Lando Norris: "Hätte locker um Poleposition fahren können"

Lando Norris kehrte noch am Samstagabend an die Strecke in Spa zurück und sprach erstmals über seinen schweren Unfall in der legendären Senke Eau Rouge

Lando Norris: "Hätte locker um Poleposition fahren können"

"Mir ging's schon mal besser", sagt Lando Norris am Samstagabend nach seinem schweren Crash in der legendären Eau-Rouge-Kurve. "Aber ich bin okay. Ein bisschen durchgeschüttelt, das ist klar. Es war ein harter Einschlag. Mein Körper wurde da ein bisschen rumgeschmissen. Aber es geht mir gut. Ich bin bereit, das Rennen zu fahren - und ich will schon wieder auf die Strecke! Denn das Qualifying hat nicht so aufgehört, wie ich mir das vorgestellt hatte."

Der McLaren-Pilot war auf seiner ersten schnellen Q3-Runde beim Grand Prix von Belgien (Formel 1 2021 ab 14:45 Uhr live im Ticker!) abgeflogen - ausgerechnet in der gefürchteten Senke Eau Rouge. Danach wurde er zunächst ins Medical-Center an der Strecke und dann auch ins Krankenhaus gebracht. Aber die Befürchtung, dass er nicht rennfit sein könnte, weil er sich beim Aussteigen aus dem Wrack an den Ellbogen gegriffen hat, die hat sich nicht bewahrheitet.

Wenn er heute in der Startaufstellung steht, dann wahrscheinlich als 14. Das Unfallchassis konnte laut Informationen von 'Motorsport.com' repariert werden, sodass Norris nicht aus der Boxengasse starten muss. Wegen eines Getriebewechsels rutscht er allerdings vom neunten auf den 14. Platz ab. Und selbst wenn der Mercedes-Motor noch gewechselt werden muss, droht keine weitere Gridstrafe. Dann wird einfach der Ungarn-Motor eingebaut.

An einem Tag, an dem sein Landsmann und Kumpel George Russell als Zweiter als große Sensation gefeiert wurde, hätte auch Norris zum Helden avancieren können. Sowohl in Q1 (0,416 Sekunden Vorsprung auf Verstappen) als auch in Q2 (0,204 vor Hamilton) hatte der 21-Jährige Bestzeit aufgestellt. "Es lief extrem gut", erinnert er sich. "Von der ersten Q1-Runde an lief es einfach perfekt, und ich fühlte mich wirklich toll im Auto."

 

Vor Q3 nahm dann der Regen zu. Kurz vor Norris' Abflug forderte Sebastian Vettel am Boxenfunk einen Abbruch der Session. "War eine schwierige Situation", räumt der McLaren-Pilot ein. "Wie viel kannst du jetzt pushen?" Letztendlich sei die Unfallursache eine Kombination mehrerer Faktoren gewesen: "Ich habe mehr gepusht, als es die Wetterverhältnisse zugelassen haben. Das führte zu Aquaplaning in Eau Rouge, und das geht selten gut aus."

"Natürlich fühle ich mich jetzt schlecht, denn es lief bis dahin wirklich sehr gut. Das Auto war unglaublich, und Q1 und Q2 waren einfach extrem gut. Ich denke, dass ich locker um die Poleposition hätte fahren können! Stattdessen habe ich dem Team einen ganzen Haufen Arbeit beschert. Und wahrscheinlich eine lange Nacht. Aber jetzt kann ich's leider auch nicht mehr ändern", seufzt er.

Was er auch nicht ändern kann: den neuen Asphaltstreifen ganz unten in der Eau Rouge, über den sich Landsmann Lewis Hamilton bereits am Freitag beschwert hat. "Das macht es schwieriger", sagt auch Norris. "Besonders wenn es nass ist. Es war eine der ersten Runden, in denen die Kurve nicht voll ging. Und ich habe das auch gar nicht probiert. Ich habe ja gelupft."

Aber: "Im Regen bilden sich da, wo die anderen fahren, schnell etwas trockenere Linien. Und wenn du dann, so wie ich, mit voller Geschwindigkeit ein bisschen neben diesen Linien fährst, dann triffst du auf eine Menge stehendes Wasser. Dazu noch die Bodenwellen durch Eau Rouge. Das war einfach zu viel für das, was ich vorhatte! Unterm Strich war es mein Fehler."

"Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich zu viel riskiert habe", verteidigt sich Norris. "Es waren einfach sehr schwierige Bedingungen. Und ich habe inzwischen auch gehört, dass sich andere Fahrer beschwert haben, dass die Session abgebrochen werden sollte. So gesehen: Ja, ich bin frustriert, mich nervt's - aber im Rennen werden wir versuchen, das wiedergutzumachen."

Übrigens: Im Krankenwagen bat Norris die Sanitäter drum, das Qualifying zu verfolgen. "Ich wollte es sehen", grinst er. "Ich freue mich sehr für George. Ich habe es im Krankenwagen gesehen. Ich habe ihm die Daumen gedrückt, dass er auf Pole fahren kann." Dass am Sonntag er statt Russell zum Helden werden könnte, diese Hoffnung hat Norris noch nicht ganz aufgegeben: "In Spa", sagt er, "kann alles passieren."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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