Lando Norris: Warum er im Rennen "Funkstille" eingefordert hat

Warum McLaren-Fahrer Lando Norris fast leichte Beute für Sergio Perez geworden wäre und weshalb er seinen Renningenieur zur Funkstille aufforderte

Lando Norris: Warum er im Rennen "Funkstille" eingefordert hat

Eine Sekunde rettete Lando Norris beim Monaco-Grand-Prix ins Ziel. Er hatte sich damit in der Schlussphase des Rennens knapp gegen Sergio Perez behauptet, der ihm den dritten Platz noch streitig machen wollte. Doch weshalb wurde es eigentlich so eng für McLaren-Fahrer Norris?

Er selbst schiebt es auf die harten Reifen: "Im ersten Stint lag ich bei den Rundenzeiten nicht so weit hinter Max [Verstappen]." Tatsächlich büßte er auf Soft in den ersten 25 Runden nur knapp zehn Sekunden auf die Spitze ein.

Nach seinem Boxenstopp in Runde 30 aber wendete sich das Blatt bei Norris. "Mit den harten Reifen ging es in die andere Richtung", meint er. Wo der McLaren MCL35M zuvor noch angenehm zu fahren gewesen sei, wurde es nun zunehmend schwieriger, sagt Norris.

Perez holt auf und setzt Norris unter Druck

Er erklärt: "Man hat sich viel leichter verbremst, auch über die Bodenwellen ging es nicht so gut. Ich hatte da nicht mehr so viel Vertrauen. Und Sorgen machte ich mir obendrein, als Sergio später an die Box kam." Perez legte seinen einzigen Stopp nämlich fünf Runden nach Norris ein und hatte damit die im Direktvergleich frischeren Reifen, ebenfalls Hard.

Und Perez holte auf, nachdem er in Runde 36 mit 7,8 Sekunden Rückstand über die Linie gekommen war. In Runde 65 befand er sich erstmals in DRS-Schlagdistanz zu Norris, zu einer echten Attacke aber kam es nie.

Norris stand trotzdem unter Strom. "Ich weiß, man kann in Monaco recht einfach verteidigen. Du stehst aber ständig unter Druck, wie ich durch Perez am Ende", so der McLaren-Fahrer. "Es war stressig, ihn in jeder Kurve im Spiegel zu sehen, nachdem wir im zweiten Stint etwas mehr mit den harten Reifen zu kämpfen hatten."

Er habe sich daher auf die Schlüsselstellen konzentriert. "Im Prinzip musst du in Kurve 1 und in Kurve 10 auf der Hut sein, dann sollte es passen", sagt Norris. "Mir war klar: Wenn mir keine Fehler unterlaufen, dann hätte ich eine gute Chance. Allerdings musste ich mit dem Sprit und den Reifen haushalten. Das hat mir das Leben schwieriger gemacht."

Norris erbittet sich Funkstille in der Schlussphase

Wie sehr Norris unter Druck stand, das zeigt seine deutliche Ansage an Renningenieur Will Joseph, er möge ihn doch bitte für den Rest des Rennens in Ruhe lassen.

Dazu steht Norris weiter und meint: "Du willst dich einfach konzentrieren auf das, was jetzt wichtig ist. Du willst in deinem Element sein, durch den Leitplanken-Kanal in Monaco fahren, die Leitplanken aber nicht treffen. Du willst an nichts anderes denken."

"Wenn er mir also sagt, es ist ein Kerl 20 Sekunden vor mir, dann kümmert mich das nicht so sehr. Ich wollte mich einfach auf das Fahren konzentrieren. Nichts weiter."

Warum der Renningenieur schon "nervös" war

Er habe seinen Renningenieur allerdings schon zu Rennbeginn "extrem nervös" gemacht, räumt Norris ein. Denn er war in der Hafenschikane gleich zwei Mal durch die Auslaufzone gefahren, jeweils ein Verstoß gegen die Tracklimits in Monaco.

Lando Norris

P3 im Rennen, P3 in der WM: Lando Norris fährt seine bisher beste Saison

Foto: Motorsport Images

"Ich hatte etwa nach sieben Runden meine beiden 'Joker' verbraucht", sagt Norris. "Also: Kein idealer Start ins Rennen, wenn man davon ausgeht, dass man hintenraus wohl nochmal pushen muss. Ein weiterer Fehler hätte mir nämlich eine Fünf-Sekunden-Strafe eingebracht. Und damit wäre Perez vor mir gelandet."

Norris aber hielt sich im weiteren Rennverlauf schadlos und brachte P3 sicher ins Ziel. Für ihn kam dieses Ergebnis einem "Traum" gleich, weil ein Podestplatz in Monaco "wirklich besonders" sei.

Norris: In Monaco von Anfang an vorne dabei

"Ich hatte nicht geglaubt, dass es passieren würde. Wir hatten ein bisschen Glück, sind aber auch gut gefahren, mit einem guten Auto. Das gesamte Wochenende war stark", meint Norris.

In der Tat: Norris hatte sich in den Trainings auf P7, P6 und P6 klassiert, dazu auf P5 im Qualifying. Weil Charles Leclerc und Valtteri Bottas im Rennen aus der Spitzengruppe herausfielen, wurde daraus noch Platz drei. Und so steht Norris jetzt auch auf P3 der Formel-1-Fahrerwertung 2021.

Er selbst sagt aber: "An die WM denke ich gar nicht. Das ist im Moment einfach ein Bonus. Das Schönste ist, zu sehen, wie sehr sich das Team freut, wie sich die harte Arbeit lohnt. Und dass wir endlich den Schritt gemacht haben, um mit Red Bull und Ferrari und Mercedes auf Augenhöhe fahren können."

Und jetzt auch auf anderen Strecken liefern

Rennen wie Monaco seien "der Beweis" dafür, dass McLaren Fortschritte mache. "Und das ist eine tolle Motivation für das Team", meint Norris.

"Es war wahrscheinlich unser bestes Wochenende überhaupt, vielleicht abgesehen von Imola. Denn wir waren zur Stelle, als andere Leute Fehler gemacht haben. Alles in allem also ein cooles Wochenende hier in Monaco. Das ist einfach spezieller als anderswo."

Jetzt komme es darauf an, diese Leistung auch an anderer Stelle ähnlich abzurufen, sagt Norris. Und: "Das wird wahrscheinlich die schwierigere Aufgabe werden."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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