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Lehren aus dem Corona-Lockdown: Twitch als Zukunft der Formel 1?

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Lehren aus dem Corona-Lockdown: Twitch als Zukunft der Formel 1?
Autor:
Übersetzung: Juliane Ziegengeist
27.06.2020, 06:52

Ausgerechnet während des Lockdowns kamen einige Formel-1-Fahrer ihren Fans so nah wie nie, Twitch sei Dank - Taugt die Streaming-Plattform als Modell der Zukunft?

Während des Corona-Lockdowns haben sich zahlreiche Formel-1-Piloten an virtuellen Rennen beteiligt und dabei die Vorzüge des E-Sports kennengelernt. So schwärmte nicht nur Alexander Albon vom engen Kontakt zu den Fans über Streaming-Plattformen wie Twitch, die eine intensivere Interaktion ermöglichen als sonst.

Twitch kann mit beeindruckenden Zuschauerzahlen aufwarten: 18,5 Millionen aktive Nutzer täglich bei insgesamt 10,6 Milliarden Stunden an Inhalten im Jahr 2019. Davor kann auch die Formel 1 ihre Augen nicht verschließen und muss den nächsten Schritt wagen, um dem zu entsprechen, was ein engagiertes Publikum zu Hause erwartet.

Nicht nur, dass die Formel 1 längst nicht mehr ein rein lineares Fernseherlebnis ist, bei dem die Fans das Geschehen zu dem Zeitpunkt verfolgen müssen, den die Sender bestimmen. Auch die aktuellen Streaming-Optionen, wo und wann die Fans es wünschen, oder 24/7-Grand-Prix-Kanäle werden möglicherweise nicht ausreichen.

Twitch ist offen für mehr Non-Gaming-Inhalte

In Zukunft wird es vielleicht darum gehen, mehr in die Show zu investieren: mit anderen Fans zu chatten, eine direkte Verbindung zu den Fahrern herzustellen und das Gefühl zu vermitteln, Teil des Geschehens statt nur Beobachter zu sein. Das hat auch Formel-1-Sportchef Ross Brawn erkannt und will die Lehren aus Twitch ziehen.

"Was ich gesehen habe und was mir sehr auffällt, ist, wie gut es den echten Fahrern gelungen ist, mit den Fans in Kontakt zu treten, weil sie sich an diesen Initiativen und Veranstaltungen beteiligt haben", sagte Brawn in einem Interview auf der E-Sport-Konferenz der FIA 2020 in der vergangenen Woche.

Was im Rahmen dieser Debatte als besonders relevant erscheint, ist die Tatsache, dass Plattformen wie Twitch davon abkommen, sich ausschließlich auf Spiele zu konzentrieren. Für Twitch selbst ist die Übertragung von Live-Sportveranstaltungen von großem Interesse. Es gibt ein Wachstum bei dem, was als "IRL"-Inhalte bekannt ist.

IRL - das steht für "In Real Life". Auf einer ersten Ebene haben Charles Leclerc und Lando Norris das bereits demonstriert, indem sie einige ihrer jüngsten Kart- und Rennwagen-Erfolge live übertragen haben, während sie ihre Vorbereitungen für die Formel-1-Saison fortsetzen und so langsam wieder in Fahrt kommen.

Das ist nur noch einen Schritt von der eigentlichen Live-Berichterstattung über den Rennsport selbst entfernt. Die ersten Experimente mit der Formel 1 haben wir bereits gesehen, als das Training, Qualifying und Rennen in Mexiko im vergangenen Jahr in ausgewählten Regionen probeweise übertragen wurden.

Ohne große Marketingkampagne und mit strikten Beschränkungen für die Länder, in denen die Inhalte verfügbar waren, erreichte man durchschnittlich 40.000 gleichzeitige Zuschauer - mit einem Spitzenwert von 52.000. Für die Formel 1 mögen diese Zahlen erst einmal keine große Veränderung darstellen.

Motorsport soll auf Twitch präsenter werden

Für den EMEA-Sportchef von Twitch, Charlie Beall, sind sie aber ein weiteres Indiz für die wachsende Dynamik, die sich hinter der sportlichen Live-Action von IRL verbirgt. "Etwas Interessantes beginnt sich bei Twitch organisch zu entwickeln", erklärte er während der FIA-E-Sport-Konferenz vergangene Woche.

"Spielinhalte bleiben bei weitem unsere beliebtesten, aber wir haben dieses organische Wachstum bei den Non-Gaming-Inhalten. Ende 2018 machten sie etwa drei Prozent der Inhalte auf Twitch aus. Dieses Wachstum hat organisch begonnen. Ein Jahr ist so schnell vorangeschritten, und aus diesen drei Prozent sind elf Prozent geworden."

Beall sieht sich darin bestätigt, "dass Twitch ein Dienst für Gemeinschaften ebenso wie ein Dienst für Spiele und E-Sport ist. Sie sehen also, dass immer mehr Sportarten beginnen, sich auf, mit und durch Twitch als Plattform zu engagieren. Wir versuchen also, zu wachsen und diesen organischen Prozess zu fördern."

Dabei bergen drei Sportarten aus seiner Sicht das größte Potenzial: "Wir haben Basketball, Fußball und Motorsport als drei besonders wichtige Sportarten identifiziert. Wir sind der Meinung, dass es eine starke Schnittmenge zwischen unserem bestehenden Publikum und dem traditionellen Publikum für diese Sportarten gibt."

Da Twitch sein Sportangebot erweitern möchte, könnte man die Chance ergreifen, alle Formel-1-Rennen live zu zeigen, mit direkten Verbindungen zu den Fahrern und Teams vor Ort, was einen zusätzlichen Mehrwert für die Fans zu Hause bedeutet. Doch es wäre schwer vorstellbar, dass dieses Geschäftsmodell funktioniert.

Vor allem Pay-TV-Kanäle sind derzeit in der Lage, den Inhabern kommerzieller Rechte für die exklusive Übertragung der Formel 1 horrende Summen anzubieten. Man beachte nur, was Sky Deutschland zahlen konnte: Es hat RTL um ein Vielfaches überboten, um sich die Live-Rechte als Paycontent zu sichern.

Junges Zielpublikum mit hohem Aktivitätslevel

Dennoch bleibt es verlockend, was eine kostenlose Plattform wie Twitch bieten kann - vor allem wenn es darum geht, die nächste Generation von Fans für Motorsport zu begeistern. Einer der großen Reize von Twitch ist seine Demografie. Es ist jung. 72 Prozent des Publikums sind unter 34 Jahre alt, 26 Prozent sind zwischen 13 und 17 Jahre.

Dieses Publikum ist durchaus engagiert. "Ein regelmäßiger Twitch-Zuschauer verbringt 90 Minuten pro Tag auf der Plattform, was eine enorme Zeitspanne ist", sagt Beall und zieht den Vergleich zu der angesagten App TikTok, wo es darum geht, Menschen mit kurzen Zehn-Sekunden-Clips bei der Stange zu halten.

"Wenn wir uns das Kontinuum aller sozialen Plattformen anschauen, haben wir auf der einen Seite TikTok, dessen Inhalte aus flüchtigen kurzen Bytes bestehen, obwohl die Benutzer vielleicht länger als das auf der Oberfläche bleiben. Und dann hat man Twitch, wo das Publikum Streams konsumiert, die zwei bis drei Stunden dauern."

Twitch bietet zudem die perfekte Plattform für ein direktes Engagement der Sportler, was normale Fernsehübertragungen nicht können. Die Interaktivität, insbesondere wenn der Ersteller der Inhalte dies gut macht, ist ein Alleinstellungsmerkmal, das Twitch gegenüber normalen Fernsehkanälen deutlich abhebt.

"Die Chats können fast wie das Rauschen einer Menschenmenge zu einem Strom werden: Sie werden schneller, sie werden langsamer und sind durch die Verwendung von Emotes geprägt, die der Twitch-Gemeinschaft lieb und teuer sind und die sie nutzen, um ihre Emotionen oder ihre Persönlichkeit auszudrücken", erklärt Beall.

"Fahrer wie Lando Norris verstehen die Währung und die Persönlichkeit von Twitch. Sie verstehen, dass es eine Möglichkeit ist, sich sehr eng und sehr tief mit ihrer Gemeinschaft zu verbinden. Sie kommen aus dieser Generation, die Interaktivität lebt. Es ist eine sehr wirkungsvolle Art, enge Beziehungen zu den Fans aufzubauen."

Co-Streaming für Formel 1 besonders attraktiv

Aber es gibt auch Aspekte in der Berichterstattung der Formel 1, die weniger gut zu Twitch passen würden. Denn die Erfahrung zeigt, dass das Publikum nicht so sehr auf die harten Fakten steht, da die Plattform viel besser für Spaß geeignet ist: Man denke an die Kopfrasur von Norris oder Leclerc im Bananenkostüm.

Für langjährige Motorsportfans, die eine tiefere Berichterstattung und den detaillierten Einblick bevorzugen, ist Twitch also vielleicht nicht der richtige Ort. Eine Idee, die funktionieren könnte, ist das Co-Streaming: Die Formel 1 bietet die grundlegenden Live-Rechte am Rennen an und ein Twitch-Moderator streamt seinen Kommentar darüber.

Dabei kann es sich um einen Fernsehsender oder einen Fahrer/Sportler selbst handeln. Das erwies sich schon beim Mexiko-Grand-Prix als erfolgreich: "Wir stellten fest, dass die Zuschauerzahl durch Co-Streaming siebenmal höher war, indem wir den Feed des Rennens nur Rennbegeisterten und Rennspielern zur Verfügung stellten."

"Das hat wirklich einen Punkt bestätigt, von dem wir glauben, dass er wahr ist", sagt Beall. "Dass es eine Überschneidung zwischen dem Spielpublikum und dem echten traditionellen Sportpublikum gibt und dass Twitch ein Ort sein kann, der diese Interaktion erleichtert. Wir haben also große Pläne in diesem Bereich."

Es mag zwar verfrüht sein, davon zu sprechen, dass Twitch die zukünftige Art und Weise ist, die Formel 1 zu sehen. Aber klar ist, dass es einige faszinierende Möglichkeiten für die Zukunft bietet und als Plattform, die sich durch das Engagement und die Interaktion ihrer Nutzer auszeichnet, immer wichtiger werden wird.

Mit Bildmaterial von Twitch/Charles Leclerc.

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Urheber Jonathan Noble