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Lewis Hamilton kritisiert Formel 1: "Wo ist Jean Todt in der Situation?"

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Lewis Hamilton kritisiert Formel 1: "Wo ist Jean Todt in der Situation?"
Autor:
Co-Autor: Christian Nimmervoll
20.07.2020, 17:50

Im Kampf gegen Rassismus und für mehr Diversität verlangt Lewis Hamilton mehr Einsatz von der Formel 1, Teams und Fahrern - "Haben keine Fortschritte gemacht"

Zum Saisonauftakt in Österreich vor drei Wochen hatte die Formel 1 unter dem Hashtag #WeRaceAsOne eine groß angelegte Kampagne gegen Rassismus und für mehr Diversität gestartet. In der Startaufstellung zogen sich die Fahrer entsprechende T-Shirts über und standen demonstrativ zusammen, einige knieten.

Die Bilder davon gingen um die Welt, doch schon eine Woche später, beim zweiten Rennen in Spielberg, sowie jüngst in Ungarn fiel der Protest deutlich kürzer aus und ging regelrecht unter. Ein Umstand, der vor allem Weltmeister Lewis Hamilton verärgert.

"Es gibt definitiv nicht genug Unterstützung dafür", kritisiert der Brite, der sich im Rahmen der "Black Lives Matter"-Bewegung aktiv gegen Rassismus engagiert und sogar eine eigene Kommission gegründet hat. "Ich glaube, aus der Sicht der Fahrer scheint jeder der Meinung zu sein - oder zumindest viele -, dass sie es einmal getan haben und es nicht wieder tun werden. Ich kenne nicht alle Gründe für diese Meinung."

Thema schon wieder von der Agenda verschwunden?

In dem Zusammenhang zeigt sich Hamilton auch von der Formel-1-Fahrervereinigung GPDA enttäuscht: "Wir alle sind Mitglieder der GPDA. Sie wird von drei Personen geleitet, zwei, die wirklich dafür sind und sie unterstützen, und eine, die zu denjenigen gehört, die dazu neigen, es nicht für wichtig zu halten weiterzumachen."

Damit meint er Haas-Pilot Romain Grosjean, der die Sache aus seiner Sicht nicht ernst genug nehme. Und auch von der Formel 1 als Organisation erwartet Hamilton mehr. "Sie haben beim ersten Rennen gute Arbeit geleistet. Aber das ist nicht gut genug im Vergleich zu dem, was man in anderen Sportarten sieht", so der Brite.

"Es ist fast so, als wäre es schon wieder von der Agenda verschwunden. Man braucht Führung von oben und jemanden, der sagt: 'Okay, hey, das ist es, was wir wollen, Jungs, und wir wollen, dass ihr alle ein Teil davon seid. Derzeit gibt es nichts davon."

Hier nimmt Hamilton auch FIA-Präsident Jean Todt in die Pflicht: "Wo ist Jean in diesem Szenario? Es sollte nicht meine Aufgabe sein, die Teams anzurufen oder die Teams zur Rechenschaft zu ziehen. (...) Das sollte von oben nach unten passieren. Das sollte von den höheren Mächten kommen, die alle Fäden in der Hand halten."

 

Einzig sein eigenes Team sieht der Weltmeister mit gutem Beispiel vorangehen. "Ich weiß, man könnte meinen, dass ich voreingenommen bin, aber das bin ich nicht", betont Hamilton. "Das Team hat sich selbst hinterfragt und versucht weiterhin, es wirklich durchzuziehen und zu verstehen. Beim letzten Rennen sind sie auf die Knie gegangen, und ich glaube auch dieses Mal. Das braucht viel Mut und Aufrichtigkeit."

Genau das vermisst der 35-Jährige bei den anderen Herstellern: "Es gibt Hunderte von Marken, die sich in diesem Sport engagieren, und es gibt neun andere Teams, die sich noch klar positionieren müssen. (...) Das ist für mich vielleicht auch der Grund, warum die Fahrer nicht mitmachen", mutmaßt der Mercedes-Pilot.

Das sagen Vettel und Bottas zu Hamiltons Kritik

Er wolle sich deshalb die nächsten Tage mit den Formel-1-Verantwortlichen in Verbindung setzen und auch mit Todt sprechen. "Denn niemand sonst wird es tun", so Hamilton. "Aber es gibt ein paar Fahrer, die mit mir in Kontakt stehen und sagen: 'Hey, ich will dabei sein, was kann ich tun...' Das ist fantastisch."

Zu diesen Fahrern zählt Sebastian Vettel. Er stimmt Hamilton zu, wenn er sagt, dass am letzten Rennsonntag "sehr, sehr wenig Zeit" blieb und alles "ein bisschen überstürzt" war. "Es ist wahr, dass wir uns in Zukunft untereinander besser abstimmen müssen."

Darin sieht auch Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas das Problem: "Ich wusste bis kurz vor dem Rennen nicht wirklich, dass vor der Nationalhymne etwas passiert. Es wurde nicht so richtig kommuniziert. Aber in den Fahrerbesprechungen der Formel 1 hat die FOM sehr deutlich gemacht, dass sie gerne helfen, vor oder nach der Hymne etwas zu organisieren, damit wir unsere Unterstützung zeigen können."

"Was Lewis betrifft", sagt Bottas weiter, "verstehe ich, dass er sich für dieses Thema einsetzt. Als Team unterstützen wir ihn, denn es ist eine wichtige Angelegenheit." Zugleich räumt er ein, selbst kein besonders politischer Mensch zu sein. "Ich bin Rennfahrer, aber ich unterstütze gerne, weil ich absolut gegen Rassismus bin."

Lewis Hamilton

Auch in Ungarn kniete sich Crew von Lewis Hamilton in der Startaufstellung

Foto: Motorsport Images

Haas-Teamchef Günther Steiner ist überzeugt, dass das auch auf seine Fahrer zutrifft. In Reaktion auf Hamiltons Kritik an Grosjean sagt er: "Ich kenne Romain sehr gut und sicher unterstützt er das, aber es stellt sich auch die Frage, wie lange wir das machen."

"Es ist jedermanns eigene Entscheidung", sagt Steiner über den Kniefall vor dem Start. "Wenn sich jemand entscheidet, es nicht mehr zu machen, bedeutet das nicht, dass er nicht gegen Rassismus ist. Dessen sollten wir uns dessen bewusst sein. Es ist eine freie Welt. Ich respektiere jeden, wir respektieren jeden in der Welt."

Formel-1-Weltmeister sieht noch keine Fortschritte

Doch für Hamilton muss sich das auch in Taten widerspiegeln. "Wir haben keine Fortschritte gemacht. Wir haben Dinge gesagt, und es sind Erklärungen veröffentlicht worden, und wir haben Gesten wie den Kniefall gemacht. Aber wir haben nichts verändert, außer vielleicht etwas an unserem Bewusstsein", hält er fest.

Im Vergleich zu anderen Sportarten sieht der Weltmeister die Formel 1 an dieser Front noch deutlich im Rückstand. "Sie ist natürlich viel weniger vielfältig als der Fußball, da es dort so viele farbige Spieler und gemischte Mannschaften gibt", konstatiert Hamilton.

"Ich weiß nicht wirklich, warum das so ist. (...) Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir nicht annähernd genug tun. Und das betrifft alle Bereiche. Ich muss mehr tun. Der Sport muss mehr tun. Die Medienchefs müssen mehr tun, denn selbst in dieser Branche ist es überhaupt nicht vielfältig. Ich glaube, in meiner ganzen Zeit in der Formel 1 hat mich nur ein Journalist mit dunkler Hautfarbe interviewt."

Weiterer Co-Autor: Jonathan Noble, Luke Smith. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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