Reaktion
Formel 1 Madrid
Leclerc verpasst Madrid-Sieg: Ferraris Problem liegt an ganz anderer Stelle
Ferrari ließ Charles Leclerc in Madrid 48 Runden auf demselben Reifensatz fahren - Eine rote Flagge hätte den Poker mit dem Sieg belohnen können
Christian Nimmervoll Cihangir Perperik
Bearbeitet: 14.09.2026, 10:50
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Charles Leclerc fuhr in Madrid einen 48 Runden langen ersten Stint auf Hard
Foto: Sutton Images
Zehn Runden vor Ende des ersten Formel-1-Rennens auf dem neuen Madring lag immer noch Charles Leclerc in Führung - die Ziellinie überquerte der Ferrari-Pilot aber nur als Vierter, 29,1 Sekunden hinter Sieger Kimi Antonelli. Verzerrt war das Ergebnis zwischenzeitlich vor allem wegen einer Offset-Strategie Ferraris mit einem langen ersten Stint.
Leclerc war mit harten Reifen in den Grand Prix von Spanien 2026 gestartet, anders als sein Teamkollege Lewis Hamilton (Soft). "Wir haben uns da auf eine Wette eingelassen, mit einem Auto auf Soft und einem auf Hard, um alle Eventualitäten abzudecken", sagt Teamchef Frederic Vasseur. "Aber das haben die anderen Teams genauso gemacht."
Als Lance Stroll in Runde 14 von 57 das virtuelle Safety-Car auslöste, lag Leclerc hinter Lando Norris, Antonelli und Max Verstappen an vierter Stelle. Sein Rückstand auf die Führung betrug 13,8 Sekunden. Dann kamen die Top 3 allesamt an die Box (Norris eine Runde später als Antonelli und Verstappen) - und als das Rennen wieder freigegeben wurde, lag Leclerc auf P1, mit 2,4 Sekunden Vorsprung auf Antonelli.
Der Vorsprung schrumpfte erst auf 0,6 Sekunden zusammen (Runde 21), wuchs dann aber wieder auf bis zu 3,9 Sekunden an (Runde 23) - vermutlich auch, weil Antonelli aufgrund des "virtuellen" Vorsprungs keine Veranlassung sah, Leclerc unter Druck zu setzen und dabei unnötiges Risiko einzugehen.
Vasseur mit Ferraris Rennpace zufrieden
Trotzdem: "Dass die Pace von Charles im Rennen mehr als gut war, ist positiv", sagt Vasseur. "Er ist 48 Runden mit dem harten Reifen gefahren, und selbst am Ende war die Pace immer noch da." Die Zahlen belegen: Bis zum VSC verlor Leclerc im Durchschnitt fast 0,8 Sekunden pro Runde auf Antonelli. In den 42 Runden danach nur 0,15 Sekunden.
Ferraris Kalkül, ihn so lange draußen zu lassen, war klar: "Charles führte die Gruppe derjenigen an, die auf Hard gestartet waren. Und wenn es eine rote Flagge gegeben hätte, hätte das den Sieg bedeutet", erklärt Vasseur. "Wäre es ein Safety-Car gewesen, wäre er Zweiter oder Dritter geworden. Und so wurde es halt Platz 4."
Denn: Eine Rennunterbrechung etwa wegen eines Unfalls erschien auf dem brandneuen Stadtkurs in Madrid plausibel, und wäre die rote Flagge wirklich gekommen, hätte Leclerc Reifen wechseln und die Führung behalten dürfen. Andererseits hatte er mit dem langen Stint nichts zu verlieren, solange der Abstand zu George Russell im Fernduell groß genug war. Und das war er. "Das war unsere Strategie. Die Pace war gut, und mehr konnten wir am Sonntag nicht mehr tun", analysiert Vasseur.
Leclerc: Ferraris Schwäche ist das Qualifying
Das "am Sonntag" ist dabei ein entscheidender Zusatz. Denn der Grand Prix von Spanien auf dem Madring, der kaum Überholmanöver zuließ, wurde schon im Qualifying am Samstag vorentschieden: "Unser Auto ist ein starkes Rennauto, aber wir müssen herausfinden, wie wir im Qualifying mehr Performance freisetzen können."
Leclerc hatte am Samstag den fünften Platz belegt, mit 0,195 Sekunden Rückstand auf die Poleposition-Zeit und 0,006 Sekunden hinter Hamilton. Steht er statt in der dritten in der ersten Startreihe, ist Ferrari möglicherweise sogar aus eigener Kraft siegfähig. Zumal die Starts der Scuderia immer noch hervorragend sind, wie Hamilton in Madrid erneut bewiesen hat.
Aber: "Wir wissen, dass die Energiefreisetzung uns am Samstag mehr Schwierigkeiten macht als am Sonntag, und dafür haben wir keine schnelle Lösung", sagt Leclerc. "Aber was auch immer wir tun können, um am Samstag ein bisschen mehr Performance zu finden, wird uns auch für das Rennergebnis helfen."
Und damit meint er ausdrücklich nicht das Reifenmanagement: "Da sind wir nicht schlechter als die anderen. Aber generell ist unser Auto im Qualifying ein bisschen schwächer als im Rennen. Wenn du mit wenig Benzin im Tank die Randsteine attackieren musst zum Beispiel. Da war McLaren sehr, sehr stark - und wir weniger. Dafür haben wir dieses Wochenende den Preis bezahlt."
Diesmal keine Spannungen mit Hamilton
In der Anfangsphase des Rennens verlor Leclerc auch ein wenig Zeit, als Hamilton vor ihm mit Bremsproblemen zu kämpfen hatte. In Runde 5 hatte er 1,6 Sekunden Rückstand auf Verstappen. Als er an Hamilton vorbei war, waren es 2,3. "Er hat mich schnell durchgelassen", winkt Leclerc ab. "Das hat kaum Zeit gekostet, und es hätte an meinem Rennen rein gar nichts geändert."
"Wir hätten heute einiges anders machen können, aber ich glaube, wir haben uns für die beste Variante entschieden. Müsste ich das Rennen nochmal fahren, würde ich es wieder genauso machen", unterstreicht Leclerc. "Wäre ich mit dem Soft gestartet, hätte ich die gleiche Strategie fahren müssen wie die Jungs vor mir, und in einem Rennen, in dem es keine Überholmanöver gibt, hätte das nichts gebracht. Hard-Soft war die richtige Strategie. Und dass wir am Ende auf ein Safety-Car gewartet haben, war genau das Richtige. Auch wenn es leider nicht kam."
Zwischendurch sorgte ein Funkspruch im TV-Broadcast für Erheiterung, als Leclerc von seinem Renningenieur wissen wollte, worum es für ihn eigentlich geht: "Ich wollte so wenig Kommunikation wie möglich, auf so einer Strecke", grinst er. "Aber dann habe ich mal gefragt, wer eigentlich unser Gegner ist, denn ich hatte im Auto ja keine Ahnung."
"Auf dem harten Reifen war unsere Pace ziemlich stark", sagt Leclerc. "Am Ende, mit den weichen Reifen, konnte ich aus anderen Gründen nicht mehr so pushen." Auf Nachfrage, was genau diese anderen Gründe waren, winkt er ab: "Das kann ich nicht verraten. Aber es ist schon in Ordnung. Für das nächste Rennen passt das."
Leclerc liegt in der Fahrer-WM 2026 nach 14 Grands Prix mit 167 Punkten an fünfter Stelle, 125 Punkte hinter Spitzenreiter Antonelli und 24 Punkte hinter Hamilton (3.). Die nächste Chance, es insbesondere im Qualifying besser zu machen, bietet sich in knapp zwei Wochen beim Grand Prix von Aserbaidschan in Baku.
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