Lando Norris: McLaren in Budapest so überlegen wie das ganze Jahr 2025 nicht
Lando Norris glaubt nach dem Budapest-Sieg an McLarens große Stärke: Ein neues Upgrade brachte dort mehr Tempo als irgendwann 2025
Lando Norris gewann den Großen Preis von Ungarn 2026 dominant
Foto: circuitpics.de circuitpics.de
Lando Norris kommt mit ordentlich Rückenwind zum Formel-1-Rennen in Zandvoort. Der McLaren-Pilot gewann zuletzt in Budapest mit einem Auto, was mit dem neuen Unterboden plötzlich eine Performance zeigte, die selbst den eigenen Erwartungen voraus war. Vor dem Heimrennen von Max Verstappen stellt Norris allerdings klar: Noch weiß McLaren nicht genau, wie viel der neue Schritt tatsächlich wert ist.
"Mit den neuen Teilen, die wir in Budapest hatten, mit dem neuen Unterboden, müssen wir erst verstehen, ob er überall Performance gebracht hat - auf jeder Strecke, jedem Belag und in allen Kurventypen", erklärt Norris. Das Team sei deshalb weiterhin geduldig bei der Analyse des Upgrades. Einen Fortschritt habe es aber zweifellos gegeben: "Es war klar, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben. Das ist ein gutes Zeichen."
Besonders bemerkenswert war dabei nicht nur der Sieg, sondern das Tempo, das McLaren am Sonntag in Ungarn auf die Strecke brachte. Norris spricht von einer Performance, die es in dieser Form beim Team im gesamten vergangenen WM-Jahr nicht gegeben habe.
"Die Performance, die wir vor allem am Sonntag hatten, war wahrscheinlich fast besser als zu jedem Zeitpunkt im vergangenen Jahr", sagt der Brite. Für McLaren ist das ein wichtiges Signal - schließlich dominierte das Team 2025 über weite Strecken die Formel 1.
Norris: Größerer Pace-Vorteil als 2025
Genau dieser Vergleich macht Norris' Aussagen so interessant. McLaren konnte in der vergangenen Saison bereits Rennen mit deutlicher Überlegenheit gewinnen. Dass Norris nun trotzdem von einer noch stärkeren Performance spricht, zeigt, welchen Eindruck der neue Unterboden beim Team hinterlassen hat.
"Der Pace-Vorsprung, den wir am Sonntag beim letzten Rennen hatten, war größer als der Pace-Vorsprung, den ich irgendwann im vergangenen Jahr hatte", betont Norris. Gleichzeitig tritt er auf die Euphoriebremse. Denn Budapest ist mit seinen langsamen und mittelschnellen Kurven eine spezielle Strecke.
In Zandvoort warten andere Bedingungen. Der Wind kann eine größere Rolle spielen, die Temperaturen sind voraussichtlich niedriger und auch die Charakteristik der Kurven unterscheidet sich. Norris sieht zwar gewisse Parallelen zu Budapest, will aber erst abwarten, bevor er aus dem Ergebnis in Ungarn eine allgemeingültige Prognose ableitet.
"Wir müssen einfach abwarten und sehen", sagt der McLaren-Pilot. Er hoffe jedoch, dass sich der in Budapest gezeigte Schritt auch auf andere Strecken übertragen lässt.
Zandvoort soll zeigen, wie viel das Upgrade wirklich wert ist
Gerade deshalb besitzt das Rennen in den Niederlanden für McLaren eine besondere Bedeutung. Budapest war der erste große Beweis, dass die jüngsten Entwicklungsarbeiten Wirkung zeigen. Zandvoort soll nun zeigen, ob die zusätzliche Performance tatsächlich breiter nutzbar ist.
Norris glaubt, dass das Team mittlerweile ziemlich genau weiß, wo die Stärken und Schwächen des MCL40 liegen. Das Problem sei vielmehr, die Balance über unterschiedliche Streckentypen und Bedingungen hinweg konstant zu reproduzieren.
"Es war klar, was die Schwächen des Autos sind und was mit dem Auto besser geworden ist", erklärt Norris. Gleichzeitig sei McLaren noch immer etwas inkonstanter als zu bestimmten Phasen der vergangenen Saison.
Der Brite sieht darin allerdings keinen Grund zur Panik. Im Gegenteil: Die Entwicklungskurve stimmt ihn positiv. "Wir versuchen immer noch, alles mit dem Auto perfekt zu verstehen", sagt Norris. Zandvoort sei für ihn dennoch eine Strecke, auf der er sich wohlfühle. Zudem habe McLaren dort in der Vergangenheit bereits gut ausgesehen.
WM-Titel? Norris denkt kaum darüber nach
Trotz seines Sieges in Budapest und der Tatsache, dass Norris weniger als 100 Punkte hinter dem WM-Führenden liegt, beschäftigt sich der McLaren-Pilot nach eigener Aussage kaum mit der Weltmeisterschaft.
Auf die Frage, ob er noch an die Titelverteidigung glaube, reagiert Norris zunächst überrascht: "Weniger als 100?" Danach stellt er klar, dass er die WM-Tabelle in dieser Saison bewusst weitgehend ausblendet.
"Ehrlich gesagt denke ich nur darüber nach, wenn ihr darüber redet und mir Fragen dazu stellt", sagt Norris. "Ich habe kein einziges Mal in dieser Saison darüber nachgedacht." Gerade nach den ersten Rennen habe er keinen Sinn darin gesehen, sich mit der Meisterschaft zu beschäftigen.
Auch in Budapest habe er nicht an die WM gedacht - und das habe funktioniert. Deshalb will Norris an diesem Ansatz festhalten: Rennen für Rennen, ohne sich vom Blick auf die Gesamtwertung ablenken zu lassen.
Norris setzt auf McLarens Entwicklungskraft
Der entscheidende Trumpf ist für Norris ohnehin nicht die aktuelle WM-Tabelle, sondern die langfristige Entwicklung des Teams. Auf die Frage, was ihm das Vertrauen gebe, gegen Ferrari und Mercedes kämpfen zu können, hat er eine überraschend einfache Antwort: "McLaren ist das Team, bei dem ich bin. Das ist der größte Faktor."
Norris vertraut auf die Menschen hinter dem Projekt, die Entwicklung der vergangenen Jahre und die Führung des Rennstalls. Besonders hebt er Teamchef Andrea Stella und McLaren-CEO Zak Brown hervor.
"Die Leute, die wir haben, das, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, und die Führung, die wir innerhalb des Teams haben", nennt Norris als entscheidende Faktoren. Innerhalb von McLaren herrsche derzeit die richtige Einstellung, die man brauche, "um gegen die Besten der Welt zu kämpfen - sowohl bei den Teams als auch bei den Fahrern - und um Weltmeisterschaften zu kämpfen".
Das Selbstvertrauen kommt also nicht nur aus der Performance des Autos. Norris glaubt auch an die Fähigkeiten seines Teams, die Entwicklung langfristig besser voranzutreiben als die Konkurrenz.
"Mein Team gibt mir sehr viel Sicherheit", erklärt der Brite. Und auch in seine eigenen Fähigkeiten setzt er großes Vertrauen. "Wenn ich so fahre wie in Budapest - und das habe ich in dieser Saison über weite Strecken getan -, dann bin ich auch von mir selbst sehr überzeugt."
Das größte Problem bleibt die Fahrbarkeit
Trotz des starken Ergebnisses in Ungarn sieht Norris noch einen entscheidenden Schwachpunkt: Die Fahrbarkeit des McLaren. Der MCL60 kann extrem schnell sein, verlangt seinem Fahrer aber nach wie vor sehr viel ab.
"Das Auto ist immer noch so, so schwierig zu fahren", sagt Norris. Genau darin liegt für ihn ein großes Entwicklungsziel für die zweite Saisonhälfte. Denn ein Auto, das nur unter ganz bestimmten Bedingungen perfekt funktioniert, kann auf einem abwechslungsreichen Formel-1-Kalender schnell an Grenzen stoßen.
McLaren müsse verstehen, wie das Auto in jedem einzelnen Kurventyp, bei unterschiedlichen Bedingungen und während jeder Phase des Reifenlebens gefahren werden müsse. Norris habe in den vergangenen ein bis zwei Monaten große Fortschritte beim Verständnis des Autos gemacht.
"Ich habe das Gefühl, dass ich begonnen habe, es in den vergangenen ein, zwei Monaten sehr, sehr gut zu verstehen", erklärt er. Einfach sei der MCL40 dadurch aber noch lange nicht geworden. "Ich würde mir einfach wünschen, dass es ein bisschen einfacher wäre", sagt Norris.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.