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Klare Worte von Nico Hülkenberg: Sprintrennen sind "a Schmarrn"

Die neuen Formel-1-Experten von ServusTV, Nico Hülkenberg und Christian Klien, widersprechen Helmut Marko, wenn es um die Idee von Sprintrennen geht

Klare Worte von Nico Hülkenberg: Sprintrennen sind "a Schmarrn"

Nico Hülkenberg hatte am Montag im Rahmen einer Online-Pressekonferenz seinen ersten offiziellen Auftritt als neuer Formel-1-Experte von Red Bulls hauseigenem Sender ServusTV, der die Grands Prix ab 2021 alternierend mit dem ORF überträgt (nur in Österreich und nicht auf der deutschen Version von ServusTV). Und Hülkenberg erteilte dabei der Idee, die Formel 1 schon 2021 mit Sprintrennen am Samstag aufzupeppen, eine klare Absage.

"Is a Schmarrn! Des taugt ma ned", sagt er im österreichischen Dialekt, offensichtlich schon gewöhnt an seinen neuen Arbeitgeber. Was ihn konkret stört: "Hört sich sehr künstlich an, um irgendwie Spannung reinzubringen. Die Teams und Hersteller betreiben richtig große Investments, Millionen und Abermillionen, tausende Leute. Und dann wird da so ein Spielball entgegengeworfen."

Seiner Meinung nach ist es der Formel 1 "nicht angemessen", den Faktor Zufall in einem so hochprofessionellen Sport künstlich zu forcieren, indem ein Sprintrennen veranstaltet wird, "wo oft auch unberechenbare Sachen passieren können".

Außerdem besteht laut Hülkenberg die Gefahr, dass ein zusätzliches Rennen am Samstag die Bedeutung des Grand Prix am Sonntag verwässern könnte. Aber "der Haupt-Grand-Prix, so wie wir ihn kennen - 300 Kilometer, ein Hauptevent, eine Krone, ein Sieger" -, das müsse einfach "wertiger" bleiben als ein künstlich inszeniertes Sprintrennen am Samstag.

So könnten die Sprintrennen in der Formel 1 2021 aussehen

Die Idee der Formel-1-Verantwortlichen war ursprünglich, ein Qualifying-Rennen am Samstag zu veranstalten, in umgekehrter Reihenfolge des WM-Stands - sprich: Der WM-Führende steht auf dem letzten Startplatz. Das Ergebnis dieses Rennens hätte dann die Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag ergeben.

Doch dagegen gab es Widerstand, unter anderem von Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der findet, dass die DNA der Formel 1 nicht mit derart künstlichen Maßnahmen verwässert werden darf. Aktuell wird daher ein Kompromiss diskutiert: Ein Training ergibt die Startaufstellung für das Sprintrennen, und dessen Resultat soll die Startaufstellung für Sonntag sein.

Entschieden ist das noch nicht, aber konkret angedacht für die Grands Prix von Kanada (12./13. Juni), Italien (11./12. September) und Brasilien (6./7. November). "Da gehören natürlich noch viele Details geklärt", verrät Helmut Marko bei 'ServusTV'. "Aber man soll's einmal versuchen. Dann kann man immer noch entscheiden, wie es 2022 weitergeht."

Der Red-Bull-Motorsportkonsulent findet: "Wenn man das realistisch betrachtet, war das Gros der Rennen in den letzten Jahren stinklangweilig. Also muss man etwas machen. Darum stehen wir dieser Idee positiv gegenüber." Dazu kommt seiner Einschätzung nach, dass die drei für den Testballon vorgesehenen Rennstrecken "relativ gut für Überholmöglichkeiten" sind.

"Das DRS", ergänzt Marko, "hat nicht den gewünschten Effekt gebracht und ist ein wesentlich künstlicheres Mittel [als Sprintrennen], wie ich finde. Vor allem: Wenn mehrere Autos hintereinander sind, dann hast du einen DRS-Zug, und dann geht überhaupt nichts mehr. Aus diesem Grund sehen wir das positiv."

Seine Behauptung, die Formel-1-Rennen seien "stinklangweilig" und man habe daher akuten Handlungsbedarf, relativiert Hülkenberg: "Das ist doch schon zehn, 15 Jahre so. Trotzdem gucken die Leute immer noch Formel 1 und sind fasziniert davon. Es ist auch nicht jedes Fußballspiel spannend und faszinierend zuzuschauen."

Hülkenberg: "Jedes dritte, vierte Rennen ein Kracher"

"Letztes Jahr war jedes dritte, vierte Rennen gefühlt ein Kracher. Dazwischen waren dann auch mal ein paar, die waren nicht so spannend. Aber so ist das im Sport und im Leben", erklärt der ServusTV-Experte.

Aus seiner Sicht ist das Problem ein anderes: "Die Aerodynamik macht die Autos so faszinierend und so schnell, was wir wollen und was toll ist. Gleichzeitig macht es das Rad-an-Rad-Fahren sehr schwierig, sodass die Rennen dann teilweise sehr statisch aussehen. Deswegen die neuen Regularien ab nächstes Jahr, die dann hoffentlich auch wirklich mal fruchten."

Zumal Hülkenbergs Kollege als ServusTV-Experte, der ehemalige österreichische Formel-1-Pilot Christian Klien, ein weiteres Argument in den Ring wirft: Spannender werden die Rennen nur, "wenn die Autos näher beisammen sind. Dann ist auch das Rennen am Sonntag spannender. Und da bringt eigentlich auch ein Sprintrennen nichts."

"Wenn Hamilton und Verstappen im Sprint Erster und Zweiter werden, werden sie wahrscheinlich am Sonntag auch Erster und Zweiter. Von dem her verstehe ich den Sinn dahinter nicht ganz. Klar, man versucht das Ganze künstlich spannender zu machen. Nur glaube ich: Das Grundrezept muss sein, dass die Autos näher zusammenkommen. Dann kommt der Rest von selbst."

Daher findet Klien den Ansatz, am Samstag Sprintrennen anstatt des bisherigen Qualifyings auszutragen, "nicht gut. Mir gefällt das Format so, wie es ist. Vor allem das Qualifying finde ich eigentlich total spannend, dieses Knock-out-System." Es sei, urteilt er über das Qualifying-Format, "fehl am Platz, das Rad neu zu erfinden".

Mit Bildmaterial von ServusTV.

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