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Foto: LAT Images

Lewis Hamilton hat in Miami eine alte Formel-1-Frage neu geöffnet: Wie viel Einfluss sollen Fahrer auf das Reglement haben? Der Ferrari-Pilot fordert, dass die Piloten nicht nur angehört werden, sondern "einen Platz am Tisch" bekommen.

Auslöser war das Paket an Regelanpassungen, das vor dem Grand Prix von Miami beschlossen wurde. Die Änderungen kamen ungewöhnlich pragmatisch zustande. Statt langer Grabenkämpfe über Details gab es mehrere Gespräche zwischen FIA, Formel 1 und ausgewählten Fahrern.

Hamilton selbst gehörte nicht zu dieser Runde. Trotzdem lobte er den Ablauf und machte klar, dass die Fahrer als Endnutzer der Autos häufiger eingebunden werden müssten. "Wir arbeiten alle zusammen, wir treffen uns alle, aber wir haben keinen Platz am Tisch", sagte er.

"Sprecht mit uns!"

Der siebenmalige Weltmeister sieht vor allem bei Themen wie Reifen und Fahrverhalten Nachholbedarf. Beim Pirelli-Test in Fiorano habe er betont, man wolle den Reifenhersteller nicht öffentlich kritisieren, sondern gemeinsam an einem besseren Produkt arbeiten.

"Das Feedback kommt von Leuten, die nie ein Auto gefahren sind", sagte Hamilton sinngemäß. Deshalb müssten Pirelli, FIA und Formel 1 direkter mit den Fahrern sprechen. "Wir wollen unseren Sport nicht schlechtreden. Wir wollen, dass er erfolgreich ist."

Max Verstappen, einer der schärfsten Kritiker des aktuellen Regelwerks, sieht das ähnlich. Der Red-Bull-Pilot war in die Gespräche eingebunden und sagt: "Ich hoffe, dass es immer mehr wird. Wir können wirklich guten Input geben."

Teamchefs vorsichtig

Verstappen geht noch weiter. Hätte es diese Einbindung schon vor fünf oder sechs Jahren gegeben, "wären wir wahrscheinlich nicht in der Lage, in der wir jetzt sind". Gemeint sind Autos, die vielen Fahrern zu schwer, zu träge und zu abhängig von der Aero-Map sind.

Bei den Teamchefs fällt die Reaktion deutlich vorsichtiger aus. Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur antwortete in Miami mit Humor auf die Frage nach einem größeren Tisch: "Wir suchen den Tisch noch." Inhaltlich sieht er die Fahrer aber nicht ausgeschlossen.

Vasseur verweist darauf, dass die Piloten bei den jüngsten Änderungen am Motoren-Reglement Teil der Diskussion gewesen seien. "Sie haben unterschiedliche Sichtweisen, und es ist nicht immer einfach, einen Kompromiss zu finden", sagte der Ferrari-Teamchef.

Tisch zu klein oder zu groß?

Aus Sicht der Teams ist genau das der Knackpunkt. Fahrer denken zwar oft sehr präzise über Grip, Balance, Reifenfenster und Fahrbarkeit nach. Gleichzeitig sind sie Teil eines Wettbewerbs, in dem jedes technische Detail auch dem eigenen Team helfen kann.

Williams-Teamchef James Vowles sieht deshalb Grenzen. Carlos Sainz sei vor den Miami-Anpassungen konsultiert worden, Nikolas Tombazis habe ihn und andere Fahrer sinnvoll eingebunden. Doch noch mehr Teilnehmer könnten den Prozess lähmen.

"Wir sind wahrscheinlich jetzt schon zu viele am Tisch", sagte Vowles. "Man dreht sich dann nur im Kreis. Fünf weitere Leute helfen da nicht." Sinnvoller sei ein Vertreter der Fahrer, entweder vor einem FIA-Meeting oder direkt in der Sitzung.

Neutralität wahren

Vowles nennt dabei ausdrücklich eine potenzielle Gefahr. Die Formel 1 müsse vermeiden, dass Regelprozesse in Richtung eines bestimmten Power-Unit-Herstellers gelenkt werden. Entscheidend sei, die echte Fahrerperspektive von Teaminteressen zu trennen.

Die FIA versuchte genau das bei den jüngsten Gesprächen. Eingeladen wurden sechs erfahrene Fahrer aus Teams mit unterschiedlichen Motorenpartnern: Verstappen, Sainz, George Russell, Lando Norris, Charles Leclerc und Nico Hülkenberg.

Tombazis sprach von einem Querschnitt aus Wettbewerbsfähigkeit und Erfahrung. Die Gespräche fanden virtuell statt. Zunächst früh im Prozess, später noch einmal, als die konkreten Vorschläge bereits mehrere Instanzen durchlaufen hatten.

Auf dem richtigen Weg

‘¿’Damit waren die Fahrer nicht in allen Spitzengesprächen vertreten. Sie konnten aber mögliche Ergebnisse prüfen und Themen setzen. Für Charles Leclerc war das ein wichtiger Punkt. "Ich persönlich habe mich gehört gefühlt", sagte der Ferrari-Pilot.

Leclerc lobte auch die Haltung der Fahrer untereinander. Normalerweise seien Piloten darauf programmiert, nur an Performance zu denken. In diesen Gesprächen habe man den eigenen Vorteil aber beiseitegeschoben und über das Gefühl im Auto gesprochen.

Besonders im Qualifying soll ein Formel-1-Auto für Leclerc wieder mehr nach Formel 1 wirken. Es geht um Präzision am Apex, Vertrauen beim Einlenken, weniger künstliche Kompromisse und ein Fahrverhalten, das der Spitze des Motorsports entspricht.

Die Debatte zeigt den Kern des Problems. Fahrer liefern das direkteste Feedback zu Stint-Verlauf, Reifenabbau, Balance und Überholmöglichkeiten. Gleichzeitig fürchten Teams, dass ein offener Regelprozess noch politischer und schwerfälliger wird.

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