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Klimadebatte in der Formel 1: Hamilton wehrt sich gegen Heuchelei-Vorwurf

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Klimadebatte in der Formel 1: Hamilton wehrt sich gegen Heuchelei-Vorwurf
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24.10.2019, 19:15

Privatjet verkauft, auf vegane Ernährung umgestellt, Haushalt ohne Plastik & fast ausschließlich nachhaltige Mode: Lewis Hamilton versucht sich als Klimaaktivist

Die Umweltdebatte hat endgültig auch in der Formel 1 Einzug gehalten. Nachdem Fernando Alonso seinem Ex-Teamkollegen Lewis Hamilton Scheinheiligkeit vorgeworfen hat, kontert der Brite am Donnerstag in Mexiko. Der WM-Führende erklärt, warum er sich so sehr für Tier- und Umweltschutz einsetzt und welche Maßnahmen er persönlich bereits umgesetzt hat, um seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern.

"Werdet vegan. Es ist die einzige Chance, unseren Planeten zu retten", sendete Hamilton in der Vorwoche eine eindeutige Botschaft auf Instagram. In mehreren Wortmeldungen äußerte er sich wiederholt kritisch und besorgt, ob der immer größer werdenden Klimaverschmutzung und Erderwärmung.

Das Thema der Stunde, die Umwelt, sei ihm in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, erklärt Hamilton am Donnerstag vor dem Grand Prix von Mexiko. Immer wieder machte er in der Vergangenheit bereits auf Ausbeutung und Klimaschänder aufmerksam. In einem schwachen Moment wollte er dann sogar alles hinschmeißen.

Hamilton: "Ich bin auch nur ein Mensch"

"Ehrlich gesagt, will ich am liebsten alles aufgeben. Warum auch sich um etwas kümmern, wenn die Welt in einem Chaos versinkt und die Leute sich überhaupt nicht dafür interessieren", fragte er sich. Darauf angesprochen, entgegnet er: "Ich bin auch nur ein Mensch und durchlebe wie jeder andere auch Höhen und Tiefen. Das wollte ich damit mitteilen."

Auf sozialen Netzwerken sei seiner Gefolgschaft offenbar nicht bewusst, dass auch er nur ein Individuum mit Gefühlen sei. "Das war eben nicht gerade der beste Moment, aber ich habe großartige Leute um mich herum, viel Unterstützung von Fans und meiner Familie. Es passiert sehr viel in meinem Leben im Moment."

Er wolle dennoch weiterhin offen mit seinen Gefühlen umgehen und diese nicht zurückhalten. "Ganz egal, ob den Leuten das gefällt oder nicht. Ich habe viele Pläne für die Zukunft, um positiven Wandel herbeizuführen." Die Kritik von Fernando Alonso war ein weiterer Schlag. Der Spanier warf ihm Heuchelei vor.

 

"Viele Leute haben Meinungen dazu, wie ich Social Media verwende, aber im Grunde ist das meine eigene Plattform. Wir alle haben eine Stimme. Es geht darum, wie wir die einsetzen", kontert Hamilton. Es sei für ihn persönlich nicht einfach, Themen wie Umweltschutz anzusprechen, denn er ist sich sehr wohl bewusst, dass er durch die Reisen und seinen Sport einen größeren Fußabdruck habe als ein normaler Bürger.

"Dennoch bedeutet das nicht, dass man davor Angst haben sollte, seine Meinung über eine positive Veränderung zu äußern. Ich denke viel darüber nach, wie ich meinen Einfluss auf die Welt verbessern kann." Der Mercedes-Pilot weiß, dass die Klimakrise ein globales Problem ist, dessen Lösung global passieren muss.

"Wir werden uns dessen alle immer mehr bewusst und es braucht eine Weile. Das ist nichts, was man schnell lösen kann. Es braucht Zeit, die Auswirkungen zu verstehen", kommentiert der fünffache Weltmeister. Dabei gehe es hauptsächlich um Wissen und Bildung.

Vettel: "Formel 1 sollte mehr machen"

Das sei auch der Grund, warum er immer wieder auf Tier- und Umweltverbrechen aufmerksam mache. "Ich versuche, manche Themen in den Vordergrund zu stellen. Ob die Leute sich das dann auch anschauen, ist ihre Sache. Ich habe das Gefühl, dass ich nichts Positives beitrage, wenn ich es nicht erwähne."

Ignoranz könne schließlich keine Krise lösen, ist Hamilton überzeugt. Dieser Auffassung ist auch Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Der Deutsche pflichtet Hamiltons Ansichten bei. Er ist ebenso bekannt dafür, sich für Umweltschutz zu interessieren. Erst kürzlich machte er Journalisten im Fahrerlager darauf aufmerksam, Plastikflaschen umweltgerecht zu entsorgen.

"Ich folge Lewis nicht. Ich bin nicht aktiv auf Social Media", schmunzelt er, fügt dann mit ernster Miene hinzu: "Aber die Sache ist klar: Man wäre ignorant, wenn man sich das Thema nicht anschauen würde. Wie Lewis gesagt hat, ist es für uns sehr schwierig, von außen akzeptiert zu werden, denn wir haben nicht den kleinsten Fußabdruck."

 

Foto: Zak Mauger / Motorsport Images

Die rund 200 Flüge pro Jahr - wie Alonso ausgerechnet hat - gehören nun einmal zum Job dazu, meint Vettel. "Generell habe ich das Gefühl, dass die Formel 1 mehr machen sollte. Das ist eine weltweit operierende Plattform und als solche sollten wir eine viel stärkere Botschaft aussenden."

Auch der Heppenheimer ist davon überzeugt, dass außerdem jeder einzelne seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten könne. "Wenn die gesamte Weltbevölkerung so agieren würde, würde das einen großen Unterschied ausmachen. Es ist unaufhaltsam, dass sich einiges ändern wird. Hoffentlich früher als später."

Mexikaner Sergio Perez kann seinen Kollegen nur beipflichten und sieht es als Pflicht an, als bekannte Persönlichkeit dieses wichtige Thema zu adressieren. "Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Stimme erheben, denn viele Menschen hören uns - besonders Lewis. Das ist sehr wichtig."

Hamilton: Bis Jahresende CO2-neutral werden

"Nur weil wir in der Formel 1 arbeiten, heißt das nicht, dass wir uns nicht auch Gedanken machen sollten über die Umwelt", fügt Red-Bull-Pilot Alexander Albon hinzu, der Hamilton in seinen Ansichten ebenfalls zustimmt. Der Brite will sich im Gegensatz dazu gar nicht erst mit all den Kommentaren beschäftigen, die ihn tagtäglich erreichen.

"Aber natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass Leute sich ihre Meinung bilden und manche dafür und manche dagegen sind. So läuft das eben. Ich versuche, das nicht zu sehr an mich heranzulassen." Er versuche nur, seinen Werten treu zu bleiben und seine Mitmenschen zu ermutigen, ebenso mitanzupacken.

Selbst will Hamilton als positives Beispiel vorangehen. Auslöser für seine jüngsten Beiträge auf Instagram war eine Dokumentation, verrät er. "Es ist so traurig zu sehen, dass es Dinge gibt, die uns nicht bewusst sind. Das hat mich dazu inspiriert, mehr zu tun. Ich habe das deshalb thematisiert, um jene zu erreichen, die vielleicht nicht wissen, was gerade passiert."

 

Foto: Simon Galloway / Motorsport Images

In seinem eigenen Verhalten habe er über die Jahre bereits einige Veränderungen durchgemacht. Bis Jahresende möchte der baldige sechsfache Weltmeister CO2-neutral leben. Außerdem habe er seinen Haushalt und Büro als plastikfreie Zone erklärt.

"Alles muss recyclebar sein. Das geht bis zum Deodorant und der Zahnbürste. Ich versuche, so viel wie möglich in meinem persönlichen Lebensraum zu verändern", betont er und kontert so indirekt erneut den Vorwürfen von Alonso. Zwar müsse er natürlich weiterhin viel fliegen, dennoch habe er schon vor einem Jahr seinen Jet verkauft.

Er reise nun nur noch zu Geschäftsterminen im Flugzeug. "Das war eine große Veränderung in meinem Verhalten. Ich habe auch viele Trips vermieden. Ich war zum Beispiel einfach in Großbritannien bei meiner Familie, statt irgendwohin auf Urlaub zu fliegen." Noch vor wenigen Jahren zögerte der 34-Jährige nicht, von seinen neuesten Urlaubstrips auf Social Media zu berichten.

Hamilton ermutigt Mercedes-Team zu Klimaschutz

Ein weiterer Punkt ist die Ernährung. Seit 2017 lebt der Spitzensportler vegan. "Das war eine sehr drastische Änderung. und ich habe mein kleines Elektroauto zu Hause." In die Kritik kam erst jüngst einer seiner Beiträge, in denen er seinen Luxusfuhrpark filmte. In den Videos war ein Sportwagen nach dem anderen zu sehen.

Ein Widerspruch? "Ich habe manche meiner Autos verkauft. Aber nicht alle, da ich manche nicht verkaufen möchte, da ich sie immer noch sehr mag und wirklich hart dafür gearbeitet habe. Aber ich fahre nicht viel damit, um ehrlich zu sein", erklärt Hamilton, der unter anderem einen Pagani Zonda besitzt.

In den USA habe er bereits auf drei Elektro-Mercedes umgestellt, in London werde er bald seinen Maybach austauschen, kündigt er an. "Ich liebe den Maybach, aber es passt nicht zu dem, wofür ich kämpfe. Ich versuche also, weiterhin Änderungen vorzunehmen."

Sebastian Vettel, Sergio Perez, Lewis Hamilton, Alexander Albon

Vettel und Perez stimmen Hamilton beim Thema Klimaschutz zu

Foto: LAT

Diese Veränderungen haben sich allesamt "positiv" angefühlt, schildert der Brite. "Und ich ermutige andere Leute dazu, ebenso Änderungen vorzunehmen. Meine Freunde haben das bei mir gesehen und leben nun auch bewusster."

Ebenso wichtig ist Hamilton, dass sein Team in der Formel 1 CO2-neutral wird. Mercedes arbeite auf dieses Ziel hin. "In der Kantine versuchen wir, Plastik zu vermeiden. Das Wasser haben wir in biologisch abbaubaren Flaschen abgefüllt." Außerdem prangert er die Lederausstattungen in den Straßenautos an. Hamilton will Kunstleder durchsetzen.

Nicht nur der Verkehr, der Plastikverbrauch oder die Ernährung können umweltschädliche Konsequenzen haben, auch die Kleidungsindustrie ist einer der größten Umweltsünder. Das weiß auch Fashion-Designer Tommy Hilfiger, mit dem Hamilton kooperiert. 70 Prozent der Kollektionen seien bereits nachhaltig, freut sich der Brite.

Wechsel in die Formel E kein Thema

"Entweder recycelte Materialien oder Kunstleder" kamen zum Einsatz. "Das Ziel ist, bald hundert Prozent zu erreichen. Hoffentlich schaffen wir das in den nächsten ein, zwei Jahren. Das hat auch Tommy ermutigt, der in einer ziemlich schädlichen Industrie arbeitet, in diese Richtung weiterzumachen."

Nach dieser Aufzählung hält Hamilton kurz inne und ergänzt: "Ich weiß nicht, was ich sonst noch tun könnte im Moment." Mit dem Rennsport will er dennoch nicht so schnell aufhören, allerdings auch nicht in die Formel E wechseln ("kein Interesse").

"Ich liebe Racing weiterhin und will damit weitermachen. Wenn man sich unseren Sport ansieht, wir verwenden nun ein Drittel weniger Sprit." Dennoch könne auch die Formel 1 noch mehr machen, pflichtet Hamilton Vettels Aussage bei.

 

Als politischen Menschen würde er sich trotz all seiner Bemühungen und seines Engagements nicht bezeichnen. "Ich denke nicht, dass ich ein besonders politischer Mensch bin. Ich verfolge die Nachrichten, soweit ich kann. Und das ist sehr interessant, wenn man sieht, was auf der Welt passiert."

Derzeit leben wir in einer "beängstigenden Zeit", findet Hamilton. Gemeinsame Lösungen in der Klimafrage werde es so schnell keine geben, glaubt er. "Sie scheinen auf keinen gemeinsamen Nenner zu kommen, das ist schon ein wenig besorgniserregend."

Daher versuche er im Kleinen, etwas zu bewirken. "Als einzelner kann man nicht viel machen, außer versuchen, besser zu leben in unserer eigenen Blase. Und wenn man eine Plattform hat, dann zu versuchen, Positives zu projizieren. Ich unterstütze aber keine einzige Partei."

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Mit Bildmaterial von LAT.

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