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Lando Norris: Warum Formel-1-Fahrer nicht mehr Mitsprache haben

Lewis Hamilton fordert, dass die Formel-1-Fahrer "einen Platz am Tisch" bekommen, doch Lando Norris sieht die Situation etwas differenzierter

Lando Norris: Warum Formel-1-Fahrer nicht mehr Mitsprache haben

Lewis Hamilton im Gespräch mit Lando Norris

Foto: LAT Images

Auch wenn viele Beteiligte es öffentlich weiter abstreiten: Es ist offensichtlich, dass die neuen technischen Regeln der Formel 1 bei vielen Fans auf Ablehnung stoßen und zugleich scharfe Kritik von den Fahrern selbst hervorgerufen haben.

Die jüngste Einführung von Anpassungen beim Einsatz und bei der Rückgewinnung elektrischer Energie, gefolgt von der Bestätigung weiterer, umfangreicherer Änderungen für die Saison 2027, wirken wie ein stillschweigendes Eingeständnis, dass die Grundidee einer fast 50:50-Aufteilung zwischen Verbrennungsmotor und Hybridkomponenten gewisse Schwächen hat - zumindest in der praktischen Umsetzung.

Obwohl Formel-1-Boss Stefano Domenicali kürzlich erklärte, "Überholen ist Überholen", überzeugt das Argument "Quantität gleich Qualität" viele Fans und Fahrer nicht. Vor allem Traditionalisten stören sich an Überholmanövern, die weniger durch fahrerisches Können oder Mut entstehen, sondern durch unterschiedliche Ladezustände der Batterie diktiert werden.

Formel-1-Fahrer warnten früh vor Reglement 2026

Unter den Fahrern herrscht verbreitet Frust, weil ihre Warnungen ungehört blieben. Das 50:50-Prinzip wurde im Sommer 2022 bei hochrangigen Sitzungen mit den Automobilherstellern der Formel 1 beschlossen. Die Fahrer bekamen jedoch erst deutlich später die Möglichkeit, die Auswirkungen im Simulator zu bewerten.

Vor dem Grand Prix von Miami sagte der siebenmalige Weltmeister Lewis Hamilton, es sei höchste Zeit, dass die Fahrer bei der Festlegung der Regeln "einen Platz am Tisch" bekommen. Sechs Fahrer, darunter Hamiltons Teamkollege Charles Leclerc, wurden zu den Regelanpassungen vor Miami konsultiert - nachdem die Grundsatzentscheidung längst gefallen war.

Lando Norris will wieder "kompromissloses Racing"

Titelverteidiger Lando Norris stimmte grundsätzlich zu, dass die Fahrer langfristig eine Stimme haben sollten: "Wir müssen einfach ehrlich unseren Input geben. Wir wollen, dass die Fans eine großartige Zeit haben, und wir wollen selbst Spaß haben. Wir wollen auch, dass die Formel 1 das bleibt, was wir alle beim Aufwachsen gesehen haben: kompromissloses Racing. Und das hatten wir bisher nicht."

"Gutes Racing bedeutet nicht zwangsläufig, dass einer 100 Prozent Batterieladung hat und der andere bei null steht. So sollte echter Rennsport nicht funktionieren."

"Es sollte darum gehen, Autos enger hintereinander fahren zu lassen - mit weniger Gewicht, besseren Reifen und einer geringeren Anfälligkeit für Probleme beim Hinterherfahren, etwa bei Temperaturen. Nicht dadurch, dass Batterien und Flügel eingeführt werden, die all diese Dinge erledigen, die wir jetzt haben", sagte Norris.

Die Prioritäten der Autohersteller haben sich verschoben

Domenicali und FIA-Formelsport-Leiter Nikolas Tombazis räumten diplomatisch ein, dass das aktuelle Reglement auch daraus entstanden ist, dass die Automobilhersteller in der Formel 1 mehr Elektrifizierung forderten. Das entsprach 2022 der strategischen Ausrichtung der Autoindustrie. Dieses Bild hat sich in den vergangenen vier Jahren verändert.

In der Zwischenzeit wurde das fehlerhafte 50:50-Prinzip durch verschiedene Korrekturen funktionsfähig gehalten - darunter aktive Aerodynamik sowie detaillierte Vorgaben, die festlegen, wie viel elektrische Energie in bestimmten Streckenbereichen zurückgewonnen oder eingesetzt werden darf.

Formel 1 soll "zurück zur Normalität"

"Man kann es einfach auf eine etwas andere Art machen, und genau das wünschen wir Fahrer uns für die Zukunft", sagte Norris. "Aber wegen des größeren Gesamtbildes, weil Hersteller, Partner und Teams beteiligt sind und weil es ein Geschäft ist, sind manche Dinge nicht so einfach."

"Hoffentlich kann es in den nächsten fünf Jahren oder so wieder etwas mehr in Richtung Normalität gehen. Und ich glaube, wir können trotzdem noch besseres Racing schaffen."

Sind die 2027er-Maßnahmen wirklich zielführend?

Für 2027 verschiebt sich das Verhältnis zwischen Leistung aus dem Verbrennungsmotor und elektrischer Unterstützung näher in Richtung 60:40. Im Kern ist aber auch das nur eine weitere Übergangslösung, um die Grenzen einer modifizierten Version der aktuellen Hardware zu kaschieren.

Langfristig gibt es Stimmen, darunter FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem, die eine Rückkehr zu V8-Saugmotoren mit deutlich kleinerem Elektroanteil vorantreiben. Nach aktuellem Stand ist das für einige Hersteller ein Streitpunkt, vor allem für Honda und Audi. Konkurrenten mit größerer Präsenz auf dem US-Markt - Ford und Cadillac - stehen dem V8-Konzept hingegen positiver gegenüber.

Was sich Norris für die nächste Antriebsära wünscht

Entscheidend ist: Die aktuelle Antriebsformel läuft Ende 2030 aus. Während die Grundphilosophie der nächsten Regelgeneration noch in diesem Jahr festgelegt werden soll, um genügend Vorlauf für die Entwicklung zu schaffen, plädiert Norris dafür, den Prozess diesmal überlegter anzugehen - damit nicht erneut ein Reglement an den Start geht, das unfertig wirkt.

"Was wir Fahrer wollen, ist auch das, was für die Fans besser anzusehen sein wird", erklärte Norris. "Unterm Strich ist es ein Geschäft. Also muss die geschäftliche Seite ausbalanciert werden, und dort haben wir natürlich nicht viel Mitspracherecht. Aber wir machen Fortschritte mit der FIA. Ich denke, sie hat gute Arbeit geleistet, um Dinge zu verbessern."

"Die größeren Themen und die Dinge, die wir uns für die Zukunft stärker wünschen, sind die Bereiche, für die ich mir mehr Zeit nehmen möchte."

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