weil sie viel Zeit deines Lebens frisst."

Für ihn sei die Formel 1 "nie die Hauptsache" gewesen, betont Räikkönen. "Ich habe mein Leben immer außerhalb davon gelebt und habe normale Sachen gemacht. So gesehen ist alles gut."

Wann Räikkönen erstmals vom "Ende" gesprochen hat

Eher untypisch ist allerdings, dass ein Fahrer schon ein Jahr im Voraus das Ende ankündigt, zumindest intern. Doch genau das hat Räikkönen getan, wie er erklärt: Er habe "vielleicht vor Weihnachten oder so" mit den Teambesitzern bei Alfa Romeo gesprochen.

"Man hatte mich [nach meinen Plänen] gefragt", meint Räikkönen. "Ich erinnere mich nicht genau, aber ich glaube, ich sagte, ich sei zu 95 Prozent sicher. Aber ja, man hat alles Mögliche im Kopf. Und nein, es gibt keinen bestimmten Grund."

Im Gegenteil: Wie Räikkönen weiter erklärt, habe er "eigentlich immer vorgehabt, vor meinem 30. Geburtstag zurückzutreten". Daraus ist bekanntlich nichts geworden: Mit 41 Jahren fährt Räikkönen immer noch in der Formel 1.

Räikkönen verrät: Wollte schon mehrfach zurücktreten!

Nun verrät er: Es habe "viele Jahre" gegeben, in denen er jeweils kurz vor dem Rücktritt gestanden habe. "Es hätte mitten im Jahr passieren können, an jedem Wochentag", sagt er. "Jetzt ist es passiert, und ziemlich lange nach dem ersten Mal, dass ich aufhören wollte."

Warum er trotz der ursprünglichen Pläne nicht schon 2010 oder vorher aufgehört hat? Räikkönen verweist auf seine Formel-1-Auszeit in der Rallye-WM (WRC) von 2009 bis 2011 und meint: "Ohne [diese Pause] wäre ich jetzt sicherlich nicht hier. Es war ziemlich schön, mal was anderes zu machen."

Was Räikkönen in seiner Zukunft vorhat

Apropos: Was denn die Zukunft für ihn bereithalte, wenn er in wenigen Monaten kein Formel-1-Fahrer mehr sei, wird Räikkönen gefragt. Der Finne sagt schlicht: Er habe "keine Pläne" für die Zeit danach. Er freue sich einfach darauf, mal "keine Termine" zu haben.

O-Ton: "In den vergangenen 18, 19 Jahren in der Formel 1 und in der Rallye-WM hatte ich immer Termine, Termine, Termine. Das will ich nicht [mehr]. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe, weshalb ich etwas anderes machen will. Dass das Leben nicht mehr nach der Startzeit eines Rennes tickt oder was auch immer in der Formel 1 anliegt."

Er wolle sein Leben künftig höchstens nach dem "Stundenplan der Kinder" oder vom Kindergarten ticken lassen. "Das Familienleben [eines Formel-1-Fahrers] wird einfach sehr diktiert durch das nächste Rennen, den nächsten Test oder den nächsten Flug", erklärt Räikkönen.

Comeback auf der Rennstrecke? Nicht ausgeschlossen!

Der Ex-Champion will seinen neuen Lebensabschnitt daher ganz entspannt auf sich zukommen lassen und habe "gar keine Eile" damit, neue Pläne zu schmieden. "Ich habe noch nicht mal über alles nachgedacht", sagt Räikkönen.

Im Zweifel werde er sich aber schon eine neue Beschäftigung finden: "Es wird immer Möglichkeiten geben, dies oder das zu tun. Im Moment habe ich aber kein Interesse daran, überhaupt nur darüber nachzudenken."

Ein Comeback auf der Rennstrecke schließt der 41-Jährige übrigens nicht ausdrücklich aus. Auf die entsprechende Frage verweist er auf seine vorherige Antwort und meint, er habe wirklich "keine Pläne". Und er betont nochmals: "Ich will die Zeit ohne Termine genießen. Der Familien-Terminplan kann mein Terminplan sein. Damit bin ich zufrieden. Und ich freue mich darauf."

"Vielleicht" stehe eines Tages mal wieder Racing in irgendeiner Form auf seinem Programm, sagt Räikkönen, "vielleicht nicht. Ich weiß es wirklich nicht."

Nur diese Aufgabe kann sich Räikkönen nicht vorstellen ...

Er schließe hier und jetzt nur eines aus: die Rolle eines TV-Experten bei der Formel 1. "Ich sehe mich selbst nicht [im Fernsehen]", sagt Räikkönen. "Das ist nicht der Grund, weshalb ich hier bin."

"Ich glaube nicht, dass ich vor meinem ersten Rennen jemals bei einem Grand Prix gewesen war. Ich hatte mir die Rennen nicht mal angeschaut. Wer weiß also schon, was in Zukunft passieren wird? Wie ich schon sagte: "Ich habe derzeit keine Pläne über das aktuelle Jahr hinaus, abgesehen vom Urlaub im Sommer!"

Weg sein von dem ganzen Rummel, das wollte Räikkönen schon immer. Deshalb betont er in der Pressekonferenz in Zandvoort auch: Die Medienarbeit in der Formel 1 habe ihn nicht gereizt, im Gegenteil. Am wohlsten habe er sich "ganz klar auf der Rennstrecke" gefühlt und "nicht vor den Pressevertretern", so Räikkönen. Und: "Ich habe immer gesagt, wie es ist."

Auf was Räikkönen besonders stolz ist

Deshalb nimmt Räikkönen auch bei der Frage nach dem, was er an der Formel 1 vermissen wird, kein Blatt vor den Mund: "Wird mir das Racing fehlen? Ich habe so lange Motorsport betrieben, dass ich Zweifel habe, dass mir es sehr fehlen wird."

In Erinnerung bleibe ihm in jedem Fall der Erfolg, den er in der Formel 1 gehabt habe. Mit über 340 Rennstarts ist Räikkönen der Rekordteilnehmer im Grand-Prix-Sport. Er kommt auf 21 Siege seit 2001 und auf einen WM-Titelgewinn. Letzterer ist ihm besonders wichtig.

Räikkönen: "Ich wollte einen Titel gewinnen, war ein paar Mal nahe dran und habe schließlich einen mit Ferrari gewonnen. Ich freue mich, dass das passiert ist, vor allem mit Ferrari. Ich hatte eine gute Karriere und bin zufrieden. Ich kann mich nicht beschweren."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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