Felipe Massa

Kolumne von Felipe Massa: In Russland vor Red Bull bleiben

Williams-Fahrer Felipe Massa schreibt in seiner ersten Kolumne für Motorsport.com über das dritte Rennen der Formel-1-Saison 2016 in China und blickt voraus auf ein enges Duell mit Red Bull Racing.

Liebe Leser von Motorsport.com,

wisst Ihr, was den Großen Preis von China für mich zu etwas ganz Besonderem macht? Die Tradition, die mich erwartet, wenn ich nach Schanghai reise. Denn noch bevor ich auch nur an die Strecke gehe, warten etliche Fans auf mich und wollen mich treffen.

Ich kenne manche von ihnen schon gut. Sie passen mich jedes Jahr vor dem Hotel ab. Manchmal warten sie dort einen ganzen Tag lang auf mich.

Bildergalerie: Felipe Massa in Schanghai

In vielen anderen Ländern mündet dieses Ritual in einen Handschlag, ein Autogramm oder ein Selfie. In China ist das anders. Es gibt Geschenke. Und diese Fans wissen wirklich über mich Bescheid. Sie kennen mein Leben, manchmal besser als ich selbst!

Ihnen sind zum Beispiel die Namen meiner Familie und meiner Freunde geläufig. Und sie haben nicht nur Geschenke für mich dabei, sondern auch für meinen Sohn oder für meine Nichte.

Es ist wirklich beeindruckend, wie herzlich diese Fans zu mir sind. Ich befinde mich tausende Kilometer weg von zuhause, erhalte in China aber immer ein so warmes Willkommen. Das ist einfach herausragend!

Das Abendessen der Fahrer

In Schanghai hatten wir übrigens auch noch ein sehr schönes Abendessen mit allen Fahrern. Es mag sich seltsam anhören, aber: Wir sind seit Jahren gemeinsam im Fahrerlager unterwegs, aber eigentlich kennen wir uns gegenseitig nicht besonders gut.

 

Nico Rosberg, Fernando Alonso, Daniel Ricciardo, Nico Hulkenberg, Valtteri Bottas, Max Verstappen, Daniil Kvyat, Esteban Gutierrez, Esteban Ocon, Marcus Ericsson, Felipe Nasr, Pascal Wehrlein, Felipe Massa, Sebastian Vettel, Jenson Button, Carlos Sainz Jr., Lewis Hamilton, Sergio Perez
Fahrerfoto beim gemeinsamen Abendessen

Im Auto denkt eh jeder nur an sich selbst. Und ich bin der Erste, der jemanden überholen und nach vorn gelangen will. Aber wenn wir den Helm abnehmen, sind wir einfach nur ein paar Kerle, die sich eine Welt teilen, mit den gleichen Problemen und den gleichen Zielen.

Deshalb war das Abendessen in Schanghai eine schöne Gelegenheit für uns, dass wir uns mal abseits der Rennstrecke treffen. Da wurde dann auch über Themen geredet, die rein gar nichts mit Rennsport zu tun haben!

Es war eine entspannte und fröhliche Atmosphäre. Ich denke, viele von uns sind anschließend mit einem sehr guten Gefühl schlafen gegangen.

Und ich bin überzeugt davon: Solche Treffen sind wichtig. Ich hoffe wirklich, wir können das in Zukunft öfter mal machen!

Mein Duell mit Lewis Hamilton

Mein Rennen in China war sehr positiv. Denn in den Schlussrunden musste ich mich sehr gegen die Attacken von Lewis Hamilton zur Wehr setzen. Das war nicht einfach!

Wir hatten die gleichen Reifen (er hatte eine Runde eher gewechselt), also kämpften wir in dieser Hinsicht auf Augenhöhe. Ja, sein Auto hatte Beschädigungen davongetragen, aber Hamilton fuhr dennoch einen Mercedes – das darf man nicht vergessen.

 

Unterm Strich ist es mir gelungen, die Situation zu kontrollieren. Hauptsächlich, weil ich meine Reifen schonte. Ich hatte nach dem Qualifying meine Linie angepasst, weil vor allem meine Vorderreifen schnell in die Knie gegangen waren.

Außerdem gab ich nur Vollgas, wenn das Auto ausgangs der Kurven wieder komplett geradeaus ausgerichtet war. Auch das hat prima geklappt. Das dürfte über die komplette Distanz den Unterschied ausgemacht haben zwischen mir und Valtteri Bottas. Seine Longruns waren nicht ganz so gut wie meine.

Darüber hinaus hat sich in China bestätigt, was ich dem Team bereits nach den Wintertests geschildert hatte. Es ist immer schön, wenn sich ein solches Ergebnis einstellt, nachdem man intensiv mit den Ingenieuren gearbeitet hat. So was schweißt zusammen!

Das drittschnellste Team

Dank meinem sechsten Platz in Schanghai belege ich derzeit in der Fahrerwertung die gleiche Position. Ich denke, das ist ganz positiv nach den ersten drei Rennen.

Ich wurde schon oft gefragt, ob ich vor Saisonstart nicht mehr von diesem Jahr erwartet hätte. Nun, natürlich geht man mit hohen Erwartungen in eine neue Saison. Jeder Fahrer. Man hofft, dass mehr drin ist als das, was realistisch möglich ist.

Aber ich glaube, Williams hat im Vergleich zum Saisonende 2015 große Fortschritte gemacht. Der Haken ist nur: Auch unsere Gegner haben weiterentwickelt.

 

Felipe Massa, Williams FW38
Felipe Massa, Williams FW38

Foto: XPB Images

Am Jahresende 2015 haben wir mit Red Bull um den dritten Platz in der Gesamtwertung gekämpft. Ich denke, dieses Duell steht uns auch in diesem Jahr wieder ins Haus.

In Bahrain und in China haben wir gesehen, wie sehr sich Red Bull beim Topspeed verbessert hat. Ich kann nur vermuten, dass sie einige Fortschritte beim Antriebsstrang gemacht haben.

Ob das so ist, erfahren wir wohl schon in Sotschi. Dort gibt es nämlich einige lange Geraden. Unabhängig davon glaube ich: Wir haben eine Chance. Und mein Ziel lautet, vor ihnen zu sein!

Euer
Felipe Massa

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung GP China
Rennstrecke Shanghai International Circuit
Fahrer Felipe Massa
Teams Williams
Artikelsorte Kommentar
Tags formel 1, kolumne, schanghai
Topic Felipe Massa