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Leclerc bereut mürrischen Singapur-Boxenfunk: "Ich habe überreagiert"

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Leclerc bereut mürrischen Singapur-Boxenfunk: "Ich habe überreagiert"
Autor:
Co-Autor: Scott Mitchell
26.09.2019, 19:05

Ferrari-Nachwuchsstar Charles Leclerc gelobt Besserung was seinen Umgang mit dem Boxenfunk betrifft - Singapur-Strategie sei richtig gewesen

"Um ehrlich zu sein, verstehe ich den Undercut überhaupt nicht." Es waren Sätze wie dieser, die Charles Leclercs Gefühlswelt im Grand Prix von Singapur am Boxenfunk offenbarten. Der Monegasse, der von seinem Teamkollegen Sebastian Vettel an der Box überholt wurde, fühlte sich um seinen dritten Formel-1-Sieg gebracht. Mit einer Woche Abstand hat sich sein Gemüt beruhigt. Er wirkt geläutert.

Was nimmt Leclerc aus dem Singapur-Wochenende mit? Was wird er in Zukunft verbessern? "Definitiv die Nachrichten am Boxenfunk", antwortet der 21-Jährige. In der Nachbetrachtung konnte er einsehen, dass er "deutlich überreagiert" habe. "Das zeigt, dass ich noch viel lernen muss."

Wieder ist er bereit, hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Diese Eigenschaft zur Selbstkritik ist bei Leclerc nicht neu, immer wieder neigt er dazu, besonders seine eigenen Taten kritisch zu hinterfragen. Seine Analyse des vergangenen Sonntags hat ergeben: "In meiner Situation gab es keinen Grund, so zu reagieren."

Leclerc: "Habe die Situation noch schwieriger gemacht"

Ferrari habe die richtige Entscheidung getroffen, betont er. "Wir haben einen Doppelsieg gefeiert, das hätten wir mit einer anderen Strategie nicht geschafft." Er hat Vettels Undercut mittlerweile verstanden und den Sieg des Deutschen akzeptiert. Der Triumph für die Scuderia zähle schließlich "am meisten".

Er verspricht: "Ich werde mich verbessern, das wird in Zukunft nicht wieder vorkommen." Zwar habe er damit nur zum Ausdruck gebracht, wie sehr er gewinnen wolle, doch im Endeffekt würde das nur noch zu mehr Chaos führen.

Zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass Ferrari Leclerc im Rennen nicht darüber informiert hat, auf welcher Strategie Vettel unterwegs gewesen war. Dem Team will er aber keine Schuld geben: "Nein, weil wenn man sich die Strategie noch einmal ansieht, dann hat niemand den Unterschied der Reifen erwartet. Außerdem ist Seb eine tolle Outlap gefahren."

 

Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

Leclerc glaubt seiner Mannschaft, dass man den Undercut unterschätzt hat. "Ich denke, wir haben nicht erwartet, dass mich Seb überholt." Er kann mitfühlen, wie schwierig es sein muss, die korrekte Strategie festzulegen. "Ich habe die Situation nur noch schwieriger gemacht mit meinen Beschwerden."

Während an der roten Boxenmauer die Strategie klar war, blieb Leclerc bis Rennende im ungewissen. Er wollte gegen Ende noch attackieren und forderte volle Motorleistung, die er allerdings nicht bekam. Hätte man die Plätze am Ende noch tauschen können? Dieser Frage weicht der Monegasse geschickt aus.

"Ohne die Strategie hätte es keinen Doppelsieg gegeben. Natürlich kann man immer über solche Sachen streiten, aber Seb ist eine großartige Outlap gefahren. Solche Situationen sind immer knifflig." Die internen Regeln im Team seien jedenfalls "ziemlich klar".

Leclerc: "Ich muss einfach meine Klappe halten"

Die Fahrern müssen sich immer zum Wohlergehen des Teams verhalten - "das wird sich auch nicht ändern", fügt Leclerc hinzu. Er hat verstanden, dass Ferrari diesen Doppelsieg gebraucht hat, sein zweiter Platz wurde als Kollateralschaden verbucht.

Leclerc hat für sich eine Lehre mitgenommen: Er wird den Knopf für den Teamfunk nun erst drücken, wenn er sich unter Kontrolle hat. "Das ist definitiv das Ziel! Im Auto ist das immer sehr schwierig, weil man unter Adrenalin steht. Ich muss mich einfach mehr kontrollieren in solchen Situationen." Anders ausgedrückt: "Ich muss einfach mehr meine Klappe halten."

Seine Beziehung zum viermaligen Weltmeister habe darunter nicht gelitten. Obwohl Leclerc nach dem Rennen noch alles andere als glücklich über die Situation war, hat er Vettel nach dessen Sieg gratuliert. "Ja, wir haben danach gesprochen. Ich denke nicht, dass es jemals ein Problem zwischen uns gab", betont der 21-Jährige.

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Der Deutsche springt Leclerc in Russland zur Seite. Er habe ihm nichts vorgeworfen. Im Debrief habe man nur wenig über das vergangene Rennen gesprochen. Auch Vettel ist der Meinung, dass die Undercut-Geschichte die Beziehung der beiden nicht beschädigt.

"Ich kann seinen Unmut in gewisser Weise nachvollziehen, aber in Anbetracht der letzten Wochen war es denke ich nicht die falsche Entscheidung", betont Vettel. Es liege nun einmal in der Natur des Wettkampfs, dass der Zweitplatzierte weniger erfreut ist als der Sieger.

"Charles fordert mich heraus, ich fordere ihn heraus." Viel mehr will der Heppenheimer in das Singapur-Rennen nicht interpretiert wissen. Überhaupt plädiert er dafür, dass Funksprüche nicht zu sehr auf die Waagschale gelegt werden.

Vettel: Funksprüche werden "überinterpretiert"

"Ich denke, es wird generell überinterpretiert, was am Funk gesagt wird. Wenn man beim Fußballspieler oder Tennisspieler das Mikrofon jedes Mal dranhalten würde, wenn er irgendwas sagt, wenn der Ball verrutscht oder wenn er ihn gut trifft ...", vergleicht der Deutsche, "dann macht das sowieso keinen Sinn."

Emotionen seien während des Wettkampfs normal, das gehöre eben dazu. Ganz im Gegenteil befürwortet Vettel diese Ausbrüche sogar, denn es wäre ein negatives Zeichen, würde ein Pilot nicht um den Sieg kämpfen wollen. "Dann wäre einem das alles egal. Dann könnte man nicht auf diesem Level sein."

Deshalb seien die Aussagen von Leclerc am Boxenfunk in der hitzigen Nacht von Singapur auch "nicht tragisch". Er rät: "Ich würde jeden Funkspruch, wenn einer den anderen als 'Idiot' bezeichnet, nicht überbewerten. Das gehört dazu." Deshalb habe es auch nicht viel Redebedarf nach dem Grand Prix gegeben. Hinter den Kulissen laufe "viel weniger ab", als manche das glauben, so Vettel.

Rivale Lewis Hamilton erinnert sich an seine Anfangsjahre in der Formel 1 zurück. Auch er sei "ziemlich unverblümt" am Boxenfunk zu Werke gegangen. Er sei vorlauter gewesen als nötig, sieht er heute ein. Das komme davon, wenn man als Rennfahrer verbissen sei.

"Ich wünschte, ich hätte viel mehr gewusst, als ich 22 Jahre alt war. Ich war damals auch in einem Topteam und bin gegen einen zweifachen Weltmeister angetreten. Ich hatte die Möglichkeit, Rennen zu gewinnen. Ich wollte aber jedes Rennen gewinnen - dafür kann man nichts, das liegt in der DNS eines Rennfahrers", weiß der Brite.

Deshalb rät er Leclerc: "Man muss dafür dankbar sein, dass man die Chance erhält, Rennen mit einem Topteam zu gewinnen. Ich denke nicht, dass es sonst jemals wer geschafft hat, im zweiten Jahr zu Ferrari zu wechseln. Das ist eine unglaublich privilegierte Position, das sollte man sich immer in Erinnerung rufen."

Ferrari-Duell an der WM-Spitze wäre "andere Situation"

Erleichternd kommt zur Ferrari-Situation hinzu, dass weder Vettel noch Leclerc um den WM-Titel gegen Hamilton kämpfen. Zwar hat der Monegasse den Deutschen durch seine beiden Siege in Belgien und Italien überholt, Vettel lauert aber nur sechs Punkte dahinter.

"Wären wir Erster und Zweiter in der Weltmeisterschaft, weit vor den anderen, dann wäre das eine andere Situation. Aber das ist nicht der Fall und wir kämpfen immer noch um die Konstrukteurs-WM. Ich denke, alles wurde in Singapur richtig gemacht", meint Leclerc abschließend.

Weitere Co-Autoren: Roberto Chinchero. Mit Bildmaterial von LAT.

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